Haupt-Reiter

Mit Winzer Munos auf Weinlese in der Domaine de Barbossi

GOURMET

In der über tausend Hektar großen Domaine de Barbossi am Fuße des Estérel hat bereits vor einigen Wochen die Weinlese begonnen, nun sind fast alle Trauben geerntet. Für die meisten Rebsorten war es ein gutes Jahr. Die Domaine in Mandelieu-la-Napoule hat dazu eingeladen, den Weg der Traube vom Rebstock bis in die Flasche zu begleiten.

Winzer Sébastian Munos betrachtet die letzten traubentragenden Weinstöcke so liebevoll, als wären es seine Kinder. Vor einem Monat hat sie begonnen, spätestens nächste Woche ist die diesjährige Weinlese beendet.

Für die Domaine de Barbossi, die sich über eine Fläche von 1350 Hektar vor den roten Bergen des Estérel-Gebirges erstreckt, sei es ein gutes Weinjahr gewesen. Insbesondere im Vergleich zu dem schwierigen Jahr 2017, das extreme Wetterereignisse kennzeichneten. Nur die Rebsorte „Grenache“ habe unter dem Regen im Frühjahr und der darauffolgenden Trockenheit gelitten. Den anderen Sorten, darunter auch „Syrah“, deren Trauben an diesem Morgen vor den Augen anwesender Journalisten geerntet werden, habe das Wetter nicht geschadet.

Als Anwärter auf das Label „Agriculture Biologique“ verwende das Weingut auch in Jahren, in denen das Wetter nicht ideal sei, keine chemischen Produkte, die eine ertragreichere Ernte garantieren würden. „Die ein bis 35 Jahre alten Rebstöcke werden traditionell angebaut und gepflegt und erstrecken sich über zehn Hektar des Anwesens“, erklärt der sympathische Winzer.

Er führt in den Keller, den ein intensiv-süßlicher, aber angenehmer Traubengeruch erfüllt. Hier werden die Trauben jeder Rebsorte von einer Maschine entrappt, also von ihrem Stiehlgerüst getrennt und teilweise per Hand aussortiert. Die Maschine arbeitet laut, doch Munos und seine Helfer lassen sich davon nicht ablenken, haben nur Augen für die auf das Band kullernden Trauben. Diese wandern nach ihrer Inspektion in eine Mühle, die sie zerdrückt. Als dickflüssiges Gemisch fließen sie schließlich in den gekühlten Keller.

Gepresst, gegärt und abgefüllt in Flaschen, bietet die Domaine in Mandelieu-la-Napoule Weißwein, Rosé und Rotwein an – jährlich rund 30.000 Flaschen. Chef-Sommelier Pascal Pauze, der 2015 zum „Meilleur Ouvrier de France“ gekürt wurde, erklärt: „Jede Rebsorte – Cinsault, Grenache, Syrah, Carignan, Rolle, Chardonnay, Muscat petit grain, Clairette – liefert die Trauben für einen Wein mit jeweils eigenem Charakter.“

Pauze schenkt die Weine in dem zu der Domaine gehörigen Sterne Restaurant „L’Oasis“ aus, das Spitzenkoch Stéphane Raimbault führt. Besitzer der Domaine, Iskandar Safa, zählt noch weitere Etablissements in seinem weitläufigen Gelände sein Eigen, darunter einen 18-Loch-Golfplatz und das Vier-Sterne-Hotel „L’Hermitage“. Wer sich weder für Sport noch für die Sterneküche begeistern kann, den möchte die Domaine de Barbossi mit ihrer Kunst anlocken. Skulpturen aus Holz, Metall und Marmor sprießen geschmackvoll aus der fruchtbaren Landschaft.

Die Werke schmücken und beleben die teilweise kargen Grünflächen der Domaine, auf der nicht nur Rebstöcke Platz finden. Auch für ihren sorgfältig hergestellten Honig und ihre Olivenöle ist Barbossi bekannt. Für den Winzer und Olivenanbauer Sébastian Munos ist daher nach der Ernte vor der Ernte. „Im Oktober sind schon die Oliven reif“, lacht er, als könne er es gar nicht mehr erwarten.

Catharina Jäckel