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Pool fast fertig: Staatspräsident Macron wird in Bormes erwartet

MENSCHEN

Andere Länder, andere Sitten: Man stelle sich vor, Angela Merkel würde sich und ihrer Familie auf Staatskosten ganzjährig eine alte Festung am Meer reservieren lassen. Für den französischen Staatspräsidenten kein Problem! So hat Emmanuel Macron jetzt entschieden, die zuletzt als Museum genutzte traditionelle Sommerresidenz seiner Amtsvorgänger für Privatzwecke zu revitalisieren. In der Ära Hollande war das Fort de Brégançon in Bormes-les-Mimosas im Departement Var der Öffentlichkeit überlassen worden, weil der Sozialist feudale Herrensitze zu bewohnen aus Prinzip abgelehnt hatte. Vor der baldigen Abwahl hatte ihn das bekanntlich nicht gerettet.

Fort de BrégançonDamit es schnell geht und sich Monsieur le Président (nix "Manu") dort ab kommenden Samstag für zwei Wochen erholen kann, hatte Macron bei einer einheimischen Firma kurzfristig einen holzverkleideten Swimmingpool hors sol in Auftrag gegeben, eine Art Fertigpiscine, also kein in den Boden versenktes Bad in Massivbauweise. Nach Presseberichten kam nur diese bescheidene Lösung für – laut Elysée – 34.000 Euro in Frage, weil es eine enormer Aufwand gewesen wäre, das erforderliche Loch von vier mal zehn Metern in den Fels zu sprengen, auf dem das Fort steht. Um Polemik zu vermeiden, soll das gern "royal" auftretende Ehepaar Macron ein leicht wieder zerlegbares Modell gewählt haben. Zuvor hatte es nämlich Aufregung gegeben, weil die beiden für den Elysee-Palast neues (Sèvre-)Porzellan angeschafft hatten. Kostenpunkt: 50.000 Euro.

Derweil gilt die deutsche Bundeskanzlerin als Vorbild für Bescheidenheit. Angela Merkel wohnt in einem unprätentiösen Gebäude an der Museumsinsel in Berlin und macht auch sonst kein Aufhebens von sich. Ihre privaten Termine pflegt sie selbst zu machen. Wenn sie zum Frisör will, ruft sie wie jeder andere Normalsterbliche höchstselbst im Salon von Udo Walz an und wünscht sich ausdrücklich keine Extrawurst, sondern nur etwas Ruhe. Merkel glänzt auch sonst eher von innen, wenn sie zum Beispiel Altenheime besucht und den Menschen dort persönlich den Kaffee serviert.

Auch die Mitglieder ihres Kabinettes üben sich in Demut. Kulturstaatsministerin Monika Grütters reiste erst kürzlich zu einem offiziellen Staatsbesuch im Nahen Osten in einem Billigflieger nach Israel, dessen Staatschef Benjamin Netanjahu und seiner Frau ein verschwenderischer Lebensstil vorgeworfen wird. Grütters Sprecher Hagen Philipp Wolf bestätigte auf Befragen, Billigflieger wie Easysjet zu nutzen sei bei deutschen Ministern "durchaus üblich".

In Frankreich halten sich die Animositäten gegen die Macrons Lebensstil in Grenzen. Wie verlautet, freut sich Hund Nemo schon auf die bevorstehenden Ferien und ein kühles Bad in Bormes. Ein Artgenosse, der schwarze Labrador Baltique von François Mitterand, hatte sich dort auch ohne Pool schon wohl gefühlt. Später wurde dem Vierbeiner in der südfranzösischen Kleinstadt Soustons (Departement Les Landes) sogar ein Denkmal gesetzt. Irgendwer allerdings hatte dann aber doch wohl Aggressionen und der Bronze den Schwanz abgehackt und als Trophäe mitgenommen.

R. Liffers