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Bewährungsstrafe für Flüchtlingshelfer aus Nizza

CÔTE D‘AZUR

Vor etwa einem Jahr hatte Pierre-Alain Mannoni im französisch-italienischen Grenzbereich Flüchtlinge in seinem Auto mitgenommen. Gestern ist er vom Cour d’appel in Aix-en-Provence zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. In erster Instanz war der Wissenschaftler am 23. November in Nizza freigesprochen worden.

Der Vater von zwei Kindern hatte am 18. Oktober des letzten Jahres nahe der italienisch-französischen Grenze drei Eritreerinnen im Auto mitgenommen. Er hatte die kranken und erschöpften jungen Frauen, darunter eine Minderjährige, in einem heruntergekommenen Bahnhofsgebäude in Saint-Dalmas-de-Tende gefunden. Dafür landete er am 23. November in Nizza vor Gericht.

Als „ängstliche Frauen, die froren und verletzt waren“ bezeichnete der 45-jährige Wissenschaftler die Frauen im Gerichtsprozess. Der vorsitzende Richter sah den schlechten Zustand der jungen Afrikanerinnen als Grund dafür, dass Mannoni nicht bestraft werden konnte. Die Staatsanwaltschaft ging jedoch in Berufung.

Gestern wurde Mannoni nun in Aix-en-Provence zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Ein Urteil, mit dem er und seine Anwältin Me Maeva Binimelis alles andere als zufrieden sind. Sie kündigten an, Einspruch einzulegen.

Bereits zwei Tage bevor er die drei Eritreerinnen mitnahm, hatte der Wissenschaftler aus Nizza vier Sudanesen mit zu sich nach Hause genommen und ihnen ein Bett, etwas zu essen und Zugtickets nach Paris gegeben.

Die Meinungen in der Debatte um Flüchtlinge, die über die italienisch-französische Grenze nach Frankreich kommen, sind sehr kontrovers. Seitdem die Balkanroute geschlossen wurde, versuchen immer mehr Menschen, durch das Roya-Tal nach Frankreich zu gelangen. Während die einen Menschen wie Mannoni für Verbrecher halten, sind sie für andere Helden.

Grundsätzlich bleibt in Frankreich seit 2012 straffrei, wer Migranten mit „humanitären und uneigennützigen Taten“ hilft.  Dennoch gelangte etwa das Gericht im Falle Cédric Herrou, der für viele zum Symbol der Flüchtlingshilfe geworden ist, zur Ansicht, systematisches Handeln sei durch dieses Gesetz nicht geschützt. Zahlreiche Gleichgesinnte, darunter auch Cédric Herrou, fanden sich gestern in Aix-en-Provence ein, um Mannoni zu unterstützen. 

Birgit Kieckhäfer