Haupt-Reiter

Weil er Flüchtlingen half: Herrou zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt

CÔTE D'AZUR

Cédric Herrou, der unter anderem 200 Flüchtlingen zur illegalen Einreise nach Frankreich verholfen hat, wurde zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er bereut sein Handeln nicht und möchte weitermachen, selbst wenn er dafür ins Gefängnis kommt.

Der Hof des 38-jährigen Landwirts Cédric Herrou liegt im Roya-Tal in den Alpes-Maritimes, im Grenzgebiet zwischen Italien und Frankreich. Nach der Schließung der Balkanroute versuchen viele Flüchtlinge, durch das Roya-Tal nach Frankreich zu gelangen. Cédric Herrou, dessen Hof direkt an der Flüchtlingsroute liegt, konnte das Leid der vorbeikommenden Sudanesen, Eritreer und Afghanen nicht mehr ertragen.

HerrouDer Biobauer nahm die Migranten bei sich auf, richtete ihnen Schlafplätze und sanitäre Anlagen ein, klärte sie über ihre Rechte auf und begleitete sie nach Nizza und Marseille, wo sie Asylanträge stellen konnten. Nach eigenen Angaben ermöglichte er etwa 200 Flüchtlingen, die an der italienisch-französischen Grenze aufgehalten wurden, die illegale Einreise nach Frankreich.

Außerdem funktionierte er – zusammen mit anderen Bewohnern des Roya-Tals – einen alten Bahnschuppen der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF zu einem Flüchtlingslager um. Der Schuppen war seit fast 30 Jahren nicht mehr genutzt worden.

Wegen seines Engagements für Flüchtlinge saß Herrou schon mehrere Male in Untersuchungshaft und hat fast 200 Morddrohungen von Rechtspopulisten erhalten. Er wurde angeklagt und am 10. Februar zunächst zu einer Geldstrafe von 3000 Euro auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Nizza, die eine Haftstrafe von acht Monaten gefordert hatte, ging in Berufung.

Am gestrigen Dienstag verurteilte das Berufungsgericht im südfranzösischen Aix-en-Provence den Bauern nun zu vier Monaten Haft auf Bewährung. Im Gegensatz zum Gericht der ersten Instanz befand das Berufungsgericht ihn zudem der illegalen Einnahme des Eigentums der SNCF schuldig. Er soll für die am Schuppen entstandenen Schäden und für die Interessen der SNCF 1000 Euro an diese zahlen.  

Seit 2012 bleibt in Frankreich straffrei, wer Migranten mit „humanitären und uneigennützigen Taten“ hilft. Das Gericht war allerdings der Ansicht, systematisches Handeln wie das von Herrou sei durch dieses Gesetz nicht mehr geschützt.

Cédric Herrou, der viele Anhänger in der französischen Bevölkerung gefunden hat, steht zu seinen Taten. Noch vor der Verkündung des Urteils erklärte er, dass er es als seine Pflicht ansehe, Flüchtlingen zu helfen, wenn der französische Staat es nicht tue. Er führte weiter aus, dass die französischen Werte nach und nach vollkommen vergessen würden. „Man hat den Eindruck, dass die Politik die Justiz instrumentalisiert“, so Herrou. Er empfinde es als falsch, der Angeklagte in diesem Prozess zu sein. Eigentlich gehöre der Staat auf die Anklagebank.

Daher möchte Cédric Herrou sein Engagement für die Flüchtlinge nicht beenden und Berufung gegen das Urteil einlegen. Er ist bereit, für seine Überzeugungen ins Gefängnis zu gehen. Von dort aus würde er– das hat er bereits angekündigt – publizieren und so seinen Kampf schriftlich weiterführen. Mit Hilfe von Bauernführer José Bové, der für seinen aggressiven Kampf gegen den Genmais bekannt wurde, ist Herrou auch bereit, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu gehen. Eine Audienz bei Emmanuel Macron hat er schon beantragt.

 

Birgit Kieckhäfer