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Macron verärgert über schleppende Impfkampagne

WISSENSWERT

Staatspräsident Emmanuel Macron ist angesichts der Impf-Trödelei in seinem Land der Kragen geplatzt. Tatsächlich waren in Frankreich zwischen Kampagnen-Beginn und Sonntagabend nur 511 Menschen gegen das Virus geimpft worden. Dieses magere Ergebnis hat Macron unmittelbar nach seiner Rückkehr von seinem Kurzurlaub in Bormes-les-Mimosas nach Paris in Rage gebracht.

Ein Machtwort von ihm soll nun für Tempo sorgen. Schon in seiner Neujahrsansprache hatte Macron angedeutet, wie sehr ihn das schleppende Voranschreiten der nationalen Impfkampagne wurme. Er werde nicht zulassen, dass sich diese durch nichts zu rechtfertigende Trödelei fortsetze.

Das "Journal du dimanche" berichtet, hinter den Kulissen habe Macron kritisiert, die Impfkampagne in seinem Land gleiche "einem gemütlichen Familienspaziergang". Dieses Verhalten werde weder dem Infektionsgeschehen noch den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht. Die Zeitung zitiert  Macron mit den Worten: "Ich befinde mich rund um die Uhr im Krieg gegen das Virus". Und das gleiche Engagement erwarte er auch von allen anderen.

Nur in den Niederlanden, wo mit der Kampagne erst in dieser Woche begonnen wird, ist bisher weniger geimpft worden. In Großbritannien ist inzwischen eine Million Menschen geimpft worden, in Deutschland sind es rund 200.000 und in Italien 85.000.

Problem in Frankreich: Die Impfung darf erst nach einem vorangegangenen Gespräch zwischen Arzt und Patient stattfinden. Diesem Gespräch müssen mehrere Tage Bedenkzeit und eine schriftliche Einwilligung folgen.

Gesundheitsminister Olivier Véran hat heute versichert, die Kampagne solle in den kommenden Wochen an Fahrt aufnehmen. Auch über 75-Jährige, die nicht im Altenheim leben, sollen sich noch vor Monatsende impfen lassen dürfen. Dabei handele es sich um rund fünf Millionen Menschen. Véran wolle die Kampagne "ausweiten, beschleunigen und vereinfachen". 

R.L.