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Klassik, Rap, Ballett, Theater – trotz Corona zurück auf die Bühne

KULTUR

*** NACHTRAG vom 29. Oktober: Ab morgen, 30. Oktober, bis zum 1. Dezember bleiben wegen des erneuten Lockdowns in ganz Frankreich alle Theater und Bühnen geschlossen ***

Die Künstler drängt es zurück auf die Bühne: Allen Widrigkeiten zum Trotz haben die Festspielhäuser an der Côte d’Azur ihre neue Saison 2020/21 geplant. Zu Coronazeiten bedeutet das: Halbierung der Anzahl der Sitzplätze und Maskenpflicht. Wir stellen Ihnen einige der geplanten Highlights der kommenden Monate vor. Prüfen Sie aber bitte vorab, ob die Veranstaltungen tatsächlich stattfinden. Wegen der seit Samstag an der gesamten Côte d’Azur täglich zwischen 21 und 6 Uhr geltenden Sperrstunde planen zahlreiche Häuser außerdem kurzfristig um und lassen die Darbietungen eher beginnen als beschrieben!

 

Orchester Cannes
Fast drei Monate lang, da ging es den Musikern des Orchestre Cannes nicht anders als den meisten anderen Menschen in Frankreich, mussten sie im Frühjahr zuhause bleiben. Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Saison im kleinsten Rahmen kurz nach dem confinement stellte sich gerade erst eine neue Normalität ein: Die Stühle der Musiker im Probensaal Les Arlucs in Cannes-La Bocca waren den gebotenen Abstandsregeln gemäß weit auseinander gerückt, Notenständer ergänzt worden, denn ein Teilen der Blätter war nicht mehr erlaubt. Wie das Musizieren auf Abstand ablaufen würde, ohne den Instrumentennachbarn im Augenwinkel und sein Spiel direkt im Ohr zu haben, konnte an dem Tag im Juni noch niemand sagen.

Die Interaktion, nicht zuletzt auch mit dem Publikum, hatte allen gefehlt. Umso wichtiger war es Chefdirigent Benjamin Levy, zeitig die neue Saison anzukündigen – Neuerungen inklusive. Der Saisonauftakt Ende September war Corona geschuldet: Zwei Gratiskonzerte mit 50 Musikern erklangen von den Balkonen eines Mehrfamilienhauses im Mûriers-Viertel der Stadt, mit roten Liegen für die Zuhörer vor dem Gebäude.

Highlights
In der «Geigen-Serie» (nach der Piano-Serie in der vorigen Saison) zu Gast ist am 29. November die junge talentierte niederländische Violinistin Noa Wildschut mit Werken von Brahms und Tschaikowsky.

Ein romantisches Konzert mit Schumann-Werken gibt der gefeierte norwegische Cellist Truls Mørk am 31. Januar in Begleitung des Orchesters im Théâtre Croisette.

Einen Merker im Kalender wert ist außerdem das Ciné-Konzert am 20. Dezember im Palais des Festivals: Zum 100. Geburtstag des Werkes begleiten die Musiker live den Film «The Kid» von Charlie Chaplin.
www.orchestre-cannes.com

 

Palais des Festivals Cannes
Alonzo King präsentiert am 28. November um 20.30 Uhr sein ikonisches Lines Ballet: sinnlicher Tanz, der klassische und zeitgenössische Techniken verbindet (Théâtre Debussy).

Ein weiterer Klassiker, der am 30. Januar auf der Bühne des Grand Auditorium präsentiert wird, ist Tschaikowskys Ballett "Schwanensee". Bekannte Melodien werden von 26 Tänzern unter der Leitung von Choreograf Angelin Preljocaj performt.

«All you need is love» – seit 20 Jahren präsentiert die Coverband Rabeats die weltberühmten Songs der Beatles. Mit einer Prise Humor und Pilzfrisur entführen die Rabeats die Zuschauer am 9. Januar im Grand Auditorium zurück in die Ära von Love and Peace.

Darf es auch etwas bunter sein? Les Ballets Trockadero de Monte-Carlo sind am 7. März um 18 Uhr mit ihrer Travestieshow zu Gast (Grand Auditorium).
www.palaisdesfestivals.com

 

Theater Anthéa in Antibes
Die Schockstarre ist auch in Antibes vorbei. Anthéa, das Theater der Stadt, beginnt seine neue Spielzeit – anders als im Juni noch befürchtet – nicht im November, sondern doch bereits im Oktober. Auch in der achten Saison des Festspielhauses gibt es wieder eine gelungene Mischung aus Theater, Tanz, Zirkus, Comedy, Oper und Konzerten.

Highlights
Gérard Depardieu, das gewichtige französische Schauspieler-Urgestein, tritt am 3. November mit seinem Erfolgsprogramm «Depardieu chante Barbara» auf. Der Schauspieler interpretiert erneut die bekanntesten Lieder der beliebten Sängerin, darunter auch «Göttingen», die Hymne der deutsch-französischen Versöhnung.

Später stehen weitere große Namen der französischen Kultur, Neuentdeckungen und vor allem zahlreiche Eigen- sowie Koproduktionen auf dem Programm, darunter drei im Nachhinein zugefügte Abende (zum Beispiel am 16. und 17. März zwei Akustik-Konzerte von Patrick Bruel).
www.anthea-antibes.fr

 

Philharmonie-Orchester Monte-Carlo
Zu den Höhepunkten des monegassischen Orchesters zählen wie jede Saison die Ehrenhof-Konzerte kommenden Sommer im Fürstenpalast (Juli und August 2021). Aber gehen wir chronologisch vor. Das Beethoven-Jahr 2020 zum 250. Geburtstag des Komponisten macht auch um Monaco keinen Bogen: Neun Beethoven-Konzerte sind bis Jahresende programmiert.

Zu den Gast-Solisten zählen in der neuen Saison Renaud Capuçon (Geige, 5. und 8. November) und David Fray (Klavier, 5. November), das Trio Zeliha (28. November), Nicholas Angelich (Klavier, 29. November), Daniel Lozakovich (Geige, 12. Dezember, mit Cornelius Meister am Taktstock), der junge Alexandre Kantorow (Piano, 17. Januar und 16. Mai – artiste en résidence), Christian Zacharias (Klavier, 14. Februar und 9. Juni), Gerhard Oppitz (Klavier, 28. Februar).
www.opmc.mc

 

Oper Monte-Carlo
Die Opernsaison in Monte-Carlo wird wie gewohnt im November eröffnet. Ein diesjähriges Highlight ist der Auftritt von Plácido Domingo am 5. Dezember. Als einer der berühmten Drei Tenöre wird der Spanier in der Oper I due Foscari von Giuseppe Verdi als Francesco Foscari zu sehen sein (Grimaldi Forum – Salle des Princes).

Georges Bizets Meisterwerk «Carmen» wird in Koproduktion mit dem Théâtre du Capitole aus Toulouse und der Opéra de Marseille im November neu inszeniert: Am 20., 22. und 24. können die Zuschauer die Arbeiterin Carmen erleben sowie ihre Liebhaber, die in Sevilla um die Gunst der Schönen buhlen (Grimaldi Forum – Salle des Princes).
www.opera.mc

 

Grimaldi Forum
Geschichte mal anders: Angesiedelt zwischen Zirkuskunst und Tanzchoreografie, kehrt die Varieté-Show "Speakeasy" von The Rat Pack am 13. November um 20.30 Uhr ins Grimaldi Forum zurück. Das Publikum wird in die Zeit der Prohibition in den Vereinigten Staaten der 1930er-Jahre zurückversetzt – eine Geschichte mit endlosen Streitereien.
www.grimaldiforum.com

 

Ballets de Monte-Carlo
Die Tänzer von Monte-Carlo freuen sich darauf, in der Wintersaison vor heimischem Publikum aufzutreten. Über Weihnachten wird es tragisch-romantisch: Unter Mitwirkung des Philharmonischen Orchesters von Monte-Carlo soll der Shakespeare-Klassiker Romeo und Julia als Tanzstück aufgeführt werden (23. und 26. Dezember, Salle des Princes – Grimaldi Forum).

In einer Choreographie, die den Akt der Wahl zwischen Gut und Böse sowie Offenheit und Erotik zeigt, adaptiert Ballett-Chef Jean-Christophe Maillot mit der Eigenproduktion „Lac“ Tschaikowskys Schwanensee. Die turbulente Handlung wird ebenfalls vom Philharmonischen Orchester Monte-Carlo begleitet. Termine: 30. und 31. Dezember sowie 2. und 3. Januar, Salle des Princes – Grimaldi Forum.
www.balletsdemontecarlo.com

 

Opera Nice Côte d’Azur
Das Opernhaus in Nizza zeigt wie gewohnt Inszenierungen auf hohem Niveau – von Ballett über Oper bis zu klassischer Musik. Neben zahlreichen Klassik-Konzerten mit Werken von Beethoven bis Carl Maria von Weber werden aber auch andere Klänge in dem denkmalgeschützten Gebäude an der Promenade des Anglais (Eingang Rue Saint-François-de-Paule) zu vernehmen sein: Am 15. November wird hier ab 11 Uhr Jazzmusik für die ganze Familie geboten, es spielt das Jazz-Ensemble des Conservatoire National de Région. Weitere Jazz-Cafés finden am 12. Dezember, 20. März und 19. Juni jeweils um 11 im Foyer Montserrat Caballé der Oper statt.

Jetzt im November wird eine Oper der jüngeren Generation präsentiert – die Neuproduktion "Akhnaten" von Philip Glass (Uraufführung 1984 in Stuttgart). Das zum größten Teil englischsprachige, musikalisch minimalistische Werk ist der dritte Teil der sogenannten «Portraitopern-Trilogie» von Glass. Inhaltlich beschäftigt sich das Stück mit dem ägyptischen Pharao Echnaton. Termine: 1., 3., 5., 7. November.

Pucchini-Liebhaber werden sich über die Neuproduktion von La Bohème freuen. Am 26., 28. und 30. März sowie 1. April ist das vielleicht bedeutendste Meisterwerk des großen Komponisten in der Oper in Nizza zu sehen.
www.opera-nice.org

 

Théâtre de Grasse
Das TDG unterteilt wegen des Coronavirus sein Programm in zwei Halbzeiten und kommuniziert zunächst nur bis Ende des Jahres 2020. Umständehalber wurden diesen Sommer zahlreiche Shows open air gezeigt, und geplante internationale Produktionen sind auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Ende September ging es los mit der neuen Saison. Ein Konzert mit der Sängerin/Gitarristin Souad Massi («die schönste Stimme Nordafrikas») ist für den 19. November getaktet.

Der französischen Sprache ausreichend Mächtigen sei folgendes Stück empfohlen: «Rouge» am 22. November. Darin verkörpert Niels Arestrup meisterhaft den amerikanischen Maler Mark Rothko. Gefeiert am Broadway!

Ein Klavierkonzert am 20. Dezember mit dem Grassois David Bismuth feiert den 250. Geburtstag Beethovens.
www.theatredegrasse.com

 

Scène 55 in Mougins
Unbedingt ein Programm für die vierte Saison der «Scène 55» auf die Bühne stellen wollten auch die Kulturschaffenden in Mougins. Einige der im Frühjahr ausgefallenen Shows sind in die neue Spielzeit verlegt worden; hinzu gesellen sich neue in gewohnter Bandbreite – von Musik über Theater bis zu Zirkusnummern.

In den Vordergrund rückt die kleine Stadt mit großem Saal erneut Tanz und das in der Region wenig verbreitete Marionettentheater – letzteres, so versichert der künstlerische Leiter René Corbier, unbedingt in Familie zu entdecken: Faszination und Gemeinschaftserlebnis garantiert (bitte notieren: «Incertain Monsieur Tokbar» am 10. November, ein humorvoll-hintergründiges Stück für jedes Alter).

Zu den Highlights zählt der Klassikabend mit Cello und Piano mit dem unvermeidlichen Gautier Capuçon sowie Jérôme Ducros am 14. November, der Auftritt von Rapper Oxmo Puccino am 20. November, der sein achtes Album «La Nuit du Réveil» präsentiert, und am 11. Dezember der Tanzabend «May B» mit der Compagnie Maguy Marin.

Zu entdecken gilt es den jungen einheimischen Theatermacher Paul Platel, der Direktor Corbier absolut begeistert hat mit seiner fast dreistündigen Kreation «Je me souviens» (31. Januar).

Sich vormerken sollte man außerdem bereits das für den 30. April geplante und die Saison beendende Rockkonzert von AaRON, der 2006 mit seinem Hit «U-Turn (Lili)» erstmals für Aufsehen sorgte.

Solange das Departement Alpes-Maritimes «rot» eingestuft ist, was die Viruszirkulation betrifft, darf nur jeder zweite Platz im Saal belegt werden (was die Gästezahl auf 280 reduziert), das Tragen einer Maske ist ohnehin vorläufig Pflicht. Einige der Vorstellungen müssten in dem Fall (erneut) verschoben werden, bitte kurzfristig auf die Website schauen:
www.scene55.fr

 

Forum Jacques Prévert in Carros
Das Kulturzentrum bietet in der Saison 2020/21 vielfältige Veranstaltungen für Jung und Alt. Beispielsweise «Rien à dire» («Nichts zu sagen») – die Show von Léandre, dem Clown, der die Zuschauer in seinem sprachlosen Theater zum Lachen bringt. Zu sehen am 17. Dezember um 20 Uhr in der Salle Juliette Gréco.

Der Höhepunkt der Kultursaison ist das Trajectoires-Festival vom 8. Januar bis 12. Februar. Es werden 32 Vorstellungen über sechs Wochen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Häusern geboten, darunter das Theater in Grasse und das Theater Licorne in Cannes.
www.forumcarros.com

Denise Mähne, Ira Söhnge & Aila Stöckmann