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Das Erfolgsrezept des Bürgermeisters von Monaco? - Bürgernähe & Teamarbeit

MONACO

Nicht jedem ist bekannt, dass Monaco außer einem Fürsten auch einen Bürgermeister hat. Und was für einen! Seit 2003 steht der dynamische Georges Marsan an der Spitze des wunderschönen Rathauses in der Altstadt, vorher war er seit 1991 im Stadtrat. Warum der diplomierte Apotheker nun schon seit 16 Jahren immer wieder gewählt wird, verriet er im Exklusiv-Interview.
 
Monaco Bürgermeister Geroges Marsan Maire Wer hätte das gedacht: Das Rathaus auf dem rocher, wenige Schritte vom Fürstenpalast, ist nach dem Krankenhaus Princesse Grace, der Société des Bains de Mer und der monegassischen Regierung mit 730 Personen einer der wichtigsten Arbeitgeber Monacos. Für den Bürgermeister, der nach lokalem Recht unbegrenzt wiedergewählt werden kann, eine echte Herausforderung, trägt er doch Verantwortung wie ein Großunternehmer.
Nach seinem Erfolgsrezept befragt, wiederholt er mehrfach, welche große Bedeutung er der Teamarbeit, aber auch der Bürgernähe beimisst: «Wir verfügen über eine zusammengeschweißte und sich durch ihre verschiedenen Kompetenzen sehr gut ergänzende Equipe, die sich über die Nähe zum Bürger und die Sozialarbeit identifiziert», so Marsan. «Der Nationalrat hingegen befasst sich mit der Gesetzgebung, während die Gesundheitspolitik der Regierung obliegt.» 
Er ist überzeugt: «Die Stadt muss ein Ohr für die Bedürfnisse der Bevölkerung haben und deren Erwartungen dann auch erfüllen. Daran werden letztendlich die Jahresprogramme der mairie ausgerichtet.» Alle sozialen Leistungen kommen den Monegassen ebenso wie den ausländischen Einwohnern zugute.
 
Besonders stolz ist der dreifache Vater auf die Arbeit im Bereich der Kinderbetreuung. Wegen der Sozialisierung schicken heute nahezu alle Bewohner des Fürstentums – gleich welcher Schichten und Nationalitäten – ihre Kleinen in den Kindergarten, so der erste Bürger der Stadt.
Weitere Aufgabengebiete erstrecken sich auf die Altenfürsorge wie etwa Essen auf Rädern, Tele-Alarm und Hilfskräfte für zuhause – Maßnahmen, damit Senioren möglichst lange bei sich in der Wohnung bleiben können. Um ihre eventuelle Isolierung zu vermeiden, gibt es einen Verein namens «Club le temps de vivre», der gerade einen neuen Sitz bekommen hat.
Die Technik macht auch vor Monaco nicht Halt. Zusammen mit der Regierung arbeitet das Rathaus an der digitalen Zukunft des Landes aktiv mit. So werden alle Bushaltestellen mit wifi-Technologie ausgestattet, die Parkplätze auf den Straßen können per Handy – pay by phone – beglichen und zahlreiche Dokumente per Internet erstellt werden. 2020 soll Monaco seine eigene digitale Identität haben: Es wird zum Beispiel eine neue Generation digitaler Personalausweise für Monegassen, Aufenthaltsgenehmigungen und Arbeitserlaubnisse geben. Als revolutionär bezeichnet Marsan die neue Krankenversicherungskarte, durch die alle jederzeit und überall abrufbaren Informationen über die Gesundheit des Inhabers in einem digitalen Cloud-Safe gespeichert sein werden. Die digitale Identität des Fürstentums verantwortet die Regierung.
 
Monaco ist für seine Umweltpolitik weltweit bekannt und geschätzt. Natürlich ist auch hier die mairie voll involviert. Bis 2023 wollen Marsan und sein Team ihre Flotte von Nutzfahrzeugen und Motorrädern vollkommen durch elektrisch angetriebene Modelle ersetzen. Plastik-Behälter aller Art werden endgültig verbannt und auch collectes circulaires werden von der mairie organisiert. Bei Letzteren geht es darum, Spielzeug, Büchern, Kleidung, Unterrichtsmaterial und anderen Objekten zu einem zweiten Leben zu verhelfen und so Verschwendung entgegenzuwirken. Regelmäßig werden die Sachen von ehrenamtlichen Mitarbeitern gesammelt und weitergegeben. Finanziert werden diese Aktionen hauptsächlich durch Spenden – ebenso wie etwa die «Roten Nasen», Clowns, die kranken Kindern etwas Freude spenden. Wohltätige Veranstaltungen unterstützt die mairie oft, indem sie Logistik und Personal zur Verfügung stellt.
«Eine besondere Qualität Monacos ist es, dass es so viele freiwillige Helfer und gemeinnützige Vereine gibt», sagt Georges Marsan. «Ohne sie wäre das alles nicht möglich». 500 Assoziationen existieren hier schätzungsweise. So unterstützt der Deutsche Internationale Club von Monaco (CAI), dessen Ehrenmitglied der Bürgermeister ist, regelmäßig Initiativen der mairie: Er trug beispielsweise zur Erneuerung einer Kindertagesstätte im Stadtteil Larvotto bei und finanzierte einen Spielplatz an der Place d’Armes. Auch für 2020 plant der Verein, einen Teil seines Wohltätigkeits-Budgets dem Rathaus zur Verfügung zu stellen.
Für Georges Marsan ist das Fürstentum jedenfalls «das angenehmste Land der Welt». Und wenn erst die Pläne der weitgehenden Verkehrsbefreiung und der vom Exotischen Garten nach Fontvieille führenden Seilbahn Wirklichkeit werden, ist sein Glück wohl vollkommen.
 
Petra Hall
 
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Polyglottes Monaco
141 verschiedene Nationalitäten leben im Fürstentum. 2018 betrug die Bevölkerungszahl insgesamt 38 300. Hier einige Zahlen*:
  • Franzosen     9286
  • Monegassen 8378
  • Italiener        8172
  • Engländer     2795
  • Schweizer     1187
  • Deutsche        907
  • Russen           749
  • Amerikaner    366
*Volkszählung des Institut Monégasque de la Statistique et des Études Économiques IMSEE, 2016
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