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80. Geburtstag von Romy Schneider: "Sie gab sich stets 100-prozentig"

KUNST & KULTUR

Am 23. September wäre Romy Schneider 80 geworden. Und obwohl seit ihrem Tod schon über 36 Jahre vergangen sind, überschlagen sich aus Anlass ihres Geburtstags wieder gedruckte und elektronischen Medien sowie verschiedene Filmmuseen mit Sonderveranstaltungen – und das nicht nur in ihrer Heimat Österreich und in Deutschland, wo sie für viele die biedere "Sissi" blieb, sondern auch in Frankreich, wo die gebürtige Wienerin besonders verehrt wird. Dort hatte ihr Leben vor rund 50 Jahren mit den Dreharbeiten zu "Swimmingpool" in Ramatuelle, wo sie auf den Höhen von Pampelonne die Villa L’Oumede bewohnte, eine schicksalhafte Wende genommen.

Die an der Seite von Harry Meyen frustrierte Schauspielerin erhält an einem späten Abend des Jahres 1969 in Hamburg einen Anruf von Alain Delon, der sie nicht lange überreden muss, an seiner Seite die Hauptrolle im "Swimmingpool“ zu übernehmen. Die Vierecksgeschichte entspinnt sich vorwiegend an der Piscine eines Landhauses bei Saint-Tropez, wo Romy schon zwei Wochen vor der ersten Klappe aufkreuzt. Der Film beginnt wie eine Idylle der Erotik und des Müßigganges. Unterschwellig jedoch bauen sich dann aber Eifersucht, Hass und Rachegefühle auf, die schließlich in einem Mord gipfeln.

Bereits bei ihrer damaligen Ankunft in Nizza und auf dem Weg zu den Dreharbeiten im Var wird Romy von der internationalen Presse belagert, für die ihr Wiedersehen mit Alain Delon nach fünf Jahren eine Riesen-Story ist. Romy ist wie ausgetauscht, als begänne für sie ein neues Leben. Dazu passt das Zitat, mit dem für einen Bildband («Romy lebt») geworben wurde: «In Frankreich begannen alle neuen Abschnitte meines Lebens. Ich beginne wieder beim Punkt Null und bin froh darüber.»

Von Pressefotografen lässt sich Romy Schneider nun nackt im Mittelmeer ablichten, stürzt sich ausgehungert in die Arbeit und sieht ihren Mann, der derweil auf den zweijährigen Sohn David aufpasst, nur noch in Drehpausen. Ein Reporter schrieb: «Romy begriff zum ersten Mal die ewige Medienmathematik von nackter Haut gleich Titelbild gleich Kinokasse...».

Und in der Tat: Nach dem – auch kommerziell – großen Erfolg von «La piscine» ist die biedere Sissi endgültig passé. Delons Liebe zu Romy flammt wieder auf. Sie weist ihn ab («Nichts ist kälter als eine tote Liebe») und damit den wahrscheinlich einzigen Mann, der sie je wirklich geliebt hat.

Gut zehn Jahre später: Am 28. Mai 1982 kehren Romy Schneider und ihr Lebensgefährte Laurent Pétin von einem Abendessen bei dessen Bruder zurück. Auf dem Heimweg in ihre gemeinsame Wohnung in Paris an der Rue Barbet-de-Jouy sprechen sie über ihr Wochenendprogramm. Zu Hause will Romy noch Musik hören. Am nächsten Morgen wird die erst 43-jährige, vielfach ausgezeichnete Schauspielerin von Pétin tot an ihrem Schreibtisch gefunden.

In Interviews schlossen ihr Leibfotograf und ihr Manager Selbstmord aus. Sie beriefen sich auf ein bevorstehendes Filmprojekt mit Alain Delon sowie Romys Plan, aufs Land zu ziehen. In der Presse dagegen wurde ihr Tod zunächst meist als Freitod interpretiert. Im Totenschein steht Herzversagen.

Romys letzter Film, «Die Spaziergängerin von Sans-Souci», kommt im April 1982 in die Kinos. Bei der Synchronisierung für die deutsche Version ist die Schauspielerin schon nicht mehr dabei.

Aktuelle Romy-Hommagen

Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt wird Romy Schneider diesen ganzen September über eine filmische Hommage widmen. Ebenso der trinationale Fernsehsender 3sat. Vom 21. bis 23. September werden nach dem "Swimmingpool" der Heimatfilm "Die Deutschmeister", die Dokumentation "Romy – La Rose", Hans Jürgen Syberbergs Doku-Klassiker "Romy – Portrait eines Gesichts" und der "Spion zwischen zwei Fronten" ausgestrahlt.

Auch die neue Ausgabe von Spiegel-Biografie beleuchtet Leben und Werk des deutschen Weltstars: "Ein Schicksal vor der Kamera – Romy Schneider" versammelt neben den Highlights der Berichterstattung aus vier Jahrzehnten aktuelle Interviews, zeithistorische Rückblicke auf ihre Karriere, Tagebucheinträge und eine große Auswahl gleichermaßen intimer wie entblößender Fotografien.

Als besonderes Fundstück wird ein bisher unveröffentlichtes Spiegel-Gespräch mit Romy Schneider aus dem Jahr 1959 abgedruckt. Der spätere Diplomat und Politiker Günter Gaus befragte zusammen mit einem Kollegen das damals 20-jährige "Fräulein Schneider" über die Nachteile des Starruhms und ihr Verhältnis zur Schauspielerei.

Schlagartig berühmt geworden war Schneider bekanntlich mit der Rolle der österreichischen Kaiserin Elisabeth, genannt Sissi (1955). Als unschuldige, kindlich junge und bezaubernd schöne Filmheldin verkörperte sie das Ideal einer heilen, glücklichen Welt für das Publikum im zerstörten und gedemütigten Nachkriegsdeutschland, bis die Schauspielerin wenige Jahre später die Flucht ergriff und in Frankreich ein freies, wildes Leben begann.

Unter der Regie von internationalen Filmkünstlern wie Claude Sautet, Luchino Visconti und Orson Welles avancierte Romy Schneider zur Diva des internationalen Kinos der 60er- und 70er-Jahre, spielte in Klassikern wie »Das Mädchen und der Kommissar«, »Die Dinge des Lebens« und »César und Rosalie« mit.

Mit ihren Männern, allen voran dem französischen Macho Alain Delon, fand Schneider kein dauerhaftes Glück. Jahrelang missbrauchte sie Alkohol und Tabletten und starb nur zehn Monate nach dem tödlichen Unfall ihres vierzehnjährigen Sohnes.

Der Romy-Schneider-Biograf Michael Jürgs erinnert sich in dem letzten, legendären Interview mit dem kettenrauchenden Star aus dem Jahr 1981: „Erwartet hatte ich eine etwas verspielte Österreicherin, eine auf Männer fixierte Frau, eine Diva. Entgegen kam mir eine von gescheiterten Beziehungen verzweifelte Frau, die nicht wusste, wie sie weiterleben sollte."

Die Begegnung zwischen Schneider, Jürgs und dem Fotografen Robert Lebeck war in diesem Jahr auch Thema des preisgekrönten Dokudramas „3 Tage in Quiberon“. Die Regisseurin dieses Films, Emily Atef, sagt bewundernd über Romy Schneider: "Sie hatte die Gabe, sich hundertprozentig zu geben, was vielleicht auch ihr Verhängnis war." Auch als Frau von heute, so Atef, könne man sich „immer noch sehr gut mit ihr identifizieren“.

Auf den Hügeln von Ramatuelle, wo Romy Schneider aus heutiger Sicht einst ihr Sissi-Image abstreifte, erinnert inzwischen nichts mehr an die große Schauspielerin.

Rolf Liffers