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Retrospektive: Sosno und die Kunst der Obliteration

KUNST

Er schuf unter anderem bewohnbare Giga-Skulpturen – zwei davon an der Côte d'Azur – und war selbst ein ganz Großer: Sacha Sosno wird in diesem Winter in seiner Wahlheimat Nizza eine Retrospektive gewidmet. Bei der Vernissage am kommenden Samstag ist seine Witwe Mascha Sosno zugegen.

Seine Präsenz ist an der Côte d’Azur ohnehin allgegenwärtig: Sosnos 26 Meter hohe tête carrée in Nizza, erste «bewohnte» Monumentalskulptur der Welt, empfängt als Bibliothek Tag für Tag Besucher, und ein weiterer Quaderkopf, der «Guetteur» (Späher), ist Herzstück und administrativer Sitz des Einkaufszentrums Polygone Riviera in Cagnes-sur-Mer – um nur zwei seiner unübersehbaren Vermächtnisse zu nennen.

An zwei benachbarten Orten in der Stadt, die er viele Jahre seines Lebens Heimat nennen sollte, sind in diesem Winter nun mehr als 70 Werke des 2013 verstorbenen Sacha Sosno versammelt: in Nizzas antiker Stätte Cemenelum und im angeschlossenen Archäologie-Museum (Nizza-Cimiez).

In Nizza traf der 1939 geborene Bildhauer und Maler schon als Kind Matisse, als 17-Jähriger dann Yves Klein und Arman. Zunächst schlug er den Weg als Journalist ein, ehe er sich der Kunst verschrieb und das Konzept der Obliteration entwickelte: das Weglassen von Teilen («cacher pour mieux voir» – «verstecken, um besser zu sehen»).

Der Museumsdirektor begrüßt die Ausstellung als Dialog zwischen manchmal angestaubter Archäologie und Gegenwartskunst. Sosno hat sich passenderweise regelmäßig antiker Figuren bedient.

 

«Sosno squatte l’Antique»
17. Oktober – 28. März
Römische Stätte Cemenelum & Archäologie-Museum in Nizza-Cimiez
www.nice.fr

Sosnos Witwe Mascha Sosno ist zur Ausstellungs-Eröffnung am Samstag, 17. Oktober, von 11 bis 16 Uhr vor Ort im Archäologie-Museum.
Eintritt frei zur Ausstellung am Sonntag, 18. Oktober, von 10 bis 18 Uhr.