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Galeristin in Saint-Paul-de-Vence: „Kunst ist mein Leben“

KUNST & KULTUR
 
Saint-Paul-de-Vence gilt als Kunst-Ort schlechthin der Côte d’Azur: Ateliers und Galerien, wohin man blickt. 1975 wollte Catherine Issert hier mit einer Sammlung internationaler, zeitgenössischer Kunst eine Lücke füllen. Längst ist die Galerie vom Dorfeingang nicht mehr wegzudenken.
 
Kunst Galerie Catherine Issert Côte d’AzurCatherine Issert ist in Nizza geboren, ging für ihr Studium nach Paris und kehrte schließlich doch wieder zurück an die Côte d’Azur – eine für sie ganz logische Entscheidung. Denn neben dem Wunsch, an den Ort, an dem sie aufgewachsen und bereits zahlreichen Künstlern begegnet war, zurückzukehren, war ihr klar geworden: Sie wollte hier etwas schaffen, was es zu der Zeit außerhalb von Paris nicht gab und was auch heute in Saint-Paul-de-Vence noch eine Besonderheit ist. „Mitte der 70er-Jahre gab es hier keine Galerie mit internationaler, zeitgenössischer Kunst. Ich wollte mit amerikanischen Galeristen und Künstlern arbeiten und spürte, dass es hier einen Platz für mich gab“, erinnert sich die Galeristin.
 
Und so eröffnete sie in Zusammenarbeit mit dem Künstler Claude Viallat ihre eigene Galerie. Was es brauchte, um sie zu dem Erfolgsmodell zu machen, das sie heute ist? „Zeit“, ist sich Issert sicher. „Eine Galerie baut sich im Laufe der Jahre auf – wie eigentlich doch alle Dinge.“ Je länger sie überlegt, desto mehr Aspekte fallen ihr dann noch ein. Für sie als Galeristin sei es wichtig, kultiviert zu sein, Studium oder Ausbildung nicht zu vergessen, denn alles, von der prähistorischen Kunst bis heute, folge einem roten Faden. Sich in der Kunstgeschichte auszukennen, schade also nie. Eine Sache jedoch könne man nicht lernen: das Glück, den richtigen Blick zu haben. „Dieser Blick steht ganz am Anfang, und er kann sich weiterentwickeln, aber niemals komplett erlernt werden.“
 
Wichtig sei auch ein guter Start: Nur interessante und hochwertige Ausstellungen sorgen bei Künstlern für ein Interesse, in der Galerie ausgestellt zu werden. Letztendlich ist es jedoch Catherine Issert, die ihre Künstler aussucht, nicht andersrum. Auf Messen, durch Empfehlungen oder manchmal auch einfach „wunderbare Zufälle“ stößt Issert auf Künstler, deren Werke sie präsentieren möchte. Dabei geht es weniger um den Sammlergedanken, sondern den Wunsch, diese Kunst anderen Menschen zeigen zu können. Bei der Suche nach neuen Werken steht deshalb nicht die Frage an erster Stelle, was gerade angesagt ist und den Besuchern gefallen könnte, sondern ihr eigener Geschmack. „Es handelt sich immer um Künstler, bei denen ich sofort eine Lust verspüre, sie zu präsentieren.“
EKunst Galerie Catherine Issert Côte d’Azurine Mischung aus jungen, aufstrebenden Talenten und langjährigen Kontakten bildet die Gruppe von aktuell 25 mit der Galerie arbeitenden Künstlern. Dieses Aufeinandertreffen von Jung und Alt inszeniert Catherine Issert in ihrer „Hommage aux Mages“ auf der bedeutenden Pariser Messe für zeitgenössische Kunst (FIAC), bei der ihre jüngsten Schützlinge auf die Arbeit der Älteren mit neuen Werken antworten. Neben der FIAC ist die Galerie Catherine Issert jährlich auf diversen anderen Messen vertreten – etwa bei der „ArtGenève“, der „ArtMonteCarlo“ oder der Messe für Video- und zeitgenössische Kunst in Nizza, „Camera Camera“. Die langjährige Arbeit in Saint-Paul-de-Vence hat die Galeristin für Veränderungen sensibilisiert, sowohl in der Kunstszene allgemein als auch im Dorf. Besonders das größer werdende Interesse an internationaler Kunst begeistert Issert: Mehr und mehr afrikanische und asiatische Kunst finde ihren Platz.
Catherine Issert sei glücklich über jedes Publikum und jeden Kunstinteressierten, versichert sie. Der allzu kommerziellen Vermarktung von Kunst im Dorf jedoch steht sie kritisch gegenüber. Zum Glück gebe es aber noch andere Galerien wie ihre, bei denen die Kunst an erster Stelle steht. Ob man zwischen Arbeit und Freizeit bei ihr noch eine klare Linie ziehen kann? „Kaum“, sagt Issert. „Ich habe meinen Freundeskreis im Bereich der Kunst, in meiner freien Zeit besuche ich Ausstellungen in Museen. Kunst ist praktisch mein ganzes Leben.“
 
 
Annika Bremicker