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Frankreichs “Fête de la musique” darf am Sonntag stattfinden

KULTUR

Auch die Fête de la musique, Frankreichs größte Party – Musik- und Volksfest in einem – erhält in diesem Jahr ein neues Format. Sie darf stattfinden, aber unter Beachtung der geltenden Hygienevorschriften und mit Tendenz zum Digitalen. Was erwartet uns diesen Sonntag, 21. Juni, an der Côte d’Azur?

Fast 40 Jahre nach Einführung der Fête de la musique am Tag der Sommersonnenwende ist die Sehnsucht nach Normalität groß – also auch nach einem ausgelassenen Fest unter freiem Himmel mit Musik aller Genres auf den Plätzen der Städte und Dörfer. Dass das Fest in diesem Jahr einen Tag nach offiziellem Sommerbeginn stattfindet, der ausnahmsweise auf den 20. fällt, ändert nichts an der Lust, die warme Jahreszeit mit bunten Klängen und einem Gläschen Wein in aller Öffentlichkeit zu begrüßen.

Wenn da nur nicht das Coronavirus wäre… Eigentlich sind Versammlungen von mehr als zehn Menschen frankreichweit nach wie vor verboten, auch im Freien. Konzerte im öffentlichen Raum dürfen am Sonntag dennoch stattfinden, wenn auf genügend Abstand zwischen den Besuchern geachtet wird. Die geplanten Gigs mussten bis gestern Abend bei der Präfektur in Abstimmung mit dem Bürgermeister vor Ort angemeldet werden. Verboten sind spontane Auftritte jeglicher Art.

Erlaubt sind hingegen auch Konzerte in Cafés, Restaurants oder Bars; dort obliegt die Einhaltung der coronabedingten Hygienevorschriften den Betreibern der Gaststätten.

Ob und was in den einzelnen Orten an der Côte d’Azur und in der Provence tatsächlich stattfindet, ist noch nicht überall kommuniziert. Und dass es eine deutlich limitierte Veranstaltung werden wird, ist absehbar.

Cannes beispielsweise setzt auf eine vollkommen digitale Form des Festes: Musik wird in verschiedenen Straßenzügen aus Lautsprechern kommen und verschiedene Konzerte werden im Internet übertragen, etwa auf der Facebook-Seite der Mairie de Cannes. Das Orchester der Stadt gibt sein erstes Konzert seit Ausbruch der Pandemie: Geladene Gäste in kleiner Zahl dürfen im Saal zuhören, das Konzert wird aber ab 20.30 Uhr auch per Lautsprecher am Marché de La Bocca übertragen.

Mouans-Sartoux ruft die Musiker des kleinen Städtchens nördlich von Cannes dazu auf, auf den Balkon, ans geöffnete Fenster oder vors Haus zu treten, um den Nachbarn ein Ständchen zu bringen. Die örtliche Mediathek und die Musikschule veröffentlichen ein Musik-Programm auf ihren Facebook-Seite.

In Nizza sollte eigentlich erneut ein Mega-Gratis-Konzert vor Publikum und zur Live-Übertragung auf France 2 gegeben werden. Die Show soll nun stattdessen in Paris – und ohne Publikum stattfinden. Ansonsten sieht es auch in der Côte d’Azur-Metropole eher nach kleinen Auftritten in Bars und online aus. Das deutsch-französische Kulturzentrum CCFA etwa ist ab 19 Uhr Gastgeber eines Web-Konzertes des internationalen Trios Torsten Goods, Jan Miserre und Sylvain Fournet-Fayas – zu hören auf der Facebook-Seite von Torsten Goods bzw. auf Youtube.

Welche Konzerte wo und in welcher Form noch stattfinden, wird bis zum Sonntag in den sozialen Netzwerken bekannt gegeben werden. Aber versprechen wir uns nicht zu viel: Eine Fête de la musique, wie wir sie kannten, wird es 2020 nicht geben.

Aila Stöckmann