Haupt-Reiter

Côte d’Azur erlebt zunehmend verheerende Unwetter

WISSENSWERT

Verheerende Unwetter an der Côte d’Azur häufen sich in den letzten Jahren. Der Klimawandel trägt die Hauptschuld, daran besteht kein Zweifel. In Zukunft dürfte es nur noch schlimmer werden, warnen Meteorologen. Am morgigen Mittwoch besucht Präsident Macron das Unglücksgebiet im Hinterland von Nizza.

Warum hat sich das Unwetter – eine der an der Côte d’Azur wohlbekannten épisodes méditerranéens – vom vergangenen Freitag in Nizzas Hinterland so dramatisch entwickelt? Unglaubliche Wassermengen gingen im Nordosten des Departements Alpes-Maritimes (und in Teilen des benachbarten Piemonts und Liguriens) in kürzester Zeit nieder. In einem der am schlimmsten betroffenen Orte – Saint-Martin-Vésubie – wurden innerhalb von zehn Stunden 500 Millimeter Regen gemessen. Das entspricht den Durchschnitts-Regenwerten von dreieinhalb Monaten. Die Menge könne als „tropisch“ bezeichnet werden, sagte ein Meteorologe.

Im alpinen Hinterland von Nizza mit Bergen bis zu 3000 Meter Höhe fließen unzählige Bächlein in die tiefen Täler mit den diesmal am stärksten betroffenen Flüssen Vésubie, Tinée und Roya. Auf ihrem Weg nach unten schwellen sie unaufhörlich und in rasender Geschwindigkeit an, um spätestens im Tal derartig gewaltig zu sein, dass sie mitreißen, was ihnen im Wege steht. Sie lösten am Freitag Erdrutsche und Schlammlawinen aus. Häuser, Brücken, Straßen, Autos – nichts konnte der Macht des Wassers standhalten.

 

Das Wetter-Phänomen

Steigende Luft-Temperaturen bewirken eine immer stärkere Verdunstung von Wasser, was wiederum häufigere und stärkere Gewitter provoziert. Ein Teufelskreis, der vor allem im nördlichen Mittelmeer in Zukunft noch an zerstörerischer Gewalt zunehmen wird, warnt ein Meteorologe von Météo France. „Die globale Erwärmung ist weitgehend für diese Art von Phänomen verantwortlich“, sagte er gegenüber dem Fernsehsender France 2.

Wie nach jedem Unwetter stehen auch Baugenehmigungen in der Kritik, die – speziell an der Côte d’Azur – in der Vergangenheit immer wieder das Errichten von Häusern zu nah an Flussläufen und Bächen gestatteten.

 

Sie möchten helfen?

Zahlreiche Hilfsaktionen von Städten, Vereinen und Privatpersonen sind im Gange. Die Metropolregion hat die Möglichkeit eingerichtet, in wenigen Klicks direkt online für die Unwetter-Opfer zu spenden. NACHTRAG am Freitag, 16. Oktober: Mittlerweile liegt die Höhe der eingegangenen Spenden bei knapp 300.000 Euro.

Um die Hilfe zu koordinieren, hat die Präfektur der Alpes-Maritimes folgende E-Mail-Adresse eingerichtet, an die man Hilfsangebote richten kann:

pref-aide-intemperies@alpes-maritimes.gouv.fr

 

Hilfe für Unternehmen

Die Industrie- und Handelskammer Nice Côte d’Azur (CCI) hilft Unternehmen, die durch Sturmtief Alex zu Schaden gekommen sind. Einige, darunter beispielsweise die Brauerei Brasserie du Comté mit Sitz in Saint-Martin-Vésubie, haben alles verloren. Unter folgender Telefonnummer oder E-Mail-Adresse können Betroffene ihre Schäden angeben, die Anzahl der betroffenen Arbeitsplätze und ihre dringendsten Bedürfnisse nennen.

allocci@cote-azur.cci.fr
Tel. 04 93 13 75 73
www.cote-azur.cci.fr

Die Unternehmen sollen so schnell wie möglich ein Kit erhalten mit allen wichtigen Informationen und Tipps zu den dringend zu erledigenden administrativen Schritten sowie nützlichen Nummern.

 

Freizeitaktivitäten in den Bergen und Wäldern verboten

Bis einschließlich Sonntag, 11. Oktober, fordert der Präfekt der Alpes-Maritimes Solidarität und hat jegliche Freizeitaktivitäten in den Bergen und Wäldern (massifs forestiers) des Departements verboten. Hintergrund ist, dass die spezialisierten Rettungsdienste (PGHM, CRS Haute-Montagne, GRIMP) unter Hochdruck arbeiten, um der Bevölkerung nach dem Unwetter zu helfen. Ihre Notfalleinsätze dort haben höchste Priorität haben und sie können nicht für zusätzliche Missionen mobilisiert werden.