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Erholt, inspiriert, geliebt – 150 Jahre Hôtel du Cap in Antibes

CÔTE D’AZUR

Corona trübt das Jubiläum des legendären Hotels am Cap d’Antibes, wo seit jeher große Geister und gefeierte Stars die Seele baumeln lassen. Ein Blick in die Geschichte des Eden Roc von RZ-Chefreporter Rolf Liffers.

Die 150-Jahr-Feier des legendären Eden-Roc-Hotels am Cap d’Antibes hatte sich die Bielefelder Unternehmerfamilie Oetker sicher anders vorgestellt. Doch das Coronavirus kannte auch gegenüber dem Flaggschiff ihrer «Masterpiece-Collection» keine Gnade. Statt im April durften die ersten Gäste dieses Jahres gemäß der gesetzlichen Sicherheitsvorbehalte erst ab Juli anreisen. Mit Abstand am schmerzhaftesten dürfte im Mai für das feudale Haus gewesen sein, dass angesichts der Pandemie die ganze Stammkundschaft aus Hollywood wegbrach, nachdem die Filmfestspiele von Cannes ersatzlos gecancelt worden waren. Aber trotz der unfreiwilligen Pause war auch so viel los.

Zum 1. Mai gab es einen Stabwechsel an der Spitze der Collection. Der überaus erfolgreiche CEO-Frank Marrenbach schied nach 23 Jahren bei der Firma auf eigenen Wunsch aus den Oetker-Diensten aus und übergab seinen Posten an Timo Grünert, der seit 2009 als Ko-Geschäftsführer des Unternehmens tätig war. Die Entscheidung sei ihm «nicht leichtgefallen», sagte Marrenbach der RZ, der nun als Geschäftsführender Gesellschafter von Althoff-Hotels tätig ist. «Mit meinem Wechsel aber erfüllt sich mein lang gehegter Wunsch, auf die Unternehmerseite zu wechseln.» Mit Grünert sei seine Nachfolge «gut bestellt». Bei ihm wisse er die Collection, zu der in Südfrankreich auch L’Apogée und Château Saint-Martin in Courchevel und Vence gehören, «in besten Händen».

Immerhin ist Marrenbach für Südfrankreich nicht ganz verloren, hat die Althoff-Gruppe unter anderem so bekannte Häuser im Portfolio wie die «Villa Belrose» in Saint-Tropez.

In der Übergangszeit bis zum ersten déconfinement des Jahres wurden die enttäuschten Gäste virtuell getröstet, unterhalten und bespaßt, «damit Sie – while at home – gesund und glücklich bleiben» (Grünert). Unter dem Motto «We stay united» lieferten Spitzenköche gesunde Koch- und Getränkerezepte per Mail; die Fitness-Coaches sandten dreiminütige Trainingsprogramme zur täglichen Steigerung der «Kernfestigkeit»; Literaturexperten schickten aktuelle Buchtipps und andere Mitarbeiter Optimismus verbreitende Blogs. Gut auch für die Moral im eigenen Hause! So besteht im Eden Roc kein Zweifel daran, dass die Stars, die diesmal wegen Covid-19 zu Hause bleiben mussten, im nächsten Jahr erneut zum «Klassentreffen für Oscar-Gewinner» erscheinen werden. Das habe schließlich lange Tradition, denn – so eine Pressesprecherin – hier haben sich «die Großen, die Kreativen, die Einflussreichen jeder Epoche schon immer erholt, inspiriert, geliebt und weitreichende Entscheidungen getroffen».

Könige & Künstler,
Diven & Designer,
Politiker & Filmstars

Könige und Künstler, Diven und Designer, Politiker und Filmstars seien sich seit Generationen in dem Luxushotel begegnet. Schon König Edward VIII. versteckte sich hier mit seiner geschiedenen Wallis Simpson, Duchess of Windsor, vor der Welt. John F. Kennedy verlebte mit seinen Eltern und acht Geschwistern unbeschwerte Tag am Meerwasserpool, während sein Vater Joseph mit Marlene Dietrich anbandelte. Marlene Dietrich ihrerseits verbrachte hier leidenschaftliche Nächte mit ihrem Geliebten, dem Weltautor Erich Maria Remarque, der vor Eifersucht bald platzte, weil sie auch mit Frauen schlief. Und später begann JFK hier eine Affäre mit der jungen Schwedin Gunilla, der er die Ehe versprach und auch «treu» blieb, obwohl er kurze Zeit später eine andere – Jackie – heiratete. Ernest Hemingway liebte die Drehbuchautorin Anita Loos, Romy Schneider Alain Delon, Elizabeth Taylor Richard Burton. Kirk Douglas lernte hier seine spätere Frau kennen, und Bruce Willis stritt heftig mit Demi Moore, wo Nicole Kidman alias Grace Kelly nach anstrengenden Dreharbeiten wieder runterkam.

Alfred Hitchcock, Gary Cooper, Orson Welles, Jack Nicholson, Robert de Niro, Lino Ventura, Marcello Mastroianni, Claudia Cardinale, Jean-Paul Belmondo, Brooke Shields, Juliette Greco, Marion Cotillard, Jane Fonda, Clint Eastwood, Yoko Ono und John Lennon, Michael Douglas ... Der Name Harvey Weinstein dürfte inzwischen aus den Hotelannalen gelöscht worden sein. Was aber soll eine solche Aufzählung, wenn es fast einfacher wäre, die wenigen Celebrities zu erwähnen, die dort nicht genächtigt haben?!

Der amtierende Hotelchef Philippe Perd, dem Grace Jones einen violetten Lippenabdruck ins Gästebuch küsste, erinnert sich gern an Spaziergänge mit Audrey Tautou und dementiert, dass Monica Bellucci einmal mit Ausnahmegenehmigung in den «cabanes», kleinen Hütten auf den Strandfelsen, übernachten durfte. Was wiederum stimmt, sei, dass Brigitte Bardot, Greta Garbo, Rita Hayworth, die hier in dem pakistanische Prinzen Aly Khan ihren künftigen Ehemann kennenlernte, eine Vorliebe hatten für den erwähnten, in den Fels gesprengten Meerwasserpool, während sich Winston Churchill und Jacques Chirac von ihrer «casualen» Seite zeigten.

Die Wünsche der Stars

F. Scott Fitzgerald fand in dem aus der Zeit Napoleons III. stammenden Gebäude Inspirationen für seinen Roman «Zärtlich ist die Nacht», der in Wirklichkeit aber im Hotel «Belles Rives» in Juan-les-Pins spielt. Picasso bekritzelte das dadurch unbezahlbar gewordene Briefpapier des Hauses. Chagall und Matisse frönten der Sonne wie übrigens auch George Bernard Shaw. Stefan Zweig schrieb ins Gästebuch: «Dankbar für Himmel, Landschaft und Stille um dieses gesegnete Haus.» Und Coco Chanel fühlte sich hier ebenso wohl wie Karl Lagerfeld. Sharon Stone orderte aus Eckzimmer 60 eine Harfenistin im Iren-Kostüm (warum, weiß kein Mensch!) und Madonna gelbe Rosen an roten Früchten.

Ursprünglich hatte der Zeitungsgründer Hyppolite de Villemessant (Le Figaro) aus seiner «Villa Soleil» ein «Refugium für ausgebrannte Schriftsteller und Künstler» machen wollen. Am 28. Februar 1870 etablierte sich dort dann aber doch etwas anderes – das damalige «Grand Hôtel du Cap». Bei einem Segeltörn 1964 entdeckten Maja und Rudolf-August Oetker das noble Anwesen. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Fünf Jahre später kauften sie es, ohne das Hauptgebäude in Augenschein genommen zu haben. Der Erwerb selbst war insofern nicht schwierig, als sich der damalige Besitzer und erste Direktor André Sella (Zitat: «Im Urlaub zahlen reiche Menschen gern Maharadscha-Preise, um wie Pfadfinder zu leben») nichts sehnlicher wünschte, als dass sein Haus auch weiterhin von einer Familie geführt würde.