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Glückskind? Krimi-Autorin veröffentlicht ganz persönliches Buch

KULTUR

«Von hier bis ans Meer – Wie ich in Südfrankreich das Glück suchte und mich selbst fand»: Die bekannte Côte-d’Azur-Krimi-Autorin Christine Cazon gibt in ihrem neuesten Buch höchst persönliche Einblicke in ihr Leben. Mitreißend erzählt die Deutsche von ihrer Odyssee und bringt den Leser dabei regelmäßig zum Schmunzeln. Von Elwira Otto

Christiane Dreher, 1962 in Heidelberg geboren, entschließt sich eines Tages dazu, ihr Leben in Deutschland hinter sich zu lassen und nach Südfrankreich zu gehen. Nach vielen Höhen und Tiefen in ihrem Privatleben wird sie dort zur Schriftstellerin Christine Cazon. Zwischen 2008 und 2010 bloggt sie über ihre Erfahrungen in Frankreich auf brigitte.de, woraus in der Folge ihr Buch «Zwischen Boule und Bettenmachen» entsteht. Heute lebt die Autorin zusammen mit ihrem Mann und ihrer Katze Pepita in Cannes und hält ihre Fans über ihren Blog Au fil de mots auf dem Laufenden. Bekannt ist Cazon vor allem für ihre an der Côte d’Azur spielende Krimireihe um Kommissar Léon Duval.

«Von hier bis ans Meer» ist ein autobiographischer Roman und handelt von einer Frau Anfang 40, die auf der Suche nach einem Abenteuer ist, vorerst aber nicht den Mut dazu findet. Schicksalsreiche Ereignisse bewegen sie dann doch, ihre Sachen zu packen, um ihren Traum vom Süden zu leben. Dieser Schritt ins Ungewisse verläuft nicht ohne Hindernisse. Vor allem die Sprachschwierigkeiten bzw. der «Sprachverlust», wie Cazon ihn bezeichnet, eröffnet eine Welt neuer Unsicherheiten und Selbstzweifel. Schließlich kann man seine Mitmenschen nicht an seiner Gefühls- und Gedankenwelt teilhaben lassen, wenn einem die Worte fehlen.

"Hier war nichts romantisch"

Die erste Etappe der Reise auf der Suche nach dem Glück führt die Deutsche auf einen kleinen Bauernhof in den Seealpen. Es ist ein Schock. Sie schreibt: «So klein und ärmlich hatte ich es mir nicht vorgestellt. Und all diese Gerüche. Die Fliegen. Der Kuhstall befand sich noch unter dem Haus, und die Hühner liefen frei auf dem Gelände herum, und wir warfen ihnen unsere Essensreste über die Holzveranda zu. Und so viele Menschen. Ich hatte mir eine einsame und idyllische Alm auf einer frischen grünen Bergwiese vorgestellt, alles bilderbuchmäßig wie im Heidi-Film. Gerüche gab es nicht in meiner Fantasie. Aber nein, hier war nichts romantisch.»

Sollte dies nun der Ort sein, wo sie ihr Glück findet? Kann man Glück überhaupt an einem bestimmten Ort finden? Die Autorin setzt sich intensiv damit auseinander, was Glück eigentlich ist. Die Frage begleitet sie bis zum Ende des Buches.

Kostprobe französischer Konventionen

Ihre Selbstfindungsreise, die Cazon von Deutschland ins Hinterland von Nizza und schließlich nach Cannes führt, lässt sie weder Humor noch Selbstironie verlieren, ganz im Gegenteil: Alle Erfahrungen und Schicksalsschläge helfen ihr dabei zu verstehen, was sie tatsächlich sucht.

Gewürzt mit alten Blogeinträgen, erzählt Cazon von ihrer Odyssee in einem freien und unbekümmerten Ton, allen ernsten Themen zum Trotz. Gleichzeitig bekommt der Leser eine Kostprobe französischer Konventionen und taucht tief in die Gefühlswelt der Autorin ein. Eine rundum packende Lektüre.

 

 

Drei Fragen an Christine Cazon

Was hat Sie dazu bewegt, ein derart persönliches Buch zu schreiben?
Ich schreibe schon seit vielen Jahren einen sehr persönlichen Blog (aufildesmots.biz) über mein Leben in Frankreich; ich habe dort seinerzeit auch über die Krankheit und das Sterben meines ersten Mannes geschrieben. Meine Blog-Leser und -Leserinnen kennen mich also, schätzen meine Offenheit, und ich habe einen engen Kontakt zu ihnen.
Schon lange wollte ich eine Fortsetzung meines ersten Buches «Zwischen Boule und Bettenmachen» schreiben und darüber, wie es mich von den Bergen ans Meer geführt hat und was ich dort erlebt habe. Als ich vor zwei Jahren an der Sendung «Horst Lichter sucht das Glück in Südfrankreich» teilnehmen durfte und dort nicht sagen konnte, dass ich hier glücklich sei – was die erwartete Antwort war –, habe ich meine Zeit in Südfrankreich und mein ganzes Leben erneut hinterfragt. Insofern wurde das Buch persönlicher, als ich es ursprünglich angedacht hatte, und noch persönlicher, als ich in der Regel schreibe.

Wie stellten Sie sich Glück vor, als Sie Deutschland verließen?
Früher dachte ich, dass das Glück von außen käme. Dass man glücklich wäre, wenn man an einem wundervollen Ort lebt, den richtigen Mann hat, den richtigen Job. Wenn alles perfekt wäre, dann wäre da auch automatisch Glück. Ich dachte, ich wäre irgendwann durchdrungen von Glück, das, wie der Goldregen im Märchen von Frau Holle, auf mich herabregnen würde.
In mir war immer sehr viel Dunkles und Schweres, und ich glaubte, dass das Leben in Südfrankreich, in dieser wundervollen Landschaft mit dem Meer und der Sonne «leichter» sei und dass die Menschen leichtlebiger wären, und dass ich, wenn ich hier lebte, von dieser Leichtigkeit und Leichtlebigkeit automatisch erfasst und durchdrungen würde.
Aber dann hatte ich, selbst mit einem objektiv guten Leben an der Côte d’Azur, immer noch die gleiche Schwere, wie ich sie auch in Deutschland gespürt hatte, in mir und ich fühlte mich auch Jahre später noch nicht glücklich hier.

Was ist Glück heute für Sie?
Das Glück kommt nicht von außen, sondern es ist in mir. Ich denke heute bewusster und anders über mich und das Leben.
Ich war die längste Zeit meines Lebens auf der dunklen, schweren Seite, und jetzt bin ich auf der hellen, leichteren Seite angekommen. Das bedeutet nun nicht, dass ich eine dauernde Euphorie spüre, wie ich es früher vom Glück erwartet habe, aber es ist in mir heller und leichter geworden. Das klingt unspektakulär, ist aber eine unglaubliche Veränderung für mich. Und dann gibt es Momente, die zusätzlich beglückend sind.

Welchen Rat würden Sie all jenen, die auf der Suche nach sich selbst sind, geben?
Ich möchte keinen Rat geben, ich kann nur von mir erzählen, und vielleicht inspiriert meine Geschichte den einen oder die andere. Aber jeder hat seine eigene Geschichte und muss seinen eigenen Weg finden.
Vielleicht kann ich eine Ermutigung geben: Seiner Sehnsucht folgen und sich trauen, das zu tun, was man wirklich tun möchte. Und in Krisensituationen Vertrauen haben, dass es immer weitergeht. Anders vielleicht, aber es geht weiter. Und wenn sich neue Wege auftun, mutig zu sein, diese zu gehen.