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Modeschöpfer de Givenchy mit 91 Jahren gestorben

MENSCHEN

Zu seinen Kundinnen gehörten Jacqueline Kennedy, Grace Kelly, Elizabeth Taylor, Marlene Dietrich und Audrey Hepburn. Am Samstag ist der Modeschöpfer Hubert de Givenchy gestorben, der erst nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn 1995 die Zeit fand, die Schönheit seines Anwesens in Saint-Jean-Cap-Ferrat in Muße zu genießen. Der Aristokrat, der unter anderem das kleine Schwarze für Audrey Hepburn in dem Hollywoodfilm "Frühstück bei Tiffany" entwarf, wurde 91 Jahre alt.

De Givenchy gehörte zu den Zaren der Modeszene. Der Stil der fünfziger und sechziger Jahre trug seine von schlichter Eleganz geprägte Handschrift. Die erste eigene Kollektion präsentierte er 1952 mit Starmannequins in einer neogotischen Villa an der Pariser Rue Alfred de Vigny. Der Erfolg der vorwiegend aus kombinierbaren Zweiteilern bestehenden Modelle ließ die Branche aufmerken. Aus Kostengründen beschränkte sich der Modeschöpfer bei seinen Entwürfen zunächst auf preiswerte Materialien wie Baumwolle. Auch seine eng anliegenden Jerseykleider und Abendroben aus Leinen sorgten für Aufsehen.

Später schuf er den berühmten "Ballonmantel". Seine grazilen Samtbustiers wurden gefeiert. Mit ihren häufig grellen Farben waren seine Kollektionen auch ein Gegenentwurf zu der eher konservativen Dior-Linie. Ein Kleid solle "eine Frau verschönern und nicht verkleiden", sagte er einmal.

Die vergleichsweise große Bewegungsfreiheit in seinen Kreationen wusste auch seine Muse Audrey Hepburn zu schätzen. Ihr Name ist eng mit dem von de Givenchy verbunden. Sowohl privat als auch in ihren Filmen. Gemeinsam schufen sie eine neue Silhouette für Hollywoodstars – elegant und weiblich. Hepburn war auch das erste Givenchy-Parfüm "L’Interdit" gewidmet. In "Sabrina" trat sie in einem Traum aus weißer Seide mit Schleppe und Blumenstickereien auf. In ihrem Erfolgsfilm "Frühstück bei Tiffany" steckte er sie in das berühmte kleine Schwarze. Das Givenchy-Cocktailkleid aus der Eröffnungsszene wurde 2006 für fast 700.000 Euro versteigert. Damit sei es das teuerste Kleidungsstück der Filmgeschichte, teilte das Auktionshaus Christie's damals mit.

Über 40 Jahre dauerte die gegenseitige Bewunderung und Freundschaft. "Sie hatte erstens die Figur eines Mannequins, dann hatte sie früher Ballettunterricht, sie wusste also, wie man sich bewegt, wie man geht. Sie hatte Klasse", sagte de Givenchy. Die Hepburn entgegnete: "Ich hänge an Givenchy wie viele Amerikaner an ihrem Psychiater."

Der berühmte rote Mantel, den Jacqueline Kennedy 1960 während des Wahlkampfs ihres Mannes John F. Kennedy trug, war noch eine Givenchy-Kopie; ein Jahr später sorgte sie dann bei einem Staatsdiner in Versailles in einer weißen Seidenrobe, einem Original-Entwurf des Modedesigners, für Furore. Nach der Ermordung ihres Mannes gab die Witwe des US-Präsidenten ihr Trauerkleid bei de Givenchy in Auftrag.

Bevor er sich mit einem eigenen Atelier in Paris selbstständig machte, hatte der Sohn des Marquis von Givenchy sein Handwerk bei den renommiertesten Modehäusern perfektioniert. Neben Lucien Lelong, bei dem er auf Christian Dior folgte, war er auch bei Jacques Fath und als Modezeichner für Elsa Schiaparelli tätig.

Sein großes Vorbild war aber der Spanier Cristóbal Balenciaga. Sein Idol wurde später so etwas wie sein Mentor und half ihm beim Ausbau seines Ateliers zu einer Marke.

Vor mehr als 25 Jahren begann der Modeschöpfer dann, sich allmählich aus der schillernden Modewelt zurückzuziehen. Zunächst verkaufte er 1988 sein Unternehmen an LVMH. Er blieb dort zwar alleiniger Kreateur, aber nach sieben Jahren war er ernüchtert: "Ich war ein einfacher Angestellter geworden, dessen Namen man verhöhnte."

1995 nahm er schließlich auch als Designer mit einer spektakulären Modenschau Abschied von der Schneiderkunst. Viele Größen der internationalen Modebranche erwiesen ihm dabei die Ehre: Yves Saint-Laurent, Christian Lacroix, Kenzo, Paco Rabanne, Valentino. Den Schlussapplaus empfing er damals wie immer in einem weißen Arbeitsmantel.

Später führte de Givenchy als Präsident die französische Dependance des Auktionshauses Christie's und kümmerte sich für den World Monuments Fund unter anderem um den Erhalt der Gärten von Versailles.

Mit der aktuellen Mode konnte de Givenchy nicht mehr viel anfangen. "Es gibt keine Mode mehr, sondern Moden. Diese Ära gefällt mir nicht. Es wird zu dick aufgetragen", sagte er 2017 im Magazin "Paris Match". Früher hätten sich die Menschen noch Zeit zum Ankleiden genommen, und man habe Wert auf prächtige Stoffe gelegt. Heute hingegen – alles nachlässig."

Givenchy starb im Schlaf, wie sein Lebensgefährte am Montag mitteilte. Die Beisetzung werde in aller Stille erfolgen.

R. Liffers