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Umweltschutz in Golfe-Juan: Fisch-Kindergärten für den Hafen

CÔTE D’AZUR
 
Betonierung und Verschmutzung gefährden die Biodiversität in Häfen – nicht zuletzt an der Côte d’Azur. Daher hat ein französisches Unternehmen künstliche Habitate speziell zum Schutz junger Fische entwickelt. Anfang des Monats wurden sogenannte „Biohuts“ im Port Camille Rayon in Golfe-Juan-Vallauris platziert.
 
Biohut ecocean Nachhaltigkeit Fische Hafen Port Camille Rayon Der Tag am Hafen von Golfe-Juan begann mit Ratespielen und Fisch-Memory. Denn während einige Mitarbeiter des Unternehmens Ecocean mit dem Anbringen der Biohut®-Käfige an den Pontons im Port Camille Rayon beschäftigt waren, informierte der andere Teil zwei Grundschulklassen über das gefährliche Leben der Fische in Häfen. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit liege dem Unternehmen besonders am Herzen, erklärte Sabrina Palmieri, die Sprecherin von Ecocean, der RivieraZeit, während im Hintergrund die Schüler in einem lebensgroßen Brettspiel den Alltag junger Fische nachspielten. Deshalb würden jedes Mal, wenn das Unternehmen ihre Biohut-Module in einem Hafen anbringt, auch eine offene Informationsveranstaltung und vor allem Workshops für Schulen mitorganisiert. „Die Kinder sind schließlich die Erwachsenen der Zukunft“, betonte Palmieri.
 
Grundsätzlich sind Häfen ein gut geeignetes Zuhause für heranwachsende Fische, die noch nicht stark genug sind, um gegen Wellen anzuschwimmen, und somit ruhige Gewässer bevorzugen. Jedoch entsteht durch die zunehmende „Betonisierung“ der Häfen ein Mangel an Nahrungsquellen und Versteckmöglichkeiten. Auch die Wasserverschmutzung sowie Anker, sie das natürliche Habitat zerstören, stellen eine Gefahr dar. So passiert es, dass in Häfen im Schnitt nur zehn Prozent junger Fische bis zu einem reproduktionsfähigen Alter überleben. Die Population sinkt infolgedessen.
 Deshalb entwickelte das Unternehmen Ecocean, das Gilles Lecaillon 2003 in Montpellier gegründet hat, um die Biodiversität der Ökosysteme im Mittelmeer zu erforschen, bereits vor sieben Jahren seine Biohuts. Die Stahlkäfige dienen als „künstliche Kindergärten für junge Fische“. Sie bestehen aus drei Kammern, von denen die mittlere mit Schalentieren gefüllt ist und als Nahrungsquelle dient. Die beiden äußeren Kammern bieten den jungen Fischen jederzeit Schutz vor ihren Fressfeinden – ausgewachsenen Fischen, für die die ungefähr vier-mal-fünf Zentimeter großen Gitteröffnungen zu klein sind. Diese künstlichen Habitate werden entweder am Kai, an den Laufsteg-Pontons zwischen den Booten oder auch an Felsen am Meeresgrund angebracht.
 Die junge Generation der Fische verweilt dort je nach Art ein bis drei Monate, bis sie herangewachsen ist. Dann können sie bis zu einer Million Eier legen und zwischen sechs und fünfzig Jahren leben. An der Côte d’Azur sind um die 20 verschiedene Arten anzutreffen, darunter die Ringelbrasse und die Goldmaid.

Die Anlagen werden zweimal jährlich Biohut ecocean Nachhaltigkeit Fische Hafen Port Camille Rayonüberprüft und nach drei bis vier Jahren wird eine abschließende Bilanz gezogen, inwiefern sich die Biodiversität entwickelt hat.
 „Es ist eine einfache Lösung, die kein Vermögen kostet“, so Rémy Dubas, einer der Taucher von Ecocean. Biohut wird grundsätzlich auf Initiative des Hafens angebracht, der die anfallenden Kosten, zwischen 10 000 und 70 000 Euro für vier Module, in Teilen übernimmt. Rund 20 Prozent werden von der Agence Région Sud bezahlt, und auch die Agence de l’Eau subventioniert diese Meeresschutzmaßnahme.
 Im Mittelmeer wurde Biohut bereits an 26 Orten angebracht, darunter 15 an der Côte d‘Azur: beispielsweise in Monaco, Cannes, Antibes, Marseille und Fréjus.
 Unweit des Port Camille Rayon, der sich auch für eine bessere Wasserqualität einsetzt, wurde in einem Hafen, in dem ebenfalls Biohuts installiert sind, ein Vertreter der gefährdeten und für diese Gewässer seltenen Spezies Brauner Zackenbarsch gesichtet, berichtet Sabrina Palmieri voller Freude. „Vielleicht werden wir bald auch hier einen sehen. Das hoffe ich!“
 
Bei der anschließenden kleinen Einweihungsfeier waren der CEO des Hafens Pierre Rayon, Hafenmeister Alexandre Joskowicz und die Bürgermeisterin von Vallauris-Golfe-Juan Michelle Saluchi anwesend. Die Grundschüler zeigten sich sehr interessiert, nicht nur an dem Empfangsbuffet. Nach den Workshops, bei denen sie eifrig mitmachten, schauten sie sich die Info-Flyer an. Nächstes Jahr werden die Schüler wiederkommen, um zusammen mit dem Team von Ecocean die Fortschritte zu beäugen. Bis dahin kann jedermann vom Kai aus auf die frisch angebrachten Biohut hinabschauen und das Geschehen im Fisch-Kindergarten beobachten.
 
Klaudia Rzezniczak