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Neuer deutscher Pfarrer und seine Frau wollen Gemeinde ausbauen

MENSCHEN

Im eigenen Herbst des Lebens noch etwas bewegen, Neues sehen und Menschen zusammenbringen: Voller Elan sind Mitte September Gerhard Jacobs und seine Frau Dorothée in Nizza angekommen. Der evangelische Pfarrer im Ruhestand wird sich zehn Monate lang um die deutschsprachige evangelische Gemeinde der Côte d’Azur kümmern.

Nach einer Nacht im Süden wartete bereits der erste Einsatz auf Gerhard Jacobs: Zwei Deutsche ließen sich von ihm an ihrem Sehnsuchtsort trauen. Auch für die regelmäßigen Gottesdienste in deutscher Sprache, Taufen und Beerdigungen ist der Pfarrer seither zuständig. Die «Deutsche Evangelische Kirche Nizza Côte d’Azur» selbst hat ihre Heimat vor vielen Jahren in Nizza (heute: Eglise Saint-Esprit, 21 Boulevard Victor Hugo) gefunden, lädt regelmäßig aber auch zu deutschsprachigen Gottesdiensten in die Schwedische Kirche nach Cagnes-sur-Mer ein. Die protestantische Gemeinde blickt auf eine lange Tradition am Mittelmeer zurück: Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts fand in Nizza ihr erster deutschsprachiger Gottesdienst statt.

Pfarrer auf Zeit

Dennoch kämpft die kleine Gemeinde an der Côte d’Azur ums Überleben: Die verantwortliche EKD (Evangelische Kirche Deutschland) entsendet Jahr für Jahr nur Pfarrer auf Zeit; Pfarrer, die zehn Monate lang ehrenamtlich im Einsatz sind. Dass eine kontinuierliche Gemeindearbeit so schwer möglich ist, wissen auch der «Neue» und seine Frau.

Aber: Gerhard Jacobs und seine Frau Dorothée sind erfahren in der Auslandsseelsorge; Nizza ist bereits ihr siebter Einsatzort seit der Pensionierung von Jacobs im Jahr 2009 – nach Kreta, Bogotá, Mallorca, Venedig, Costa Blanca und Lanzarote.

Kontakte knüpfen!

«Am wichtigsten ist uns zu allererst das Kontakteknüpfen!» sagt Gerhard Jacobs beim Redaktionsbesuch in Sophia-Antipolis. Er und seine Frau kommen aus Münster in Westfalen, einer Traumstadt, die sie über alles lieben. Auch Kinder und Enkel in der Heimat werden sie vermissen. Aber die Abenteuerlust packt sie immer wieder! Die Côte d’Azur kennen beide gut von früheren Reisen; auch die Sprache ist ihnen nicht fremd. Dass es sie einmal beruflich hierher verschlagen würde, hätten beide sich jedoch nie träumen lassen.

Das mit dem Kontakteknüpfen wiederum, fürchten beide, könnte sich hier in Frankreich schwieriger gestalten als anderswo: «In Lanzarote zuletzt waren wir eine wichtige Anlaufstelle für die Deutschen dort», sagt der sportliche Pensionär, der Nizza gerne joggend erkundet. «Die Deutschen hier, so stellen wir fest, versuchen eher ins französische Leben einzutauchen, statt den Kontakt zu Landsleuten zu suchen.»

Kultureller Austausch

Missionieren ist überhaupt nicht das Ding der Münsteraner, auch Nicht-Gläubige sind in ihrer Gemeinde herzlich willkommen: «Wir suchen den kulturellen Austausch!» so der Pfarrer. Als großer Chagall-Kenner hat er bereits eine deutschsprachige Führung im Museum in Nizza angeboten, seine Frau denkt an Lesungen am Meer, und jetzt in der Adventszeit sind Nachmittage ohne Andacht geplant, an denen man zusammen kommt, Geschichten liest, singt und Adventskränze bastelt.

«Das Ganze soll bloß nicht zu fromm ablaufen – wir sind schließlich auch ganz normale Menschen», sagt Pfarrer Jacobs augenzwinkernd. Um zum Abschied doch wieder eine Spur ernster zu werden: «Wir haben hier eine große Aufgabe, und das ist schön so!»

AS

www.kirche-nizza.org