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Qualitäts-Weingüter im Var schließen sich zusammen

GOURMET

«Ein Zusammenschluss von Freunden, die dieselbe Passion teilen.» So erklärt Prinz Félix von Luxemburg die neu gegründete Vereinigung von zwölf Winzern aus dem Gebiet rund um das provenzalische Dörfchen Lorgues. In bestem Deutsch unterhielt sich der junge Vereins-Präsident mit RZ-Chefredakteurin Petra Hall über die Beweggründe seiner Initiative «Lorgues Terre de vins» und seine persönliche Motivation.

Bei den Mitgliedern* der neuen Initiative handelt es sich um Domaines, die beste Qualitätsweine – cru classé – herstellen. Präsident des Vereins «Lorgue Terre de vins» ist der 33-jährige Prinz Félix von Luxemburg, Inhaber des Château Les Crostes, Vize-Präsidentin ist Valérie Rousselle, Besitzerin des Château Roubine, die Ehrenpräsidentschaft hat Trüffel-Papst Bruno übernommen.

Was war der ausschlaggebende Punkt für diese Aktion? Félix von Luxemburg, zweiter in der Thronfolge seines Landes, locker in rosa Hemd und schwarzen Jeans: «Im Januar 2016 habe ich alle Winzer rund um Lorgues, dieser von Gott gesegneten Erde, auf mein Gut eingeladen. 12 von 16 sind gekommen. Bis dahin war jeder in seinem eigenen Weingut sozusagen eingeschlossen. Ich wollte diese Kommunikationsbarriere brechen. Und so entstand unser Verein ‚Lorgue Terre de vins‘ – eine wunderbare Möglichkeit des Austausches von Erfahrungen und Ideen. Es ist nicht einfach, ein Weingut zu führen, da tut es gut, Weggefährten an der Seite zu haben. Wir verstehen uns prächtig.»

Besonders am Herzen liegt es den Mitgliedern verschiedener Nationalitäten, den Standort Lorgues aufzuwerten und bekannter zu machen. Neben dem bezaubernden Städtchen im Var hält die Gegend einen wahrhaftigen Schatz an regionalen Produkten bereit: Wein natürlich und auch Olivenöl, Honig und Nougat inmitten einer unberührten Landschaft. Eine appellation d'origine contrôlée, AOC, Bezeichnung für eine kontrollierte Herkunft, ist bisher nicht geplant. Sehr wohl aber ein Minizug, mit dem man von einem Weingut zum anderen zuckeln kann. Schon jetzt gibt es im Touristenamt einen kleinen Entdeckungs-Pass, in dem die teilnehmenden Weingüter aufgeführt sind. Hat man alle zwölf besucht und kann dies mit einem Stempel nachweisen, bekommt man als Geschenk zwölf Flaschen köstlichen Weins – von jeder Domaine eine. Auch gemeinsame künstlerische und karitative Aktionen sind vorgesehen. Außerdem wird eine Kommission angestrebt, die die Qualität jedes Unternehmens überprüft. Ein Internetauftritt ist in Arbeit.

Und Félix der Glückliche? Wie kam er dazu, Winzer zu werden? «Ich? Nein, meine Frau!», lacht er mit einem Glas kühlen Rosés seines Château des Crostes in der Hand. «Mein Schwiegervater erwarb das Gut im Jahr 1998. Nachdem ein Verwalter auf den anderen gefolgt war, schenkte er es 2012, ein Jahr vor unserer Hochzeit, meiner Frau. Claire und ich sind in der Schweiz zusammen in die Schule gegangen und kennen uns, seitdem sie 17 und ich 18 war. Sieben Jahre später haben wir uns dann durch Zufall wiedergetroffen und uns seitdem nicht mehr losgelassen.» Beide haben Bioethik studiert – ein Fach, das unter anderem Medizin und Jura, aber auch Politik und Philosophie umfasst. «Ich wollte so viel Allgemeinwissen wie irgend möglich in mich aufsaugen», so der Prinz, der als Beruf Bioadviser angibt.

Das Grundstück, auf dem das Gut steht, umfasst insgesamt 250 Hektar Land inklusive Wälder. Auf 55 Hektar wachsen Weinreben, 300 Liter Olivenöl werden jährlich geerntet. Nachdem Claire das Château les Crostes übernommen hatte, war dem Paar klar: «Zunächst einmal gilt es, sich des Erbes des Vaters anzunehmen und dessen enorme Arbeit dauerhaft zu sichern.

Die Domaine war prachtvoll, wir haben nur das Marketing geändert. Am Anfang haben wir uns schwer getan, unseren Wein zu verkaufen und jetzt haben wir fast nicht genug. Aber die Erweiterung der Anbaufläche würde eine zu große Investition bedeuten. Da müsste die Flasche 200 Euro kosten, jetzt verkaufen wir sie für 8 Euro!» Prinz Félix von Luxemburg gesteht: «Ich jedenfalls würde in einem Restaurant nicht mehr als 30 Euro für eine Flasche Rosé ausgeben.»

Claire und Félix heirateten 2013 im nahen Saint-Maximin, gefeiert wurde jedoch auf dem Weingut. Die beiden Kinder, Prinzessin Amalia, 3, und Prinz Liam, 6 Monate, wurden in Lorgues getauft. Drei Jahre lang wohnte die Familie in der Provence, nun ist ihr Lebensmittelpunkt Genf, von wo aus der Prinz zweimal monatlich hin- und herpendelt. «Aber die Domaine bleibt Teil unseres Lebens», sagt er.

PH

* Château l’Arnaude, Château Sainte Beatrice, Château de Berne, Domaine du Clos d’Alari, Château les Crostes, Domaine Estello, Château la Martinette, Château Roubine, Château des Sarrins, Château Mentone, Château Sainte-Foy et Domaine des Aumèdes.