Haupt-Reiter

Vendée Globe: Boris Herrmann für Monaco auf Podiumskurs

SPORT

Der Oldenburger Hochseesegler Boris Herrmann, dessen monegassisches Schiff unter dem Label "Yachtclub de Monaco" an der berühmt-berüchtigten Vendée Globe teilnimmt, liegt nach einer kurzen Krise wenige Tage vor Zieleinfahrt auf einem beachtlichen 3. Platz.

Die niedersächsische Heimatpresse verfolgt die Regatta auf jedem Kilometer und berichtet unter der Überschrift "Wenn großer Vorsprung zum Verhängnis wird" über Herrmanns dramatische Aufholjagd. Danach segelte er am Freitag bereits an Position drei in der eng zusammengerückten Spitzengruppe.

Fünf Segler befinden sich innerhalb von 60 Seemeilen (111 Kilometer) – an Position sechs der französische Pechvogel Yannick Bestaven, den Herrmann am Donnerstag überholt hatte. Dabei hatte Bestaven vor gut einer Woche noch über 500 Kilometer vor allen anderen gelegen und 1000 Kilometer vor Herrmann.

Warum Bestavens Vorsprung dahin ist, erklärt Professor Ralf Brauner von der Jade Hochschule.

„Bestaven ist als erster in eine windschwache Zone gekommen. Das kann passieren“, erklärt der Experte: „Die anderen Schiffe kommen dann mit Wind von hinten auf.“ Der Franzose war darüber auch sehr verärgert, hatte er doch zuvor einiges richtig gemacht. Brauner nennt drei Faktoren, die bestimmen, wie gut Segler jeweils unterwegs sind.

Darauf kommt es an: Zum einen die reine Performance des Bootes – also was zum Beispiel die „Seaexplorer“ von Herrmann kann, die als eine der schnellsten Yachten gilt. Dann ist entscheidend, wie gut ein Segler das Wetter liest und die beste Route findet. Dabei kommt es sowohl darauf an, die heutzutage sehr präzisen Wettervorhersagen des Computers richtig zu deuten und umzusetzen, als auch die aktuellen Bedingungen richtig zu lesen. Sogenannte „squalls“, Schauer mit plötzlich auftretenden Böen, können nämlich nicht vorhergesagt werden. „Außerdem muss der Segler die Wettersysteme richtig verstehen und die Daten auf Plausibilität überprüfen“, betont Brauner. „Die Performance muss mit den Daten harmonieren“, erklärt er. Und nicht zuletzt geht es darum, das Boot zu treiben – und das konsequent und ausdauernd. „Man muss ständig gucken“, sagt Brauner – auch nachts: „Kurz schlafen, und wieder gucken...“ Auf kleine Windänderungen müsse man sofort reagieren, um das beste aus dem Boot herauszuholen.

Letzteres klappt bei Herrmann gerade sehr gut, berichtet Brauner, der wegen gemeinsamer Projekte regelmäßig Kontakt zu Herrmann hält. Über das Wetter dürfen sie während der Regatta jedoch nicht sprechen. Zudem habe der Oldenburger laut Brauner intakte Foils und Segel. Das gelte nicht für alle Teilnehmer.

Nun liegt die windschwache Zone des meteorologischen Äquators (knapp nördlich des geografischen Äquators) vor den Seglern, danach das Azorenhoch. „Da kann es einige taktische Varianten geben“, vermutet Brauner. Die Möglichkeit dafür habe Herrmann bislang kaum gehabt. Im Pazifik gab es wenig Optionen dafür. Jetzt, im mittleren Atlantik, „wird es nochmal spannend für alle“, prognostiziert Brauner gegenüber der Oldenburger Nord-West-Zeitung.

Vendée Globe

Die Vendée-Globe ist die bekannteste und schwierigste Einhand-Segelregatta der Welt: Von Les Sables d’Olonne an der französischen Atlantikküste geht es in rund drei Monaten einmal um die Welt - ganz allein an Bord eines Segelschiffs. Für jeden (verrückten) Segelfan der Traum schlechthin! Die Boote sind wahre Hightech-Maschinen. An Schlaf ist in all der Zeit kaum zu denken; die Kapitäne schlagen sich außerdem mit allerlei technischen und wettermäßigen Widrigkeiten herum. Was an Bord zu Bruch geht, muss selbst repariert werden, und das ist bei oft mehrere Meter hohen Wellen nicht wenig. Der Deutsche Boris Herrmann ist erstmals dabei - und hat, wie erwähnt, alle Chancen auf einen Podiumsplatz.

Verfolgen Sie die spannende Regatta online mit!