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„StopCovid“: Corona-Tracing-App millionenfach im Einsatz

WISSENSWERT

Vor knapp einer Woche gelauncht, in den ersten Tagen bereits eine Million-mal heruntergeladen: Frankreichs Corona-Warn-App „StopCovid“ soll Nutzer informieren, wenn sie Kontakt zu einem Infizierten hatten. Entwickelt wurde die Anwendung im Technologiepark Sophia-Antipolis an der Côte d’Azur von einem Team der staatlichen Forschungseinrichtung Inria.

Seit Dienstag, 2. Juni, kann die App aufs Smartphone geladen werden: Entwickelt nach südkoreanischem Vorbild zur Bekämpfung der Pandemie, soll „StopCovid“ mithilfe von Bluetooth-Signalen erfassen, welche Smartphones von Bürgern einander für mindestens 15 Minuten nahegekommen sind (Abstand unter einem Meter). Falls sich später herausstellt, dass sich Nutzer neben einer Person aufgehalten haben, bei der eine Coronavirus-Infektion festgestellt wurde, sollen jene Nutzer über die Software gewarnt werden. Wirksam werde die App, wenn mehrere Millionen Menschen sie nutzten, heißt es. Die App ist für Android-Geräte in Googles Play Store und für iPhones mit dem Betriebssystem iOS im App Store von Apple verfügbar.

Tech-Experten hatten im Vorfeld der Veröffentlichung kritisiert, dass die französische App nicht von den Schnittstellen Gebrauch macht, die Apple und Google kürzlich für Corona-Tracing-Apps für ihre Betriebssysteme iOS und Android bereitstellten: Diese Entscheidung, die unter anderem von den deutschen App-Plänen abweicht, könnte zu einem hohen Stromverbrauch und einer weniger zuverlässigen Bluetooth-Erkennung führen, hieß es.

Auch Datenschützer äußern verschiedenen Medien zufolge Bedenken. Ein entscheidender Unterschied zwischen Frankreichs Modell und den Lösungen der US-Konzerne und damit auch dem deutschen Ansatz besteht bei der Frage, wo der Abgleich der Daten stattfindet. Beim Konzept der Franzosen werden die Daten auf einem zentralen Server abgeglichen. Datenschützer hatten das bemängelt und für dezentrale Lösungen plädiert, deren Einsatz Apple und Google mit ihren Schnittstellen nahelegen. Die deutsche Corona-Warn-App, die auf Dezentralität setzt, wird voraussichtlich Mitte Juni fertig.

Die Einführung der App in Frankreich am 2. Juni ging einher mit weiteren Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Seit vergangener Woche dürfen hier wieder Restaurants und Cafés öffnen.