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Frankreich als zweite Heimat: Kirk Douglas stirbt mit 103 Jahren

KULTUR

Viele in Europa hielten ihn für "längst hinüber". Tatsächlich hatte er sich in den letzten Jahren nur aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Am gestrigen Mittwoch nun ist Hollywood-Star Kirk Douglas in Los Angeles gestorben. Er wurde 103 Jahre alt. Sein Vater habe ein schönes Leben gehabt, schrieb Sohn Michael. Seine legendären Filme würden Generationen überdauern.

Im sagenumwobenen Hotelrestaurant "La Colombe d’Or" in Vence schaut er von derselben Wand, an der auch viele andere Stars wie Orson Welles, Charlie Chaplin und Michael Caine mit ihren Konterfeis verewigt sind. Denn der große amerikanische Kinoheld von einst, der nicht nur als Haudegen in Western und Abenteuerfilmen unvergessen ist, sondern auch als Charakterdarsteller (Vincent van Gogh, Odysseus, Spartacus), empfand Frankreich nach eigenen Worten als zweite Heimat.

"C’est mon second pays", hat er einmal gesagt und keine Gelegenheit ausgelassen, sich hier aufzuhalten. Angefangen hatte alles 1953, als er unter der Regie von Anatole Litvak in "Ein Akt der Liebe" als Soldat Keller vor die Kamera trat: In einer ganz kleinen Rolle – als Serviererin Mimi – wirkte Brigitte Bardot mit, drei Jahre vor ihrem Durchbruch mit "Und immer lockt das Weib".

Frankreich war für den Amerikaner jedoch nicht Liebe auf den ersten Blick. Mit dem Herzen entdeckte er das Land erst, als er in Paris die junge, aus Hannover stammende Journalistin Anne Buydens kennen lernte, die als Kind mit ihren Eltern nach Amerika ausgewandert war.

Danach kam er immer wieder her: Zu Filmaufnahmen, Promotions und ganz privat, um hier seine Ferien zu verbringen. In der "Colombe d’Or" hatte er einen Rückzugsort, wenn er zu Dreharbeiten in Nizza weilte. Auch floh er gern dorthin, wenn ihm der Rummel von Cannes zum Hals raushing wie zum Beispiel 1966 während des Internationalen Filmfestivals.

Bei Lehrerin Madame Lafolle lernt er binnen zweier Monate gut Französisch. Danach spricht er fließend, wenngleich auch mit einem horriblen Akzent. Douglas sprach auch sehr gut Deutsch. Das aber verdankt er keinem Pädagogen, sondern seiner Herkunft: Der Sohn jüdisch-russischer Einwanderer, der eigentlich Issur Danielovitch Demsky ("Izzy") hieß, ist im mausearmen Elternhaus in Amsterdam (Bundesstaat New York) mit Jiddisch aufgewachsen.

1970 ist er unter der Präsidentschaft von Miguel Angel Asturias Mitglied der Jury von Cannes. 1979 ist er mit seiner Frau dabei. 1980 nimmt er von Jean Marais den Ehrencésar für sein Lebenswerk entgegen. Der Presse zeigt er sich auf dem roten Teppich mit Roman Polanski, der die Trophäe als bester Regisseur empfing. Im selben Jahr ist Douglas Präsident der Jury von Cannes. 1985 wird er von Kulturminister Jack Lang zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.

1989 stellt Douglas in Frankreich seine Autobiografie ("Der Sohn des Lumpenhändlers") vor. 1990 ist er Präsident der César-Zeremonie. Im selben Jahr spielt in einem französischen Film mit, an seiner Seite Richard Bohringer aus Toulon. 1999 dreht er in Frankreich "Diamonds"; das Werk wird beim Festival des amerikanischen Films in Deauville uraufgeführt.

1987 wird Douglas in Deutschland mit der Goldenen Kamera für sein Lebenswerk geehrt. 2001 bekommt er den Goldenen Ehrenbären der Berlinale. Nur ein Oscar ist ihm versagt geblieben, obwohl er für den "Nobelpreis der Schauspieler" schon 1949 nominiert war.

1991 hatte der Mime einen Hubschrauberabsturz mit zwei Toten nur knapp überlebt. Das Unglück hatte ihn stark verändert. Doch auch nach mehreren Schlaganfällen machte Douglas durchaus noch länger Schlagzeilen. Zwar nicht mehr als Raubein und Frauenverführer. Dafür aber als Wohltäter.

Sein 80-Millionen-Dollar-Vermögen jedenfalls sollen nicht die Söhne Michael, Joel und Peter erben, sondern über die Douglas Foundation beziehungsweise den Motion Picture & Television Fund alten und kranken Kollegen aus dem Showbusiness zufließen.

Übrigens: Aus Anlass seiner Goldenen Hochzeit hat Kirk Douglas 2004 aus purer Liebe zum zweiten Mal geheiratet. Die Braut war seine eigene Frau Anne. Bei der Gelegenheit brachte er ihr das selbstgedichtete Ständchen: "Hör nie auf, mich zu lieben".

Rolf Liffers