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"Danach kommt nichts mehr" - Letzte Ehre für Juliette Gréco

MENSCHEN

Wir – die RZ-Redaktion mit ihrer regional fokussierten Brille – hätten sie lieber hier behalten. Hier, in Ramatuelle im Var, wo sie in ihrem Haus so viele Jahre glücklich war und im September im gesegneten Alter von 93 Jahren starb. In der irdischen Nachbarschaft ihres unvergessenen, etwa gleichaltrigen Künstlerkollegen Gérard Philipe, der schon 1959 auf dem Dorffriedhof die letzte Ruhe fand. Beide waren Südfranzosen. Sie stammte aus Montpellier, er aus Cannes. Am Montag ist Juliette Gréco in Paris beigesetzt worden.

"Was für Namen haben wir ihr im Laufe der Zeit gegeben?", erinnerte in ihren Abschiedsworten die langjährige Freundin und Gründerin des Festivals von Ramatuelle, Jacqueline Franjou: "Femme fatale, femme passion, femme secrète, Sphinx – die Vornehme, die Distanzierte, die Neugierige, die Spöttische...", zählte sie auf. Dann bezog sie sich auf ein Bibelwort des Heiligen Johannes: "Am Anfang stand das Wort... Du hast Worte stets in Edelsteine verwandelt."

Tatsächlich hatte die Muse der Existenzialisten mit Bibelworten nicht gerade viel im Sinn. Aber Widersprüche gehörten zu ihrem Leben wie zu ihrem Tod. So endete die religiöse Zeremonie mit ihrem Chanson "Il n y a plus d’après" ("Danach kommt nichts mehr"), das Guy Béart 1960 für Juliette geschrieben hatte. Am deutlichsten dürfte die Botschaft von ihrer Enkelin Julie-Amour Rossini vernommen worden sein, die in der ersten Reihe der Trauergäste stand, noch vor Brigitte Macron und François Hollande. Dahinter zahlreiche Künstler.

Am Ausgang der Kirche gab es Beifall, als die stets schwarz gekleidete Sängerin und Schauspielerin in einem weißen Sarg vorbeigetragen wurde. Die eigentliche Beisetzung auf dem Friedhof Montparnasse fand bei strömendem Regen im engsten Freundes- und Familienkreis statt.

Rolf Liffers