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Heiter bis wolkig: die Wirtschaftslage an der Côte d’Azur

WIRTSCHAFT

Laut einer Analyse der Industrie- und Handelskammer Nice-Côte d’Azur (CCI) und der Regionaldelegation der Banque de France lief die Wirtschaft der Côte d’Azur und speziell des Departements Alpes-Maritimes im Jahr 2019 nicht schlecht, «sans plus». Laut CCI-Präsident Jean-Pierre Savarino habe sich das Wirtschaftswachstum zwar verlangsamt, lag aber immer noch bei 0,5 Prozent.

Industrie
Die Industrie konnte bis Jahresende ihr gutes Niveau aufrechterhalten. Die Zugeständnisse der Regierung im Anschluss an die Gelbwesten-Proteste zeigten ihre Wirkung. Die Investitionen gingen allerdings nach dem sehr lebhaften Jahr 2018 um 4 Prozent zurück.

Bauwirtschaft
Gut hielt sich auch die Bauwirtschaft, insbesondere im öffentlichen Sektor. Die im März bevorstehenden Kommunalwahlen dürften allerdings zu einer Verlangsamung führen. Auch in der Bauwirtschaft haben wiederum die Investitionen nachgelassen (minus 8,7 Prozent).

Dienstleistungen
Sehr gut entwickeln sich die Dienstleistungen (plus 2,6 Prozent). Hier stiegen die Investitionen um knapp 3 Prozent, die Zahl der Arbeitsplätze um 1,3 Prozent.

Arbeitskräftemangel

Apropos Arbeitsplätze: ein heikles Thema. Und zwar weniger wegen der unverändert hohen Arbeitslosigkeit, trotz der Fortschritte in den letzten drei Jahren mit rund einer Million neu geschaffener Arbeitsplätze in ganz Frankreich. Nein: Sorge macht jetzt vor allem der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, gerade an der Côte d’Azur mit einem hoch entwickelten Dienstleistungssektor. Manche Unternehmen müssen ihre Entwicklung trotz hohen Potenzials drosseln.

Dann sind da noch andere Wolken am Himmel, die aber alle Regionen und alle Länder betreffen: Brexit, die durch Trump ausgelösten Handelskriege, die Unsicherheit in der Automobilindustrie, der Klimaschutz. Fast alle hoch entwickelten Länder prognostizieren gebremstes Wachstum, teilweise auch Rückgang. Deutschland wird wegen der starken Exportabhängigkeit besonders leiden, mehr als Frankreich.

Die Zeichen stehen zwar nicht gerade auf Sturm, aber eitel Sonnenschein verspricht 2020 auch nicht.

JL