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Saint-Tropez feiert die Frauen: bald große Nadia-Léger-Ausstellung

KUNST

Saint-Tropez hat dem Weltfrauentag das ganze letzte Wochenende gewidmet. Im Blickpunkt einer zweitägigen Veranstaltung standen die beiden Künstlerinnen Frida Kahlo (1907-1954) und Nadia Léger (1904-1982). Beide waren Vollblut-Kommunistinnen. Vor allem aber verbindet sie, dass praktisch ihr gesamtes kreatives Schaffen im Schatten ihrer berühmten Malermänner Diego Rivera und Fernand Léger untergegangen war. Die Auseinandersetzung speziell mit Nadia Léger sollte zugleich einen Vorgeschmack liefern auf ihre erste große Ausstellung überhaupt, die das Musée de l’Annonciade in den Mittelpunkt des Jahresprogramms stellen wird.

Der Samstag gehörte beim Kolloquium im Hôtel de Paris von Saint-Tropez den beiden Buchautoren Claire Berest und Aymar du Chatenet. Sie hat einen Roman über die Mexikanerin Frida Kahlo ("Rien est noir"/Verlag Stock) geschrieben, er eine umfassende Monografie (fnacpro) über die russischstämmige Nadia Léger, die – von der Öffentlichkeit kaum beachtet – in Grasse starb, in Callian beigesetzt wurde und erst seit der zehn Jahre währenden Aufarbeitung ihrer Geschichte durch Chatenet zumindest in Frankreich stärker beachtet wird.

Am Sonntag wurde die Konferenz ("L’Hôtel de Paris et la ville de Saint-Tropez célèbrent la femme") im Musée de l’Annonciade fortgesetzt, wo die Ausstellung "Les couleurs de Nadia" vom 11. Juli bis 14. November zu sehen sein wird. Nadia? Ja, einfach Nadia, damit ihr berühmter Nachname nicht wieder dazu führt, dass das illustre Werk ihres Mannes von ihrem überaus eigenständigen ablenkt, erläuterte Museumskonservatorin Séverine Berger.

Enthüllt wurde ein Porträt der Künstlerin, das der anwesende Paul-Richard Mason geschaffen hat und ab sofort in der Galerie Mason-Noirez zu sehen ist. Vorgestellt wurde überdies erstmals der Entwurf für eine Skulptur, die Mason demnächst schaffen wird. Am 27. Juli will er außerdem im Museumsgarten ein Bild von Nadia im Format von zwei mal zwei Metern Größe auf die Leinwand bringen.

Fernand Léger hatte 1955 im Auftrag der Stadt Hannover eine Fassadendekoration mit Handball- und Radfahrmotiven für die Halle des Niedersachsenstadions skizziert. Weil der Künstler im selben Jahr starb, blieb es jedoch bei dem Entwurf. Den übernahm dann seine Witwe für den Museumsbau, den sie ihrem Ehemann in Biot in den Alpes-Maritimes errichtete. 1960 wurde das Nationalmuseum Léger dort eröffnet. 600 Gäste kamen zu dem Festakt. Darunter die Besatzung eines vor der Küste ankernden US-Kriegsschiffs, die das Kunstereignis mit einem drei Tage andauernden Mahn-Mahl im Luxus-Hotel "Le Provençal" in Juan-les-Pins feierte.

Wie am Rande der "hommage fait aux femmes" in Saint-Tropez bekannt wurde, plant das Musée de l’Annonciade vom 11. April bis zum 5. Juli eine "Überraschungsausstellung", die Henri Matisse zugedacht sein wird.

Rolf Liffers