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In Grimaud in der Gosse geknickert: Claude Brasseur tot

MENSCHEN

Grimaud im Var war seine zweite Heimat. Seit 1946 – damals war er zehn – kam er regelmäßig hierher, wo seine Familie ein Haus besaß, dessen Eigentümer er als Erwachsener wurde. Seine Mutter, die vor 20 Jahren starb, liegt auf dem Dorffriedhof. Sein einziger Sohne Alexandre wurde in der 5000-Seelen-Gemeinde bei Saint-Tropez getauft. Heute ist der berühmte Schauspieler, Star der auch in Deutschland so bekannten Teenagerkomödie "La Boum" von 1980, gestorben. Der Tod des 84-Jährigen, betonte seine Agentin ausdrücklich, stehe nicht im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Sein hübsches Haus – die "Treille Haute" – liegt am Fuß der Burg in Grimaud. Hier habe er, wo er teilweise aufgewachsen sei, alle seine Ferien verbracht, sagte er vor Kurzem: "Ich kenne den Ort wie meine Westentasche." Schon als Junge habe er hier mit seinen Kameraden in der Gosse geknickert. Viele Freundschaften hätten bis heute überdauert. In den letzten Jahren hätten seine Frau Michèle und er einiges am Haus gemacht. Alle Handwerker, die ihm halfen, seien vom Ort gewesen. Bei Abwesenheit kümmerte sich die Tochter von Madame Ristorto um alles. Deren Mutter war schon bei Brasseurs Geburt dabei gewesen.

Er habe in der Ruhe des Hauses viel gelesen, aber auch sehr viel Sport getrieben. Mit dem Taucher-Club von Saint-Tropez habe er manches Unterwasserabenteuer erlebt. Er erwarb alle Zertifikate seines Hobbys, "wenngleich ich im Alter nicht mehr ganz so in Form war". Lange hätte er sich auch für Fußball interessiert. "Schließlich kotzte mich jedoch an, dass es da nur noch ums Geld ging." Daraufhin habe er sich auf Rugby verlegt.

Hauptsächlich lebte und arbeitete Brasseur jedoch in der Region Paris, wo er 1936 zur Welt kam – genauer am 16. August in Neuilly-sur-Seine. Bevor er zum Film wechselte, spielte er erfolgreich Theater. Zu seinen bekanntesten Rollen zählt die des Draufgängers und Bohemiens in Jean-Luc Godards "Die Außenseiterbande" von 1964. Später wurde er oft als desillusionierter Polizist besetzt.

Nach den Kassenschlagern "La Boum" ("Die Fete" und "Die Fete geht weiter"), wo er den untreuen Vater von Sophie Marceau verkörperte, sorgte sein Auftritt in der Tragödie "Abstieg zur Hölle" von 1986 für einen Skandal. In dem Film, in dem ein paar Nacktszenen vorkamen, spielte er einen Alkoholiker und diesmal den Ehemann von Sophie Marceau. Noch 2016 war Brasseur in "Frühstück bei Monsieur Henri" als Rentner und Querulant zu sehen gewesen.

Beigesetzt werden soll Claude Brasseur auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise neben seinem Vater, dem Schauspieler und Regisseur Pierre Brasseur.

R. Liffers