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Steckmuschel-Sterben: Unbekannter Parasit wütet im Mittelmeer

MONACO

Seit mehreren Monaten wütet ein unbekannter Parasit im Mittelmeer und rottet dessen größte Muschel-Spezies aus. In der Bucht von Monaco ist die Population bereits von 1200 Exemplaren auf weniger als fünf Überlebende gesunken.

Steckmuscheln Riesig Aussterben Parasit Umwelt Katastrophe MittelmeerEs handelt sich um die zweitgrößte Muschelsorte der Welt nach den Tropischen Riesenmuscheln, mit einer Länge von über einem Meter: Die Edle Steckmuschel (Pinna nobilis) ist dabei, von den Küsten des Mittelmeeres zu verschwinden. Grund dafür ist ein bisher unbekannter Parasit mit dem Namen Haplosporidium Pinnae, der das Verdauungssystem der großen Muscheln angreift.

Bei einer Zählaktion im Jahr 2008 wurden noch rund 650 Vertreter der Muschelart im Naturschutzgebiet Larvotto vor Monaco einzeln erfasst; die Gesamtpopulation wurde dort damals auf 1000 bis 1200 Individuen geschätzt. Anfang dieses Sommers nun wurden nur noch zwei oder drei lebende Exemplare gezählt, so Raphael Simonet vom Umweltamt.

An zwei weiteren Standorten vor dem Fürstentum, die 2017 untersucht wurden – unterhalb des Ozeanografischen Museums und am Ausgang des Hafens in Fontvieille –, lebten zu dem Zeitpunkt noch 200 Exemplare. Dort wurde jetzt kein einziger Überlebender mehr gefunden.

Eine wahre Katastrophe für die Umwelt, denn „jede Edle Steckmuschel filtert 100 bis 150 Liter Wasser pro Tag. Sie nehmen im Wasser befindliche schwere Metalle und Radionukliden auf“, so Stéphanie Orengo, verantwortliche Tierärztin am Ozeanographischen Institut, gegenüber Nice Matin. Am Zustand der Steckmuschel kann man den Zustand des Wassers und des Ökosystems Meer ablesen.

Nachzucht-Programm
Das Umweltamt von Monaco hat entschieden, die unverzichtbaren Partner wieder vor der Küste des Fürstentums anzusiedeln. Dazu sind seit Juni und noch bis Oktober dieses Jahres an sechs verschiedenen Stellen, an denen bis vor kurzem noch eine Edle Steckmuschelbevölkerung vorzufinden war, „Larvenfallen“ ausgebracht. Mit deren Hilfe sollen Larven gefangen werden, die von tiefergelegenen Individuen produziert wurden, wo die Wassertemperatur zu niedrig für den Parasiten ist.

Falls dies gelingt, sollen die Larven ins Aquarium des monegassischen Zentrums zur Pflege maritimer Arten verlegt werden. Dort könnten diese sich dann unter strenger Überwachung entwickeln und, sobald sie eine ausreichende Größe erreicht haben, wieder in ihrer natürlichen Umgebung ausgesetzt werden.

JM