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+++ Corona-Update +++ Frankreich lockert den Lockdown ab Samstag

WISSENSWERT

Frankreich beginnt am kommenden Samstag mit ersten kleinen Schritten einer Lockerung des Lockdowns. Geschäfte aller Art dürfen wieder öffnen, und der persönliche Radius für sportliche Aktivitäten im Freien wird auf 20 Kilometer erweitert. Weitere Schritte sind für den 15. Dezember und den 20. Januar geplant – wenn das Virusgeschehen es zulässt.

Die täglichen Neu-Infektionen im Hexagon sinken, die Lage auf den Intensivstationen entspannt sich seit der vergangenen Woche leicht. Zeit für erste zaghafte Lockerungen der Shutdown-Maßnahmen; vieles bleibt aber vorläufig verboten, denn das Coronavirus zirkuliert nach wie vor im ganzen Land.

Wie Emmanuel Macron am Dienstagabend in einer erneuten TV-Ansprache an die Nation erläuterte und verschiedene seiner Minister seither präzisiert haben, wird der frankreichweite coronabedingte Lockdown am Samstag, 28. November, in einigen Punkten gelockert. So viel vorab: Restaurants sollen bis 20. Januar geschlossen bleiben, und sämtliche Hygienemaßnahmen im Alltag bleiben so wichtig wie bisher.

Was ist ab 28. November wieder erlaubt?
Öffnen dürfen ab kommendem Samstag wieder sämtliche Geschäfte, also auch jene mit „nicht lebensnotwenigen Artikeln“ wie Buchhandlungen, Spielzeugläden etc. Pro Kunde müssen 8 qm Fläche vorhanden sein und es solle eine Laufrichtung vorgegeben werden. Auch Fahrschulen dürfen ihren Betrieb wieder aufnehmen, Kunstgalerien wieder öffnen, und Gottesdienste etc. mit maximal 30 Teilnehmern sind wieder gestattet.
Dort, wo möglich, muss weiterhin Tele-Arbeit geleistet werden.
Erlaubt ist ab Samstag ebenfalls wieder Individualsport im Freien wie Tennis, Golf, Angeln, Segeln. Der bisherige Bewegungsradius von einem Kilometer ums Zuhause wird auf 20 Kilometer und zeitlich von der bisher erlaubten Stunde auf drei Stunden erweitert – zur Freude auch von Joggern, Wanderern und Radfahrern.

Was ändert sich – a priori – am 15. Dezember?
Wenn am Dienstag, 15. Dezember, die Zahl der Neuinfektionen unter 5000 liegt und sich höchstens 2500 bis 3000 Menschen wegen Covid-19 auf der Intensivstation befinden, weicht das confinement (vollständige Ausgangssperre) einem couvre-feu (nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 und 7 Uhr).
In Bezug auf weitere Lockerungen bedeutet dies: Museen, Kinos und Theater dürfen (unter Einhaltung strikter Regeln) wieder öffnen. Heimkehrern aus Kino oder Theater soll eine Ausnahme von der Sperrstunde gewährt werden (Toleranz von einer Stunde).
Musikschulen dürfen ebenfalls ihre Arbeit wieder aufnehmen, mit Ausnahme des Gesangsunterrichts – zu riskant.
Pünktlich vor Weihnachten soll ab Mitte Dezember zudem das Reisen in andere französische Regionen sowie international (entsprechend der Auflagen der Reiseländer) wieder erlaubt sein, aber Präsident Macron zufolge dennoch möglichst vermieden werden. Ferienfreizeiten für Kinder sind über die Weihnachtsferien verboten.
Zu Weihnachten und Silvester (24. und 31. Dezember) gibt es keine nächtliche Ausgangssperre. Mit wie vielen Menschen aus wie vielen Haushalten gemeinsam gefeiert werden darf, wird noch bekannt gegeben.

Und wobei ist Geduld bis zum 20. Januar gefragt?
Restaurants und Bars sollen bis 20. Januar geschlossen bleiben, ebenso wie Sporthallen und Fitnessstudios. Lässt das Infektionsgeschehen es zu, soll der Lockdown um den 20. Januar quasi vollständig aufgehoben werden. Das heißt, dass auch Oberstufenschüler dann komplett zum Präsenz-Unterricht zurückkehren können (Unis voraussichtlich zwei Wochen später).
Was allerdings beispielsweise Clubs und Diskotheken betrifft, gibt es noch keinerlei Wiedereröffnungs-Perspektiven.

Streitpunkt Skigebiete – Sonderregelung für die Alpes-Maritimes?
Die Regierung hat angekündigt, dass die Skilifte während der Weihnachtsferien noch geschlossen bleiben müssten und dann unter strengen Auflagen vermutlich ab Januar öffnen dürften. Urlaub in den Skigebieten solle dennoch möglich sein.
Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi hat heute in einer Pressekonferenz verkündet, er habe bei der Regierung um eine Sondergenehmigung für eine frühere Öffnung der Skilifte in den Alpes-Maritimes (Isola 2000, Auron etc.) gebeten. Er führt vor allem zwei Argumente an: Erstens haben die Bewohner und Unternehmer der Seealpen durch die Überschwemmungen Anfang Oktober bereits stark gelitten und zweitens handele es sich – anders als die großen Stationen in den Nordalpen – um Naherholungs-Skigebiete, die vor allem Tagesgäste aus dem Küstengebiet empfangen (die statt Party zu machen und dabei potenziell das Virus übertragen abends wieder nach Hause fahren).
Estrosi schlug im Gegenzug unter anderem vor, das Publikum vorerst auf Skifahrer aus dem Departement Alpes-Maritimes zu begrenzen und die maximale Verkaufszahl von Skipässen pro Tag auf die Hälfte zu reduzieren verglichen mit dem Vorjahresdurchschnitt des entsprechenden Tages (durch ausschließlichen Online-Verkauf). Er rechnet mit einer Antwort für kommenden Montag.