Haupt-Reiter

Coronakrise: Drive-Tests, Tele-Konsultationen, Wirtschaftshilfe

WISSENSWERT

Tag zehn der Ausgangssperre in Frankreich. Die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA) lag gestern Mittag um 14 Uhr bei knapp 2000 und damit um 400 höher als am Vortag. Ein Grund dafür, dass die Zahl nicht noch höher ausfällt, ist die Test-Frequenz: Aus Kapazitätsgründen wird längst nicht jeder Verdachtsfall getestet. Vorrang haben Risiko-Patienten, also alte und schwache Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Lesen Sie hier weitere wichtige News und Infos rund um die Coronakrise von der Côte d’Azur.

coronavirus, Frankreich, Côte d'Azur619 Menschen in der Region PACA im Südosten Frankreichs liegen derzeit im Krankenhaus, 144 von ihnen auf der Intensivstation. 33 positiv getestete Menschen sind verstorben. Um die Kapazitäten von Pflegepersonal, Ärzten und Laboren nicht zu überlasten, gilt es bei Fieber und Husten zunächst den Hausarzt anzurufen. Dieser entscheidet, ob ein Test sinnvoll ist und stellt gegebenenfalls ein Rezept aus. Wenn Atemnot hinzukommt, ist die Notrufnummer 15 zu wählen.

Altenheime
Teilweise desolat sind (nicht nur) in Frankreich die Zustände in Altenheimen. In der Region PACA melden derzeit 31 Altenheime Fälle von Covid-19. Sie sind aufgerufen, strikte Regeln zur weiteren Verbreitung des Virus einzuhalten – darunter die Einrichtung einer Quarantänezone innerhalb des Heims für die Infizierten und die Verdachtsfälle.

Hilfe für Unternehmen
Die französische Regierung setzt verschiedene Maßnahmen in Kraft, um umgehend und möglichst unbürokratisch alle Unternehmen zu unterstützen, die unter der Coronakrise leiden – darunter die Möglichkeit, Sozialabgaben und Steuern später zu zahlen. Für besonders stark betroffene Klein- und Kleinstunternehmen sowie Freiberufler stellt der Staat eine Soforthilfe von je 1500 Euro zur Verfügung; sie können überdies etwa Rechnungen für Miete, Wasser, Strom und Gas später begleichen. Um Arbeitsplätze zu erhalten, werden vereinfachte Regelungen für Kurzarbeit (chômage partiel) angeboten. Umfangreiche Infos bietet die Website des Wirtschaftsministeriums.

Monaco
Die Zahl der positiv auf Covid-19 getesteten Menschen in Monaco ist am gestrigen Mittwoch um vier angestiegen. Insgesamt gibt es im Fürstentum damit 31 bestätigte Fälle.
Die Bürger werden daran erinnert, dass der Bedarf an Blutkonserven bestehen bleibt und ruft die Bevölkerung daher zu Blutspenden auf – wie übrigens auch die Kollegen in Frankreich (www.dondesang.efs.sante.fr). Spenden sind in Monaco derzeit nur (und trotz der Ausgangssperre) im Krankenhaus CHPG möglich. Es wird gebeten, vorab einen Termin unter Tel. +377 97 98 98 20 zu vereinbaren. Blutspenden sind derzeit dienstags zwischen 8 und 14 Uhr, mittwochs zwischen 10 und 15 Uhr sowie donnerstags zwischen 8 und 14 Uhr möglich. Weitere Info: www.chpg.mc (Rubrik «Don du Sang»).
Das Fürstentum bietet seinen Bewohnern und in Monaco arbeitenden Menschen außerdem unter Tel. +377 92 05 55 00 täglich zwischen 9 und 18 Uhr eine Hotline rund um Covid-19 an. Es können Fragen zur Corona-Pandemie gestellt werden, aber es stehen auch Psychologen zur Verfügung für Anrufer, die moralische Unterstützung benötigen. Noch vor einigen Tagen seien pro Tag um die 200 Anrufe eingegangen; zuletzt habe sich die Zahl bei rund 80 eingepegelt. Statt anzurufen kann auch eine E-Mail an folgende Adresse geschrieben werden: covid19@gouv.mc.

Post
Zum Schutz ihrer Mitarbeiter schränkt die französische Post ihren Service ein. In der laufenden Woche arbeiten die Zusteller nur an vier Tagen, ab kommender Woche (ab 30. März) nur an drei Tagen. Entsprechend wird nicht mehr täglich Post (Briefe, Zeitungen, Pakete) zugestellt. Es wird dringend gebeten, während der Zeit der Coronakrise nur absolut notwendige Dinge per Post zu bestellen.

Nizza und Umgebung: Arzt-"Besuch" per Telefon
Telekonsultationen bieten ab dem morgigen Freitag, 27. März, Ärzte in der Metropole Nizza Côte d’Azur an. Hintergrund ist die Notwendigkeit, möglichst vielen Patienten in kurzer Zeit zu helfen, ohne sie der Gefahr einer Ansteckung auszusetzen.
Nach wie vor gilt die Regelung, dass zuerst der Hausarzt zu kontaktieren ist (und im Fall von Atemnot die Notrufnummer 15). Wer seinen Hausarzt nicht erreicht, kann ab morgen zwischen 8 und 22 Uhr die neue Plattform anrufen (04 97 13 40 80) oder eine E-Mail schicken an niceteleconsultation@nicecotedazur.org. Anzugeben sind Name, Vorname, Adresse, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Grund des Anrufes. Die Konsultation wird per Videokonferenz durchgeführt (z.B. Duo/WhatsApp/Facetime). Vorzuzeigen/Abzufotografieren ist auch die carte vitale. Der Arzt verschickt im Anschluss bei Bedarf ein Rezept per E-Mail.
Die Stadt Nizza hat wie Monaco für Fragen rund um Covid-19 eine Hotline eingerichtet, die täglich zwischen 9 und 19 Uhr unter folgender Nummer erreichbar ist: 04 97 13 56 00.

Drive-Test in Nizza
Seit dem heutigen Donnerstag, 26. März, werden in Nizza an zwei Stellen „Drive-Tests“ (Foto oben) in Zusammenarbeit mit den dortigen Laboren angeboten. Um in der Rue Barla oder im Boulevard Dubouchage Zugang zu einem Test auf Covid-19 zu bekommen, braucht man ein entsprechendes Rezept vom Hausarzt.

Das Verbrennen von Gartenabfällen bleibt verboten
Der Präfekt der Alpes-Maritimes erinnert daran, dass das Verbrennen von Grünabfällen im Garten verboten ist. Dieses Verbot gilt auch während der Coronakrise. Den Rauchschwaden nach zu urteilen, die zuletzt wieder vor allem im Hinterland der Côte d’Azur am Himmel stehen, setzen sich zahlreiche Bürger über das Verbot hinweg. Sie riskieren Bußgelder in Höhe von bis zu 450 Euro.

Immobilienmesse auch für Juni abgesagt
Die weltgrößte Immobilienmesse Mipim, die eigentlich Anfang März in Cannes hätte stattfinden sollen, wird nun auch nicht im Juni abgehalten. In Cannes trifft sich die Branche erst wieder 2021 (16. bis 19. März). An Stelle der Mipim in Cannes soll in diesem September eine zweitägige Veranstaltung in Paris stattfinden. Dazu kommt ein neues Online-Format namens Mipim Connect. Nähere Informationen kündigte der Veranstalter Reed Midem für die kommenden Wochen an.

Sportlicher Lichtblick
Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen und der Fußball-Europameisterschaft ist die Tour de France als drittes großes Sportereignis in diesem Sommer noch nicht unmittelbar von einer Absage oder Verschiebung bedroht. Vielmehr wird laut Medienberichten an einer Ausgabe mit Einschränkungen für die Öffentlichkeit gearbeitet.
Die Rundfahrt soll am 27. Juni in Nizza starten. Die Tour, die jährlich von zehn bis zwölf Millionen Radsport-Fans am Straßenrand verfolgt und von rund 29.000 Sicherheitskräften begleitet wird, könnte mit folgenden Restriktionen ablaufen: Streichung der Werbekarawane und/oder des Tour-Dorfes vor jeder Etappe; Verbot von Zuschauern im Start- und Zielbereich, ähnlich wie bei Paris-Nizza Mitte März.