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+++ Corona-Update +++ Frankreich stellt seine Impfstrategie vor

WISSENSWERT

Während soeben die Corona-Infektion von Frankreichs Staatspräsident Macron bekannt wird, haben Premier- und Gesundheitsminister gestern der Nationalversammlung die geplante Impfstrategie der Regierung vorgestellt. Ab der letzten Dezemberwoche soll mit der Impfkampagne historischen Ausmaßes begonnen werden, sofern bis dahin alle Genehmigungen vorliegen.

Wie der Elyséepalast heute Morgen mitgeteilt hat, ist Präsident Emmanuel Macron positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er hätte zuvor erste Symptome gezeigt. Der Präsident werde sich nun für sieben Tage isolieren und von zuhause weiterarbeiten. Wie sich Macron angesteckt hat, ist noch unklar. Auch Premierminister Jean Castex wolle sich als Kontaktperson vorsorglich isolieren. Die Regierungsgeschäfte werden per Videokonferenzen weitergeführt.

Kampagne in drei Phasen

Die geplante Impfstrategie sieht eine Kampagne in drei Phasen vor, erklärte der Premierminister gestern vor der Nationalversammlung. Als erstes sollen Risikopatienten, das heißt, vor allem Bewohner von Altenheimen, den Impfstoff erhalten. Klares Ziel: Die Sterbequote in den Heimen reduzieren und gleichzeitig bewirken, dass weniger Menschen auf die Intensivstation kommen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Eine Million Menschen fallen unter Phase eins, die sechs bis acht Wochen dauern werde. Drei Wochen nach der ersten Gabe muss die Impfung aufgefrischt werden.

In Phase zwei sollen bis zu 14 Millionen Menschen geimpft werden: Menschen mit einem Risikofaktor wie ihrem Alter oder einer chronischen Krankheit sowie im Gesundheitssektor Arbeitende.

Das Gros der Bevölkerung werde erste in Phase drei erreicht, gegen Ende des Frühjahrs.

Noch vor Jahresende soll Frankreich 1,16 Millionen Dosen Impfstoff erhalten, weitere 677.000 in der ersten Januar-Woche sowie 1,6 Millionen im Februar. Bestellt habe der Staat insgesamt 200 Millionen Dosen, um 100 Millionen Menschen impfen zu können.

Bevor man sich impfen lasse, werde man ärztlich über alle Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt. Niemand werde gegen seinen Willen geimpft.

Hygiene-Auflagen bleiben mindestens bis zum Sommer in Kraft

Gleichzeitig unterstrich der Premierminister, dass der Beginn der Impfkampagne nicht gleichbedeutend mit einem Ende der Epidemie sei. Die aktuell geltenden Hygiene-Bestimmungen würden mindestens bis zum Sommer in Kraft bleiben.

Gesundheitsminister Olivier Véran bezeichnete die Impfung als „maßgeblichen und anspruchsvollen Schritt“ im Kampf gegen Covid-19 und lobte die Leistungen von Wissenschaft und Medizin. Beiden Ministern ist klar, dass sie noch am Vertrauen der Menschen in die Impfungen arbeiten müssen: Aktuell, so heißt es aus der nationalen Gesundheitsbehörde Santé Publique France, seien nur 53 Prozent der Franzosen gewillt, sich impfen zu lassen. Der Staat wolle bei seiner Kampagne auf totale Transparenz, Wachsamkeit und Entschlossenheit setzen.

Sperrstunde statt Ausgangssperre

Der am 30. Oktober begonnene zweite Lockdown in Frankreich ist vor zwei Tagen, am Dienstag, 15. Dezember, zum zweiten Mal gelockert worden. Die grundsätzliche Ausgangssperre wurde durch eine Sperrstunde zwischen 20 und 6 Uhr ersetzt. Die Infektionszahlen von Ende Oktober (rund 40.000 Neu-Ansteckungen pro Tag) sollten durch die Maßnahmen auf 5000 gedrückt werden. Gestern wurden 17.615 neu-Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gezählt – ein deutlicher Wiederanstieg im Vergleich zu den vorausgegangenen Tagen.