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Nizza - ein Jahr nach dem Anschlag. Eine Bestandsaufnahme

WISSENSWERTES

Ein Jahr ist seit dem Terroranschlag vom 14. Juli letzten Jahres in Nizza verstrichen. Die Zeit vergeht, doch die Trauer bleibt. Der Nationaltag wurde zu einem schrecklichen Alptraum, der die Stadt tiefgreifend veränderte. Eine Bestandsaufnahme.

Ein provisorisches Denkmal zu Ehren der Opfer des Terroranschlags von Nizza steht im Garten der Villa Masséna. Photo: ©Ville de NiceDie Situation der Opfer
Der LKW-Anschlag in Nizza kostete insgesamt 86 Menschen das Leben, 458 wurden verletzt. Anfang dieses Jahres befanden sich immer noch drei der Opfer im Krankenhaus. In den Tagen nach dem Attentat wurden 3042 Personen in der vor Ort eingerichteten psychologischen Notfallversorgungsstelle registriert. Besonders hoch ist die Anzahl der Kinder mit schweren psychischen Folgeschäden. Sie leiden unter Schlafstörungen und Angstzuständen, verfolgt von den schrecklichen Bildern der Unglücks-Nacht. Mehrere Hilfszentren für Betroffene wurden eingerichtet, darunter die Maison des Victimes der Stadt Nizza.

Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen 
Um das Risiko weiterer Anschläge zu verringern, wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Nizza deutlich verschärft. Neben der Erhöhung des bewaffneten Polizei- und Militäraufgebots finden verstärkt Kontrollen an Schulen, öffentlichen Plätzen und Gebäuden statt. Weitere neue Überwachungskameras wurden installiert, womit Nizza heute die am stärksten videoüberwachte Stadt Frankreichs ist. Darüber hinaus wird der Fußgängerbereich der Promenade des Anglais zu einer vollkommen abgeriegelten Zone umgebaut. Das neue Sicherheitssystem soll das Eindringen unbefugter Fahrzeuge verhindern. Aus Respekt vor den Angehörigen der Opfer wurde die historische Flaniermeile ein Jahr lang nicht als Veranstaltungsort genutzt.

Vereinigungen
Neben nationalen Hilfsorganisationen für Opfer von Terroranschlägen bildete sich in Nizza 2016 die Vereinigung Promenade des Anges, in der sichBetroffene des Anschlags treffen. Ziel ist es, sich gegenseitig zu unterstützen, für angemessene finanzielle Entschädigungen zu kämpfen sowie noch offene Fragen zur Tat genauer aufzuklären. Vor allem Letzteres ist für die Betroffenen enorm wichtig, um das Geschehen besser verarbeiten zu können. So ist auch eines der wichtigsten Anliegen des Vereins, dass die schrecklichen Ereignisse des 14. Juli und die Opfer nicht in Vergessenheit geraten.

Gedenkstätte
Bis Anfang dieses Jahres blieb der Musikpavillon im Park Albert 1er Erinnerungsort für Trauernde und Anteilnehmende, an dem sie Plüschtiere, Blumen, Bilder und Plakate ablegten. Im Februar wurden die Objekte in Saint-Laurent-du-Var archiviert. Mit dieser Entscheidung sind nicht alle Betroffenen zufrieden. So hat die Vereinigung Promenade des Anges eine Petition für ein eigenes Gedenkmuseum in Nizza gestartet. Ein Denkmal für die Anschlagopfer ist an der Promenade des Anglais geplant, der finale Standort jedoch noch nicht beschlossen. Bis zur Fertigstellung des eigentlichen Denkmals wurde eine temporäre Gedenkstätte im Garten der Villa Masséna errichtet (Foto), in der die Namen der 86 Verstorbenen eingraviert sind.

Gedenkfeier am 14. Juli 2017
Der diesjährige französische Nationalfeiertag ist in Nizza eine Hommage an die Opfer des Anschlags. Aus Platten in den Nationalfarben soll eine gigantische Botschaft gebildet werden, die vom Himmel aus zu lesen ist. Neben einer Rede von Staatspräsident Emmanuel Macron und einer Militärparade steht zudem ein Konzert des Philharmonie-Orchesters auf dem Programm. Auf Wunsch der Familien der Opfer wird außerdem der Musiker Calogero sein Stück «Les feux d’artifice» interpretieren. Das sonst zum Nationalfeiertag übliche Feuerwerk wird nicht stattfinden. Aus Solidarität werden auch alle anderen Städte der Côte d’Azur an diesem Tag darauf verzichten.

 

Elena Stahlmann