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Von Präsidenten, Künstlern & Philosophen im „confinement“

CÔTE D’AZUR & PROVENCE

Im confinement an der Côte d’Azur haben selbst die verbotenen Strände Augen. So weiß man in Le Lavandou, dass sich Altpräsident Nicolas Sarkozy und seine Frau Carla Bruni in die Villa von Carlas Mutter am Cap Nègre von Cavalière zurückgezogen haben. Sozusagen nebenan, im Fort de Brégançon an den Gestaden von Cabasson/Bormes-les-Mimosas, soll sich auch Präsidentengattin Brigitte Macron aufhalten, weil ihr – wie süffisanterweise kolportiert wird – der Aufenthalt in Paris angesichts ihres Alters zu riskant geworden sei. Paparazzi, die das bezeugen können, gibt es nicht. In Zeiten von Corona sind alle Spaziergänge am Meer unter Strafe gesperrt. 

Auslöser des jüngsten Gerüchts könnte schlicht sein, dass die Piloten der Präsidenten-Maschine den weitgehend ruhenden Flugverkehr und die damit verbundenen leergefegten Pisten des Flughafens von Nizza zu routinemäßigen Trainingsflügen nutzen, wie aus dem Élysée verlautet. Der Airbus A330 wurde dort jedenfalls am 17. April bei mehreren Starts und Landungen beobachtet. Und da dachte man natürlich...

Emmanuel Macron sei jedenfalls nicht an Bord gewesen, versichert Paris. Danach sei die Maschine nach Marseille geflogen.

Apropos Präsidenten: Auch Expräsident François Hollande ist von Covid-19 betroffen. Wenn auch nur mittelbar. Sein 96-jähriger Vater Georges, der fast 30 Jahre in Cannes lebte, starb dort – virenfrei – in der Résidence Montrose, wo er den alten Mann wegen der Ausgangssperre nicht besuchen durfte. Was für ihn "sehr schmerzhaft" gewesen sei, ja "grausam". Natürlich aber habe auch er sich in dieser Situation den allgemeinen Regeln unterworfen.

So musste Hollande telefonisch Abschied nehmen und warten, bis der kurz danach Verstorbene aus dem Altenheim getragen war. Erst zur Trauerfeier, die im engsten Kreis stattfand, durfte der Politiker dann persönlich erscheinen, bevor er in seine Villa in Mougins zurückkehrte.

Johnny Depp mobilisiert per Instagram

Hollywoodstar Johnny Depp versucht die Epidemie statt in L.A. auf seinem Weingut in Plan-de-la-Tour bei Grimaud im Var auszusitzen. Aber durchaus nicht tatenlos. Soeben hat der 56-jährige Schauspieler von dort per Instagram sein erstes Social-Media-Video verbreitet. In seinem Weinkeller, zwischen Kronleuchter und Traubenpresse, mit großer Brille, kariertem Hemd und Hosenträgern warnt er seine Follower, Covid um Gottes willen ernst zu nehmen. Bisher habe er mit sozialen Medien nichts im Sinn gehabt, bekennt er in dem acht Minuten langen Filmchen. "Doch der unsichtbare Feind in Gestalt des Coronavirus, das unermessliche Tragödien verursacht und das Leben der Menschen vielleicht noch lange einengen wird“, habe ihm den letzten Schubs gegeben. "Einige haben ihren Arbeitsplatz verloren und damit ihre Haupteinnahmequelle. Viele mussten ihre Geschäfte schließen, in die sie ihre ganze Kraft und viel Geld investiert hatten, und stehen jetzt ohne da."

Depp appelliert an alle, "in dieser schwierigen Zeit gut aufeinander aufzupassen". Dies gelte insbesondere für die Ärmsten, die Obdachlosen und diejenigen, die aus sonstigen Gründen keinen Zugang zu Pflege hätten, ohne die Möglichkeit, sich einzuschränken.

Schließlich äußert sich der Ex von Vanessa Paradis noch zum Thema Langeweile in der Quarantäne, "in der uns die Hände gebunden zu sein erscheinen". In gewisser Weise seien sie es ja auch. "Aber unser Geist ist frei, und auch unser Herz ist nicht gefesselt." Deshalb lade er all seine Anhänger ein, gegen die Monotonie anzukämpfen, neugierig zu bleiben und zu lernen. "Schaffen Sie heute etwas, von dem Sie und andere morgen profitieren."

Depp, der sich mit seinem 18-jährigen Sohn Jack im Var aufhält, erinnert sich sehr wohl noch des einstigen Gemaules seiner Kinder, also auch von Tochter Lily-Rose (heute 20), über die ewige Langeweile. "Da hab‘ ich ihnen gesagt, Langeweile gibt es nicht. Es gibt immer etwas zu tun, immer..." Man könne "zum Beispiel zeichnen, lesen, denken, einen Film drehen oder ein Instrument spielen".

Depp selbst ist schon einige Monate vor der Epidemie mit gutem Beispiel vorangegangen, indem er mit seinem Freund, dem Gitarristen Jeff Beck, einen Song von John Lennon einspielte, der "Isolation" heißt und insofern etwas Prophetisches in sich trägt. Inzwischen ist das Stück fünf Millionen Mal angeklickt worden.

Elton John hilft Spenden sammeln

Rockstar Elton John, dem in Villefranche-sur-Mer bei Nizza das Castel Mont-Alban gehört, sagt es ebenfalls mit Musik: Mit einem von Lady Gaga organisierten virtuellen Benefizkonzert mit Paul McCartney, den Rolling Stones, Taylor Swift und anderen Größen des Showbusiness half er in diesem Monat unter dem Motto "One World: Together at Home" Geld zu sammeln "im Kampf gegen die Auswirkungen der Corona-Seuche". Das über zweistündige Konzert wurde von etlichen sozialen Medien, Streaminganbietern und Fernsehsendern wie NBC und CBS ausgestrahlt.

BB glücklich, aber illusionslos

Kino-Ikone Brigitte Bardot (BB) indessen, berühmteste Bürgerin des Var, genießt nach eigenen Worten ihre Quarantäne. "Die meisten Menschen nerven mich, und daher bin ich glücklich, endlich mal meine vollkommene Ruhe zu haben", sagte sie in ihrem Haus "La Madrague" in Saint-Tropez "ganz offen", wo sie sich mit ihren zwölf Hunden, 25 Katzen, Pferden, Schweinen, Ziegen, Hühnern und Gänsen verschanzt hat. Ihren Mann Bernard d’Aumale nicht zu vergessen.

"Ich genieße das Landleben mit meinen Tieren und den blühenden Bäumen, die herrlichen Sonnenuntergänge und die Stille, die von keinen Touristen, von keiner krakeelenden Menge, keinen Flugzeugen, Autos und Booten gestört wird." Endlich wagten sich wieder die Eichhörnchen und die um die Wette singenden Vögel heran. Auch die Wildschweine kommen wieder an den Strand. "Ich sehe niemand und gehe nicht raus."

Um ihre Gesundheit mache sie sich keine Sorgen, versichert BB. "Was kommen muss, kommt sowieso." Im Übrigen sei sie "voll pessimistisch", was ein Umdenken der Menschen nach Corona anlange. "Sie haben die Erde ausgeplündert, den Boden verwüstet, die Ozeane und die Flüsse vergiftet. Vielleicht ist die Pandemie die letzten Warnung, und wenn wir wieder nicht daraus lernen, ist das Ende der Welt absehbar." Sie sei sich aber jetzt schon sicher, dass sich auch nach der Krise nichts ändern wird: "Spätestens nach ein paar Monaten werden die Leute das Coronavirus vergessen haben und so leichtsinnig weitermachen wie bisher."

Slimani: Küssen wie bei Dornröschen

Bestsellerautorin Leïla Slimani, Prix Goncourt, die wir unseren Lesern nach ihrer Teilnahme auf der Buchmesse "Fete du Livre du Var" in Toulon vorstellten, schreibt in ihrem Landhaus ein Corona-Tagebuch. Sie habe ihren Kindern erklärt, es sei wie bei Dornröschen, das hundert Jahre schlafen musste, um nicht zu sterben. Die Feen hätten sich das ausgedacht, um es zu retten. Und wörtlich weiter: "Bei uns ist es ähnlich, wir müssen uns nun ausruhen und zu Hause bleiben. Und so wie der Prinz eines Tages kam, um Dornröschen wachzuküssen, werden wir uns auch bald wieder küssen."

Sie habe nicht gewusst, wie sie die Ausgangssperre ihrem neunjährigen Sohn und ihrer kleinen, dreijährigen Tochter anders hätte erklären sollen, sagte Slimani. Drei Tage vor Beginn des confinements sei sie mit ihrem Mann und den Kindern von Paris aufs Land gefahren, wie an jedem Wochenende, mit leichtem Gepäck für einige wenige Tage. "Nun sind wir einfach dageblieben."

Rolf Liffers