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Voiles de Saint-Tropez: neuer Ablauf, nicht nur wegen Corona

SPORT

Man hatte zu Jahresbeginn alles schon mit großer Vorfreude bekanntgegeben: Die beliebten Voiles de Saint-Tropez, der große Regattaabschluss Ende September an der Riviera, sollte noch besser werden. Nun macht Corona einen Teil dieser Hoffnung erstmal zunichte. Noch hat der Präfekt kein ultimativ grünes Licht für die Voiles gegeben.

Mit den Jahren hatte es kräftige Zuwachszahlen gegeben, sodass man zuletzt die Teilnehmerzahl auf etwa 300 Boote begrenzen musste. Nur konsequent, dass man nun, statt Anfragen zurückzuweisen, die bisher einwöchige Veranstaltung aus organisatorischen und sicherheitstechnischen Gründen auf zwei Wochen ausdehnen will.

Sind ab dem 26. September zunächst die kleineren Boote bis etwa 24 m Länge an der Reihe, folgen ab dem 4. Oktober unter dem neuen Namen „Les Voiles Super Boats“ die großen Yachten wie die Maxis, die großen Schoner, die J-Class oder die großen klassischen Yachten wie die Moonbeam oder Cambria. Welche Boote und Bootsgrößen in welcher Gruppe starten, kann man auf der Internetseite der Veranstaltung nachlesen.

Das neue Konzept hat drei Vorteile: Auf dem Wasser wird es sicherer, und viele große Yachten können zukünftig, sobald die Teilnehmer der ersten Woche den Hafen verlassen haben, im alten Hafen festmachen. Start und Ziel aller Gruppen werden künftig direkt vor der Hafenmole sein und so den Zuschauern viele spannende Manöver bieten. Das dürfte die Besucher erfreuen – und vielleicht auch noch mehr anlocken.

Ob das neue Konzept freilich aufgehen wird, bleibt abzuwarten. Viele Besucher haben die eine Woche seit Jahren als Fixpunkt in ihrem Urlaubskalender. Den Aufenthalt aufs Doppelte zu verlängern, ist eine Zeit- und Geldfrage. Und eine Entscheidung, vielleicht nur für die erste oder nur für die zweite Woche anzureisen, wird nicht leicht zu fällen sein. Nicht vergessen werden sollte, dass bisher gerade eine gewisse Dichte der Ereignisse und das Miteinander von kleinen und großen Yachten und deren Crews diese einzigartige Voiles-Atmosphäre ausmachten. Ob man das jetzt aufs Spiel setzt?

Dann kam Corona.

Die Voiles werden wohl stattfinden, aber der Blick auf die Starterliste ernüchtert: Nur etwa halb so viele Boote wie vergangenes Jahr waren Anfang September gemeldet. In der ersten Woche wollen 42 statt wie letztes Jahr 95 klassische Yachten kommen; die Meldezahl der modernen liegt mit 95 bei nicht einmal der Hälfte des Vorjahres. In der zweiten Woche sind nur 23 Yachten gemeldet, die größte ist der Klassiker Puritan mit 31 m, die übrigen drei Klassiker und 19 moderne sind 18 bis 25 m lang. Das mit Super Boats zu verknüpfen, wie der Veranstalter diese Gruppe nennt, braucht Phantasie.

Leider fehlen die großen Wallys, die J-Class, klassische Schoner wie Elena oder Germania Nova oder Stammgäste wie die großen Klassiker Moonbeam, Cambria, Mariquita, Halloween, Hispania oder The Lady Anne, um nur ein paar zu nennen.

Auch das Landprogramm ist deutlich reduziert und den aktuellen Hygienevorgaben angepasst. Das gerade erst neu gestaltete Seglerdorf darf nur eine festgesetzte Anzahl von Gästen aufnehmen, die Bar dort entfällt ganz. Was überhaupt an Veranstaltungen stattfindet, ist ziemlich unklar. Da bleibt nur, sich auf der Internetseite www.lesvoilesdesaint-tropez.fr ein regelmäßiges Update zu holen.

In den aktuellen Segelanweisungen wird erwähnt, dass im Falle einer Komplettabsage das Meldegeld der Teilnehmer unter Einbehalt von 50 Euro zurückgezahlt wird. Ein Indiz, dass man tatsächlich die Möglichkeit, alles abzusagen, zumindest in Betracht zieht. Das wäre schade, andererseits muss man sich fragen, ob denn unter den schwierigen Bedingungen wirklich richtige Stimmung bei Seglern und Besuchern aufkommt. Und man sollte angesichts der Tücke der Pandemie auch nicht leichtsinnig werden!

Gerhard Standop