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Idee aus Nizza: Weltkarte der positiven Effekte der Pandemie

WISSENSWERT

Möwen nisten auf Nizzas Stadtstrand, Korsika ist von Valbonne aus sichtbar, im Hafen von Antibes tummeln sich Delfine: Bilder, die erst die Coronakrise möglich macht. Während die Pandemie der Menschheit eine Pause aufzwingt, leben Natur und Umwelt auf. Die Universität Côte d’Azur plant, die positiven Effekte von Covid-19 in einer digitalen Weltkarte festzuhalten. Am Samstag geht’s los - und jeder kann mitmachen!

“Open map of the global pause” heißt das internationale Projekt, hinter dem Samira Karrach von der Université Côte d’Azur (UCA) steckt.

“Wir erleben gerade eine historische Situation”, sagte die Leiterin der Exzellenzinitiative der UCA im Gespräch mit der RIVIERAZEIT. “Ich fand, wir müssen festhalten, was passiert, wenn der Mensch zum Innehalten gezwungen ist.”

Seit einigen Wochen tauchen immer wieder neue Bilder und Videos in den Medien auf, die zeigen, was geschieht, seit Flugzeuge und Schiffe still stehen, Industrieanlagen heruntergefahren sind, die Menschen zu Hause bleiben: In Venedig ist das Wasser klar geworden, Delfine sind in Mittelmeerhäfen zu beobachten, über Peking taucht der Himmel wieder auf, der Himalaya ist plötzlich aus Hunderten von Kilometern zu sehen, wilde Tiere wagen sich in Städte vor...

Phänomene wie diese ereignen sich aktuell auf der ganzen Welt. Corona erreicht mehr als jedes internationale Klimaabkommen. “Und daran sollten wir uns auch später noch erinnern”, so Samira Karrach.

Startschuss am 9. Mai

Am kommenden Samstag, 9. Mai, um 18 Uhr geht ihr Projekt live, an dem sich Menschen in allen Winkeln der Erde beteiligen sollen: Jeder kann unter Angabe des genauen Aufnahme-Ortes seine Fotos, Videos, Texte oder Links hochladen mit positiven Spuren, die das Coronavirus hinterlässt. Gesucht sind Zeugnisse aus Natur und Umwelt sowie auch solidarische Akte wie etwa die beliebten Balkon-Konzerte für Pflegekräfte.

Entstehen soll so eine interaktive digitale Weltkarte mit möglichst vielen Elementen, eine Art Bilderbuch für die Zeit danach - oder “ein Vermächtnis für künftige Generationen”, wie die Initiatorin der “Open map of the global pause” es formuliert.

Ob Samira Karrach glaube, dass die Covid-19-Pandemie nachhaltig positive Spuren hinterlassen werde? “Die Menschen überdenken ihr Verhalten. Ich höre von einigen, die sich beruflich verändern und beispielsweise aufs Land ziehen wollen, zumal Telearbeit für viele auf einmal denkbar ist. Ich hoffe, dass die wirtschaftlichen und sozialen Nöte, die wir gerade erleben, weltweit zu einem Umdenken führen. Je länger die aktuelle Situation dauert, desto mehr wird jeder darüber nachdenken, was er verändern kann.”

Aila Stöckmann