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Gehölze! Ein Plädoyer für zeitgemäße Gartengestaltung

Gartendesigner Tobey Albert, Green Parrot Gardens/Mougins, veröffentlicht in der RivieraZeit regelmäßig Tipps und Ideen für Gärten im Süden. Hier seine Betrachtungen zum Thema Umweltschutz – und wie Sie Ihren eigenen Beitrag mit Ihrem Garten leisten können.

30 Jahre ist das jetzt her. Zuvor wurde ewig diskutiert. Katastrophenszenarien wurden entworfen, ein wirtschaftlicher Schaden von 5000 D-Mark für jeden wurde errechnet. So kam es zu einer unnötigen Übergangszeit von fünf Jahren, bis der Katalysator für Neufahrzeuge Pflicht wurde. Das war 1989. Ich denke, als menschliche Zivilisation können wir uns dieses Schneckentempo bei der Umsetzung lebensnotwendiger Umweltschutzmaßnahmen nicht weiter leisten.

Von der Vermüllung und Überfischung unserer Meere über einen galoppierenden Plastikverpackungswahnsinn bis hin zu den Kapriolen des Wetters – die Faktenlage ist klar: Umwelt- und Naturschutz müsste wichtigstes internationales Politikziel überhaupt sein. Die natürlichen Lebensgrundlagen, Boden, Wasser und Luft sowie Artenvielfalt von Pflanzen- und Tierwelt sind nach wie vor das Fundament unserer globalen Zivilisation. Daran hat kein technischer Fortschritt was geändert.

Aber: Umwelt- und Naturschutz scheinen langweilig geworden. So langweilig, als hätten wir den oft beschworenen Planeten 2.0 tatsächlich im Ärmel. Vielen ist dabei nicht klar, dass zahlreiche der gegenwärtigen politischen Krisen tatsächlich wesentlich auf Umweltproblemen beruhen: Wasserknappheit durch Klimawandel im Nahen Osten oder Landverpachtungen an überseeische Investoren in vielen afrikanischen Staaten.

Die Geschwindigkeit, mit der sich unser Planet verändert, wird von der Langsamkeit unserer nationalstaatlichen Strukturen und durch das Verzetteln unserer politischen Führer nicht mehr ansatzweise pariert.

Dabei habe ich den Eindruck, wenn ich in die sozialen Medien schaue, dass längst eine globale Mehrheit von Menschen bereit wäre, den Schritt von «Zivilisation 0» hin zu «Zivilisation 1» (Michio Kaku) zu tun. Eine bewundernswerte Zahl von Menschen überall auf diesem Planeten postet täglich auf Facebook zu ihren Bemühungen, ihre Strände vor Ort sauber zu machen. Menschen wie die Deutsche Marcella Hansch, deren «Pacific Garbage Screening» ins Crowdfunding gestartet ist, sind Inspiration für viele. Videos über Alex und Andrew von «4Ocean», die inzwischen 150 Leute beschäftigen, erhalten so viele Likes und Kommentare, dass man denken könnte, die Menschheit sei bereits en marche. Nur ihre Anführer trotten mit verbundenen Augen hinterdrein.

Was kann ich tun?

Aber so viel Unternehmergeist und Optimismus muss nicht einschüchtern. Jeder von uns kann mit seinem Garten einen großen Beitrag leisten, zum Klimaschutz, zum Bienenschutz, zum Erhalt der Artenvielfalt, zur Gesunderhaltung des Bodens, ja, zur Kühlung des Planeten. Das ist jetzt kein Appell zu einem „70er-Jahre-Jutebeutel“, kein Aufruf zu Babyschritten zur Heilung der Welt.

Dies ist ein Aufruf zum Pflanzen von Gehölzen. Ersetzen Sie ihren Rasen, der hier im Süden sowieso nie richtig funktionieren wird, und pflanzen Sie stattdessen alles, was Holz machen kann: Sie binden damit mehr CO2, als Sie denken, und sparen Wasser. Sie schaffen mehr Lebensraum für Insekten und Vögel, als Sie meinen, und Sie werden die Verbesserung der Luftqualität sofort spüren. Schneiden Sie alles nur noch ab und zu und machen Sie daraus Kompost. Ihr Garten wird sich wandeln von langweilig zu spannend, von krank zu gesund, von unproduktiv zu produktiv und von uninspiriert zu zivilisiert. Machen Sie Fotos von den Fortschritten und posten Sie sie!