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+++ Corona-Update +++ Die Angst vor einer „zweiten Welle“ wächst

In vielen Ländern Europas wächst die Furcht vor weiter steigenden Corona-Zahlen. In Frankreich gibt es inzwischen über 3.000 Neuinfektionen an einem Tag. Die EU schätzt das Risiko als sehr real ein.

In den meisten Ländern der EU dauern die Ferien an oder sie sind erst kürzlich zu Ende gegangen. Urlaubsreisen stehen in diesen Tagen auf dem Programm vieler. Der Verdacht liegt nahe, dass die Ausbreitung des Coronavirus so beschleunigt wird.

Sommer, Sonne, Sorglosigkeit?

Unterwegs in EuropaWie wir bereits berichteten, sind viele Städte in Frankreich bereits dazu übergegangen, die Masken-Trage-Pflicht auch im Freien durchzusetzen. Hierbei handelt es sich insbesondere um Orte, die als touristische Zentren gelten. Der Verdacht liegt nahe, dass die Enge an den Stränden und in den Innenstädten dazu führt, dass sich das Virus wieder schneller verbreiten kann. Sollte es jedoch an der Arg- oder Verantwortungslosigkeit einiger Reisenden liegen, wäre das doch sehr bedenklich, denn gesunder Menschenverstand sollte neben Kamera und Sonnenschutz auch im Urlaub ein stetiger Begleiter sein. Dass das Corona-Virus kein Frühlingsphänomen war, ist mittlerweile deutlich geworden. Bilder von ausgelassen feiernden Partyurlaubern, wie auf Mallorca vor einigen Wochen, suggerieren jedoch, dass es der ein oder andere mit Abstand, Maske & Co. nicht sehr ernst nimmt. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass die Neuinfektionsrate stetig steigt.

Weitere Konsequenzen folgen

Nachdem die britische Regierung Frankreich bereits am vergangenen Donnerstag als Risikoland klassifiziert hatte, haben sich Szenen der Verzweiflung auf dem Weg auf die Insel abgespielt – überteuerte Fährpreise, Staus und Chaos waren für viele Rückreisende, die der Quarantäne entgehen wollten, die Folge.

Deutschen Spanienurlaubern könnte es nun ähnlich ergehen: Deutschland hat die Liste der Risikogebiete am Freitag, 14. August, um das spanische Festland sowie die Balearen ergänzt. Wesentliches Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist dort, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohnern gegeben hat. Für alle Einreisenden aus Risikogebieten gilt die Testpflicht. Wer getestet wurde, muss sich solange in häusliche Quarantäne begeben, bis ein Negativergebnis vorliegt.

Die Zunahme der Neuinfektionen hat ebenso die italienische Regierung zu weiteren Einschränkungen bewogen, die insbesondere das Nachtleben regulieren sollen: Die Schließung von Diskotheken wurde angeordnet sowie das Tragen von Masken von 18 bis 6 Uhr an öffentlichen Plätzen.

Stella Kyriakides, die europäische Gesundheitskommissarin, warnt derweil auf Twitter: „Das Risiko eines Wiederauflebens von #COVID19 ist sehr real.“

Tweet europäische Gesundheitskommissarin

Ihre Warnung begründet sie mit den neusten Ergebnissen des Europäisches Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). In dem letzte Bericht vom 11.08.2020 heißt es: „Die COVID-19-Pandemie stellt nach wie vor eine große Gefahr für die öffentliche Gesundheit der EU/EWR-Länder und Großbritanniens sowie für Länder weltweit dar.“

Coronazahlen der europäischen Nachbarn:

Region

Absolute Zahlen

Tägliche Ø Infizierung pro 100.000 Einwohner in den letzten zwei Wochen

An Covid-19 verstorben

EU/EWR/GB[1]

1.924.569

 

 

Spanien

342.813

115,7

28.617

Großbritannien

320.345

20,7

46.791

Italien

253.915

9,7

35.396

Frankreich

255.980

45,7

30.410

Deutschland

225.201

16,4

9.236

Monaco

145

n.b.

4

[1]  Europäische Union, Europäischer Wirtschaftsraums (EWR), Großbritannien; Aufgrund nationaler Aktualisierungen Abweichungen möglich. Unter: https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6. Stand. 17.08.2020, 13.27 Uhr.
 
Gerade im August sind die Fallzahlen wieder erheblich gestiegen. Dies liegt dem ECDC zufolge vor allem an den Lockerungen der Einschränkungen. Das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten rät daher den Mitgliedsstaaten, die Wiedereinführung ausgewählter Maßnahmen im Kampf gegen das Virus in Erwägung zu ziehen.

Auffallend ist, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Frankreich mit aktuell ca. 3000 enorm hoch ist. Vergleicht man diese mit Italien (+479 am Sonntag, 16.08.)[2] oder Deutschland (+561 am Sonntag, 16.08.), wird eine große Diskrepanz deutlich. Mit einer durchschnittlichen Infizierungsrate von 45,7 steht Frankreich zumindest in Deutschland kurz davor, ebenfalls als Risikogebiet zu gelten.

Die Sterberate im Zusammenhang mit Covid-19 ist in den europäischen Ländern zuletzt gesunken.

Corona in Frankreich:[3]

• 4.864 aktuell stationär behandelte Patienten (-4 zum 13.08.2020)
• Davon müssen 376 intensivmedizinisch betreut werden (+2 zum 13.08.20)
• 263 Cluster (+ 30 zum 13.08.20)
• Quote der bestätigten Fälle liegt bei 2,8 Prozent (+0,5 zum 13.08.20)

Corona-Warn-App „StopCovid“

Eine Maßnahme, um sich selbst und andere zu schützen ist die Corona-Warn-App „StopCovid“ der französischen Regierung. Menschen, die sich in der Nähe einer positiv getesteten Person befunden haben, werden schnellstmöglich darüber informiert.

Denise Mähne

 

[2] http://opendatadpc.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/b0c68bce2cce478eaac82fe38d4138b1. Zugriff am 17.08.2020.

[3] https://www.santepubliquefrance.fr/dossiers/coronavirus-covid-19/coronavirus-chiffres-cles-et-evolution-de-la-covid-19-en-france-et-dans-le-monde. Stand 16.08.2020.