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+++ Corona-Update +++ Lockdown bleibt vorerst unverändert

WISSENSWERT

Zwei Wochen nach Beginn des zweiten Lockdowns in Frankreich hat Premierminister Jean Castex gestern Abend eine erste Bilanz gezogen: Zahlen wie etwa die Reproduktionszahl (Angesteckte pro infizierter Person) hätten sich gebessert, müssten sich aber nun in den kommenden Tagen bestätigen. Die eingangs getroffenen Regelungen bleiben unverändert. Eine mögliche Lockerung könne frühestens am 1. Dezember in Kraft treten. Restaurants, Bars und Sporthallen würden aber in jedem Fall weiterhin geschlossen bleiben.

Sollte sich die aktuell positive Tendenz der Corona-Zahlen und -Parameter in der kommenden Woche nicht bestätigen, müsse hingegen sogar mit strikteren Maßnahmen gerechnet werden. Ziel sei es, über Weihnachten Lockerungen ermöglichen zu können. Auf Feste im größeren Kreise dürfe man sich aber weder zu Weihnachten noch zu Silvester Hoffnung machen.

Besorgniserregende Zahlen im Süden
Die Lage in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA) ist laut Direktor der regionalen Gesundheitsbehörde ARS PACA, Philippe De Mester, besorgniserregend. Die Region zähle zu den fünf aktuell am stärksten betroffenen Regionen Frankreichs. Anfang dieser Woche hatte er noch keine Verlangsamung der Virusaktivität sehen können, täglich wurden in der Region PACA mehr als 30 Corona-Tote gezählt. Der Höhepunkt der ersten Welle sei bereits bei Weitem übertroffen: Im Frühjahr wurden in der Region maximal 420 Covid-19-Patienten in den Intensivstationen gezählt; Anfang dieser Woche waren es bereits 503. Die Zahl der wöchentlichen Todesfälle liegt seit zwei Wochen deutlich über den April-Zahlen (über 250 aktuell, gegenüber 150 im April).

Frankreich rechnet mit einem Höhepunkt der Kurve um den 20. November. Entsprechend hat man sich in der Region PACA auf weiter steigende Patientenzahlen vorbereitet. Gab es im September insgesamt 480 Plätze auf den Intensivstationen, so sind mittlerweile 760 Betten mit Beatmungsgeräten vorhanden. Die Zahl soll bis zum erwarteten Höhepunkt der zweiten Welle noch auf 850 erweitert werden. Außerdem wird seit dem 6. November ein Großteil der für diesen Monat geplanten nicht dringenden Operationen verschoben, vor allem, um dadurch Personal zu gewinnen. Besonders in den drei nördlichen Departements der Region (Vaucluse, Alpes-de-Haute-Provence, Hautes-Alpes) ist die Lage in den Krankenhäusern mehr als angespannt. Zwölf Patienten aus dem Vaucluse sind bereits in die Bretagne ausgeflogen worden, zwei weitere gestern nach Grasse.

 

Ein Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen:

Frankreich (Stand gestern, 12. November, Info hier & hier)  
• 33.172 Neu-Infizierte in 24 Stunden
• 4899 Menschen auf der Intensivstation (+96 in 24 Stunden)
• 32.683 Menschen im Krankenhaus (+737 in 24 Stunden)
• 96,6 Prozent Auslastungsgrad in den Intensivstationen (bezogen auf die ursprüngliche Bettenkapazität, die seit Ausbruch der Pandemie jedoch erhöht wurde)
• 3698 beobachtete Infektionsherde (Cluster), darunter 1317 in Seniorenheimen
• 418 Tote in 24 Stunden (42.960 seit Ausbruch des Virus)
• 0,93 R-Wert (Anzahl der Personen, die von einer infizierten Person durchschnittlich angesteckt werden)
• Inzidenzrate: 392,3 (Infizierte je 100.000 Menschen)

Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA)
Betrachtet werden die jüngsten Zahlen der regionalen Gesundheitsbehörde ARS PACA, veröffentlicht am gestrigen Donnerstag, 12. November.  
• 1913 Menschen mit Covid-19 werden im Krankenhaus behandelt (+32 in 2 Tagen).
• 512 von ihnen auf der Intensivstation (+6 in 2 Tagen)
• 108 Menschen mit Covid-19 sind in den vergangenen zwei Tagen im Krankenhaus gestorben
• 86,3 Prozent der Intensivbetten in der Region sind belegt (106,7 Prozent der ursprünglichen Kapazitäten)
• Inzidenzrate: 473 (Vorwoche: 535)
• 846 Menschen befinden sich im Anschluss an ihre Covid-19-Erkrankung in einer Reha-Einrichtung (+6 in 2 Tagen)

Ein Blick in die größten Departements der Region

Alpes-Maritimes
• 228 Menschen sind hospitalisiert (+8 in 2 Tagen)
• 74 von ihnen liegen auf der Intensivstation (+0 in 2 Tagen)
• 80 Prozent der Intensivbetten sind belegt
• 330 Menschen sind seit Beginn der Krise mit Corona im Krankenhaus verstorben
• 7-Tages-Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner in einer Woche): 361

Bouches-du Rhône
• 926 Menschen sind hospitalisiert (+5 in 2 Tagen)
• 301 von ihnen liegen auf der Intensivstation (+3 in 2 Tagen)
• 86,9 Prozent der Intensivbetten sind belegt
• 1197 Menschen sind seit Beginn der Krise mit Corona im Krankenhaus verstorben
• 7-Tages-Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner in einer Woche): 486

Var
• 264 Menschen sind hospitalisiert (+7 in 2 Tagen)
• 66 von ihnen liegen auf der Intensivstation (+4 in 2 Tagen)
• 90 Prozent der Intensivbetten sind belegt
• 292 Menschen sind seit Beginn der Krise mit Corona im Krankenhaus verstorben
• 7-Tages-Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner in einer Woche): 456

Monaco
Im Fürstentum wurden am gestrigen Donnerstag acht neue Fälle bekannt, wobei nur die Zahlen der in Monaco lebenden Menschen in die Statistik einfließen. Seit Beginn der Pandemie wurden in Monaco insgesamt 532 Menschen positiv auf Covid-19 getestet.
Aktuell werden 19 Personen mit Covid-19 stationär im CHPG behandelt, darunter sechs Menschen auf der Intensivstation (fünf Residenten).
93 positiv Getestete mit geringen Symptomen befinden sich in häuslicher Quarantäne und werden vom Centre de Suivi à Domicile betreut.

 

Tracking-App: TousAntiCovid
Seit dem 22. Oktober steht in Frankreich die neue Version der Anti-Corona-App zum Download bereit und wurde seither gut 8 Millionen-mal heruntergeladen. „TousAntiCovid“ ersetzt die bisherige Tracking-App und soll helfen, Kontaktpersonen im Falle einer Covid-19-Infektion zu benachrichtigen. Die neue App sei leistungsfähiger, außerdem informiert sie tagesaktuell über die Schlüsselzahlen wie die Anzahl der Neuinfektionen, die 7-Tage-Inzidenz von Infektionen pro 100.000 Einwohnern sowie die Bettenauslastung in den Krankenhäusern.

Ausgeh-Bescheinigung: Wann braucht man sie? Wo kann sie heruntergeladen werden?
Wie schon beim Lockdown im Frühjahr hat die französische Regierung eine Ausgeh-Bescheinigung (attestation de déplacement dérogatoire) vorbereitet, die ausgefüllt entweder digital oder ausgedruckt mitzuführen ist, sobald man sein Zuhause verlässt. Die attestation lässt sich neben der genannten Seite der Regierung auch über die Anti-Corona-App „TousAntiCovid“ ausfüllen.

Um das Zuhause verlassen zu dürfen, braucht es einen der folgenden Gründe:
- Lebensmitteleinkauf
- zur Arbeit und zurück nach Hause fahren; Kinder zur Schule bringen oder abholen
- medizinische Gründe
- zwingende familiäre Gründe
- Hilfe bedürftiger Menschen
- gerichtliche oder administrative Vorladungen
- ehrenamtliche Hilfe wie das Verteilen von Lebensmitteln
- eine Stunde täglich, um Sport zu machen oder seinen Hund auszuführen, im Radius von einem Kilometer ums eigene Domizil

Um seine Kinder zur Schule zu bringen oder abzuholen, kann die Schule eine dauerhaft gültige Bescheinigung ausstellen. Auch der Arbeitgeber kann eine Bescheinigung für den täglichen Weg zur Arbeit und zurück ausgeben.

Wo kann man sich testen lassen?
Frankreichweit gilt: Covid-19-Tests werden ohne Rezept und kostenlos für jeden angeboten. Eine Karte mit den Testlaboren der Region PACA finden Sie hier. Wegen des hohen Andrangs haben Menschen mit Rezept, Menschen mit Symptomen, Risikopersonen und im Gesundheitssektor Beschäftigte Vorrang.