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Einmalige Chance: Monaco zeigt «Das Gold der Pharaonen»

MONACO

Das alte Ägypten fasziniert seit Generationen. Japan etwa ist geradezu verrückt nach den Pharaos und ihrer untergegangenen Hochkultur, und selbst in Videospielen dient die mythenumrankte Ära als Setting – wie aktuell im Kultspiel «Assassin’s Creed». So entschieden sich auch die Kulturbeauftragten des Grimaldi Forums, zehn Jahre nach der Erfolgs-Ausstellung über die «Königinnen Ägyptens» erneut zum Publikumsmagneten «Ägyptologie» zu greifen.

«Das Gold der Pharaonen – 2500 Jahre Goldschmiedekunst im alten Ägypten» versammelt in diesem Sommer archäologische Schätze aus der Zeit bis 800 v.Chr. in Monaco. Neben Leihgaben aus verschiedenen europäischen Museen fliegen rund 150 der Artefakte direkt aus dem Ägyptischen Museum Kairo ein – zahlreiche Schmuckstücke, aber auch Totenmasken und Sarkophage, die ihre Heimat noch nie zuvor verlassen haben, wie Kuratorin Christiane Ziegler erklärt. Die renommierte Ägyptologin, die jahrelang im Louvre fürs alte Ägypten verantwortlich war, hatte auch schon die Schau über die Königinnen betreut.

Der Zufall kam der Ausstellungs-Macherin zur Hilfe: Bevor am 15. November unweit der Pyramiden von Gizeh mit dem ersten Teil des neuen Grand Egyptian Museum das größte archäologische Museum der Welt eröffnet, durchforsten die Restauratoren das Archiv des aus allen Nähten platzenden heutigen Museums. Eine Auswahl an hochwertigen, in der kunstgeschichtlichen Literatur zitierten Objekten, die ihnen bei der Inventur in die Finger kamen, boten sie exklusiv dem Fürstentum als Leihgabe an.

Die Ausstellung im Grimaldi Forum zeigt Artefakte aus den verschiedensten Dynastien. Vor gut 5000 Jahren waren die Ägypter der ersten Dynastie die ersten Menschen überhaupt, die Gold bearbeiteten und als Schmuck verwendeten. So ist die erstaunliche Handwerkskunst aus der Zeit ab 3200 v.Chr. ebenso Thema in Monaco wie das Beschaffen des kostbaren Materials, das zuhauf in die Gräber der Pharaonen wanderte. Dokumentiert werden aber beispielsweise auch Streiks und Korruption beim Bau der Pyramiden – «die menschlichen Seiten des alten Ägyptens», so Christiane Ziegler. Einen eigenen Raum erhalten die Grabplünderungen: Interaktiv und damit ansprechend speziell für junges Publikum gestaltet, fühlt sich der Besucher mitten hinein versetzt in die Machenschaften von Grabräubern.

Die Ägyptologin, die eher zufällig zu ihrer Lebensaufgabe rund ums alte Ägypten fand, wie sie im RZ-Gespräch gesteht, freut sich besonders auf den Schatz von Tanis (etwa 1000 bis 800 v.Chr.), der bis 1939 unentdeckt geblieben war. Sie selbst hat während regelmäßiger Ausgrabungen in der Begräbnisstätte Sakkara bei Kairo im Laufe von 20 Jahren ein bis dato unversehrtes Grab gefunden. «Die Vorstellung, dass da 3000 Jahre niemand eingetreten war», bereite ihr noch heute Gänsehaut, «auch wenn wir damals tatsächlich nach etwas ganz anderem gesucht haben.»

Monacos Ausstellungs-Budget von rund 2,5 Millionen Euro wandert überwiegend in den Transport und die Versicherung der kostbaren Stücke. Ein Besuch der diesjährigen Sommer-Expo ist quasi Pflicht, folgt man Christiane Zieglers Empfehlung. Denn die ist sich so gut wie sicher: «Wenn wir die Stücke zurückgegeben haben, werden sie Ägypten und sein neues Museum nie wieder verlassen.»

Aila Stöckmann

 

«L’Or des Pharaons»
Ausstellung vom 7. Juli bis 9. September im Grimaldi Forum in Monaco. Geöffnet täglich von 10 bis 20, donnerstags bis 22 Uhr. Eintritt: 11 Euro (gratis bis 18 Jahre).
www.grimaldiforum.com