Haupt-Reiter

Picassos Lieblingsvilla in Mougins ist wieder zu haben

IMMOBILIEN

Kommando zurück! Picassos Lieblingshaus "Notre-Dame-de-Vie" in Mougins ist wieder zu haben. Der vom örtlichen Bürgermeister bereits als perfekt gemeldete Verkauf an einen reichen Kaufmann aus Sri-Lanka ist geplatzt. Er habe sein Angebot zurückgezogen, teilte Notar Maxim van Rolleghem aus Grasse mit, der die derzeitigen bankrotten Eigentümer aus den Niederlanden vertritt. Jetzt soll die letzte Wohnstatt des berühmten spanischen Malers unter den Hammer kommen.

Picasso-HausVersteigerungstermin für das Anwesen ist der 12. Oktober in Grasse, Ausrufpreis 20 Millionen Euro – das sind zehn Prozent von der Summe, die der in London und Brunei lebende Rayo Withanage im Dezember 2016 angeblich hatte bezahlen wollen. Withanage war zu dem bereits für den 2. Februar vorgesehenen Notariatstermin nicht in Grasse erschienen, heiß es weiter. Auch ein zweiter Termin im Juni blieb unbeachtet.

Neue Gebote können ab sofort abgegeben werden. Der Meistbietende soll nach dem Willen der verpfändenden niederländischen Bank den Zuschlag erhalten. Besichtigungen sind möglich zwischen dem 22. und 29. September zwischen 14 und 16 Uhr. Potentielle Käufer aus den USA und China haben bereits Interesse bekundet.

Der erwähnte holländische Investor hatte die Villa von Catherine Hutin, Tochter von Picassos letzter Frau Jacqueline Roque-Picasso, erworben.

Bei dem im 18. Jahrhundert errichteten einstigen Wohnsitz des berühmtesten Künstlers des 20. Jahrhundert handelt es sich um einen Gebäudekomplex mit 800 Quadratmetern Wohnfläche. Vom Meister selbst finden sich keine Spuren mehr. Lediglich das ehemalige Atelier des Spaniers, der hier besonders kreativ war, ist noch in seiner alten Form erhalten. Doch auch dort erinnern heute nur noch ein paar Farbspritzer auf der Wand an den Großmeister der Klassischen Moderne.

Mit dem Rückzug von Withanage sind auch die Pläne gestorben, die alte Picasso-Villa in Zusammenarbeit mit lokalen Stiftungen zur Förderung der Kunst nutzen. Erlöse solcher Events sollten in Abstimmung mit dem Fürstentum Monaco und der Gemeinde nachhaltigen Umweltprojekten zufließen.

Vor Picasso hatte die Villa "Notre Dame de Vie" der Familie Guiness gehört. Winston Churchill hatte hier im Sommer regelmäßig seine Ferien verbracht und gemalt.

Picasso hatte das Haus 1961 erworben und bis zu seinem Tod 1973 bewohnt. In dem drei Hektar großen, wohl angelegten Park mit mehreren 500-jährigen Olivenhainen hatte der Maler eine eigene Rose gezüchtet und die größten Glycinien Europas kultiviert. Seit dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 1986 stand es leer.

Ab 2007 hatte es der BMB Alliance und dem zitierten Niederländer gehört. Der hatte sich einst Knall auf Fall in die nach einem ehemaligen Kloster in der Nähe benannte Villa verliebt und sie unter Anspielung auf eines von Picassos Lieblingsmotiven (mythologische Wesen mit menschlichem Körper und Stierkopf) in "L’Antre du Minotaure" ("Höhle des Minotaurus") umgetauft.

Dann hatte er die Besitzung nach Plänen des bekannten Architekten Axel Vervoordt grundrenovieren, erweitern und um etliche Annehmlichkeiten bereichern lassen: Swimmingpool, Aufzug, Klimaanlage, Spa, Tennisplatz. Wegen finanzieller Schwierigkeiten blieben die Bauarbeiten jedoch unvollendet.

Rolf Liffers