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Filmfestival Cannes in diesem Jahr in anderer Form?

KULTUR

Das Festival de Cannes 2020 werde entweder in Kinosälen stattfinden – oder gar nicht. Eine Online-Version des weltweit wichtigsten Filmfestivals schließen die Organisatoren aus. Lediglich der Filmmarkt zum Rechteverkauf von Produktionen aus aller Welt solle Ende Juni digital ausgerichtet werden. Die Filmbranche leidet – und eine ganze Region leidet mit.

Die 73. Ausgabe des Filmfestivals Cannes sollte am 12. Mai beginnen. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie wurde klar, dass der Termin nicht haltbar sein würde. Also sahen die Veranstalter zunächst ein Ersatzdatum Ende Juni/Anfang Juli vor. Dieser Plan wurde Mitte April von Präsident Macrons Ankündigung zunichte gemacht, dass frankreichweit vor Mitte Juli keinerlei Festival und Veranstaltung mit größerem Publikum werde stattfinden dürfen. Inzwischen sagen die Organisatoren: Es wird 2020 keine Filmfestspiele im üblichen Format an der Croisette geben.

Zu früh für definitive Entscheidungen

Stattdessen wird getüftelt, was das Zeug hält, um den Filmen, die in diesem Mai gezeigt werden sollten, doch noch eine Plattform zu bieten – in welcher Form auch immer. Man höre sich in der Filmbranche um, was gewünscht, erwartet oder überhaupt denkbar ist, heißt es aus Cannes. Vor einer Online-Version schreckt die Branche zurück. Für eine andere Entscheidung sei es aufgrund der unsicheren Zukunft noch zu früh.

Das Festival de Cannes ist weit mehr als ein Spektakel, das für serienweise Promi-Bilder vom roten Teppich sorgt. Für eine ganze Branche ist Cannes der Treffpunkt schlechthin. Schauspieler, Regisseure, Produzenten und eine ganze Industrie hängen mit davon ab, dass einmal im Jahr ihre Werke am Mittelmeer ein Publikum finden und von dort die Welt erobern. Kinos brauchen das Festival als Werbeplattform, um ihre Sessel zu füllen.

Mindestens so wichtig wie das pure Festival ist für die Branche der üblicherweise im Untergeschoss des Palais des Festivals ausgerichtete „Marché du Film“. Dort finden nicht nur die wenigen Dutzend preisverdächtigen Arthouse-Filme aus dem Wettbewerb ihren Markt, sondern auch viele, viele Mainstream-Produktionen, Special-Interest-Filme und was die Lichtspielkunst in den vergangenen Monaten weltweit sonst so hervorgebracht hat. Produktionen aus aller Herren Länder gelangen von Cannes in die Kinos rund um den Globus.

Damit wenigstens das Marktgeschehen nicht komplett zum Erliegen kommt, soll der Marché du Film tatsächlich online abgehalten werden: Vom 22. bis 26. Juni feiert das Sonderformat seine Premiere, kündigte Festivalchef Thierry Frémaux an. Es solle dem Original vor Ort soweit ähneln wie möglich – mit Live-Begegnungen, virtuellen Marktständen, Online-Filmvorführungen, Vorträgen etc.

Eine ganze Region leidet

Neben der Filmbranche hängt am Tropf des Festival de Cannes ein ganzer Ort, ja eine ganze Region: Hotels, vom Luxuspalast an der Croisette bis zur bescheidenen Absteige im Hinterland, private Vermieter, Restaurants, Taxifahrer, Flughäfen… Was die Festivalteilnehmer (und Schauspieler sind da nur die Spitze des Eisbergs) vor Ort an Umsatz generieren, ist für die lokale Wirtschaft essentiell und in Budgetplanungen fest einkalkuliert. Der Schaden in diesem Jahr wird immens sein.

AS

 

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YouTube veranstaltet vom 29. Mai bis 7. Juni gratis Online-Filmfestival

Wie gestern bekannt wurde, will die Online-Plattform YouTube in Zusammenarbeit mit den New Yorker "Tribeca Enterprises" sowie 20 Filmfestivals weltweit – darunter Cannes – ein einzigartiges, 10-tägiges Online-Filmfestival unter dem Titel „We are one – a global film festival“ auf die Beine stellen, das vom 29. Mai bis zum 7. Juni 2020 stattfinden soll und neben Spielfilm-Premieren auch Kurzfilme, Dokumentationen, Musik, Comedy und Panel-Diskussionen zeigen will.

Zu den teilnehmenden Filmfestivals, die das Programm kuratieren, gehören: Annecy International Animation Film Festival, Berlin International Film Festival, BFI London Film Festival, Cannes Film Festival, Guadalajara International Film Festival, International Film Festival & Awards Macao (IFFAM), Jerusalem Film Festival, Mumbai Film Festival (MAMI), Karlovy Vary International Film Festival, Locarno Film Festival, Marrakech International Film Festival, New York Film Festival, San Sebastian International Film Festival, Sarajevo Film Festival, Sundance Film Festival, Sydney Film Festival, Tokyo International Film Festival, Toronto International Film Festival, Tribeca Film Festival, und Venedig Film Festival.

Das Festival soll exklusiv über diesen Link zu sehen sein.