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Kommunalwahlen: Grüne Welle schwappt (fast) nicht in den Süden

CÔTE D’AZUR & PROVENCE

Frankreich erlebt eine grüne Welle bei gleichzeitig extrem niedriger Wahlbeteiligung: Nur rund 40 Prozent der Wahlberechtigten haben gestern in der zweiten Runde der Kommunalwahlen ihre Stimme abgegeben. Die erste Runde hatte bereits am 15. März stattgefunden, zwei Tage vor Beginn der Ausgangssperre wegen des Coronavirus. An der Côte d’Azur sind einige Bürgermeisterwechsel zu verzeichnen. Nizza bleibt Christian Estrosi erwartungsgemäß treu.

Alpes-Maritimes

Während frankreichweit in einigen großen Städten künftig grüne Bürgermeister regieren (zum Beispiel in Lyon, Straßburg, Besançon – zuvor war es nur Grenoble), bleibt die Côte d’Azur gewohnt konservativ. Zwei Städte immerhin haben auch hier in den kommenden sechs Jahren ökologisch ausgerichtete Rathauschefs: Mouans-Sartoux schon traditionell (und bereits in der ersten Runde dingfest gemacht) und seit gestern auch Valbonne, wo Herausforderer Joseph Cesaro (Ecologiste, 45,46 Prozent der Stimmen) den bisherigen Bürgermeister Christophe Etoré (Divers centre, 28,92) und dessen Vorgänger und Noch-Senator Marc Daunis (Divers gauche, 25,62) besiegte.

Keine Überraschung dagegen in Nizza, wo Hausherr Christian Estrosi (Divers droite, 59,31 Prozent) seine Herausforderer Philippe Vardon (Rassemblement National, 21,39) und Jean-Marc Governatori (Ecologiste, 19,3) in die Schranken wies. Auch Menton hat seinen langjährigen Bürgermeister in der zweiten Runde bestätigt: Jean-Claude Guibal (Union de la Droite, 55,7) setzte sich gegen seinen Konkurrenten von der Liste Divers droite durch. Auch Louis Nègres (Les Républicains, Cagnes-sur-Mer) bleibt im Amt.

Neue Köpfe an der Spitze des Gemeinderates gibt es dagegen beispielsweise in Auribeau (mit Michèle Paganin übernimmt eine Frau), Le Bar-sur-Loup (François Wyszkowski), Carros (ganz knapp: Yannick Bernard, Divers droite), Peymeinade (Philippe Sainte-Rose Franchine, Divers), Saint-Cézaire-sur-Siagne (Christian Zedet, Divers), Saint-Jeannet (mit Julie Charles ebenfalls eine Frau, Divers), Saint-Paul-de-Vence (Jean-Pierre Camilla) und Vallauris (Kevin Luciano, Divers).

Nur in 20 Prozent aller Gemeinden im Departement Alpes-Maritimes war ein zweiter Wahlgang erforderlich. In 131 von 163 Städten und Dörfern wurden die Rathaus-Chefs und Gemeinderäte für die kommenden sechs Jahre bereits in der ersten Runde bestimmt.

Var

Im Var ging insgesamt unter ein Prozent der Stimmen an die Grünen und die Ecologistes, und folglich wird auch künftig keine Gemeinde von ihnen geführt. Dagegen gibt es zwei Orte, in der die extrem Rechten die meisten Stimmen erhielten: In Fréjus hat der bisherige Bürgermeister David Racheline (Rassemblement National) mit 50,61 Prozent der Stimmen sein Amt bereits in Runde eins gegen zwei Mitbewerber verteidigen können, während in Cogolin sein Kollege Marc Etienne (Extrème Droite, 58,02) gestern seinen Sieg einfuhr.

Wiedergewählt wurde in Saint-Tropez Jean-Pierre Tuveri (Divers droite, 41,68), der noch zwei Gegenkandidaten hatte. Auch in Hyères hat es der bisherige Ratshauschef Jean-Pierre Giran (Les Républicains, 48,20) erneut geschafft.

Eine historische Wende, wie es die lokale Presse formuliert, hat es in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume gegeben: Hier regiert mit Alain Decanis (Divers gauche) künftig ein linker Bürgermeister – wie in nur vier weiteren Gemeinden des Var (Pierrefeu-du-Var, La Cadière-d’Azur, Saint-Zacharie und Salernes). Ein neues Gesicht an der Spitze des Gemeinderats gibt es auch in La Seyne-sur-Mer: Hier hat Nathalie Bicais (Divers droite, 44,12) das Rennen gemacht. Ihr linker Amtsvorgänger Marc Vuillemot kam nur auf 33,44 Prozent der Stimmen. Einen neuen Bürgermeister hat mit Jean Cayron (Divers centre, 56,74) ebenso Roquebrune-sur-Argens.

Im Var waren die Bürger aus 41 Gemeinden aufgerufen, in einem zweiten Wahlgang ihren künftigen Bürgermeister zu bestimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 44 Prozent. Bereits in Runde eins die absolute Mehrheit erhalten hatten Kandidaten beispielsweise in Draguignan, Saint-Raphael, Fréjus, Sainte-Maxime, Grimaud, Bormes-les-Mimosas und Brignoles.

Bouches-du-Rhône

In Marseille übernimmt die Kandidatin der Linken Michèle Rubirola das Ruder des nicht mehr angetretenen Altbürgermeisters Jean-Claude Gaudin. Die für grüne Ideen stehende Ärztin kam mit 39,9 Prozent der Stimmen auf zehn Prozentpunkte mehr als ihre dichteste Verfolgerin Martine Vassal (Les Républicains, 29,8).
In Aix-en-Provence heißt die alte und neue Bürgermeisterin Maryse Joissains-Masini (Union de la droite), die gestern mit 43,53 Prozent der Stimmen ins Ziel kam.
Insgesamt haben im Departement Bouches-du-Rhône in der zweiten Runde die Linken (Union de la gauche) die meisten Stimmen auf sich vereinigen können (27,87 Prozent), vor den Republikanern (22,1) und dem extrem rechten Rassemblement National (12,7).