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Warum nicht ein Gemüsegarten an der Côte d’Azur?

KOLUMNE

In ihrer Kolumne in der RivieraZEIT geben abwechselnd Sabine Sophy und ihr Mann Tobey Albert, Gartendesigner von Green Parrot Gardens, Tipps für den mediterranen Garten. Diesmal: Sabine Sophy über das Anlegen eines Obst- und Gemüsegartens.

In meiner Kindheit hatten nicht nur meine Eltern, sondern auch die Tanten und Onkel immer Obst und Gemüse im Garten. Das Gemüse hat mich als Kind nicht so massiv interessiert, aber die Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren und Birnen umso mehr. Es war wunderbar, Obst direkt von Bäumen oder Sträuchern zu essen, sich mit «Kirsch-Ohrringen» zu schmücken, Johannisbeerrispen durch die Zähne zu ziehen, bei unreifen Stachelbeeren Fratzen zu schneiden und wurmbefallene Zwetschen schnell in Nachbars Garten zu werfen.

Wenn Sie einen Garten an der Côte d’Azur haben und ein bisschen Platz, dann leisten Sie sich einen kleinen Obst- und Gemüsegarten und holen Sie sich den Spaß aus der Kindheit zurück!

Wer Obst und Gemüse selbst anbaut, ist Teil eines schöpferischen Prozesses und einfach im Einklang mit der Natur. Jeder, der schon mal intensiv schmeckende Kirschtomaten aus dem eigenen Garten geholt hat, weiß, wovon ich spreche. Dieser Lohn für unsere kleine Anstrengung wird nicht mit Geld bemessen ist und macht uns gerade deshalb einfach glücklich – und auch ein bisschen stolz.

Legen Sie los – hier kommen die sieben Schritte zum schönen Obst- und Gemüsegarten.

Schritt 1:
Planen Sie eine automatische Bewässerung mit ein – es sei denn, Sie leben dauerhaft hier unten und lieben es, jeden Tag zu gießen. Ohne geregelte Bewässerung bleibt Ihr Obst und Gemüse mickrig. Falls Sie eine Bewässerungsanlage haben, kann man diese erweitern, falls nicht, denken Sie über ein zeitgemäßes Modell nach, das übers Internet gesteuert werden kann, wenn Sie nicht vor Ort sind.

Schritt 2:
Wählen Sie nicht irgendein Obst und Gemüse für Ihren potager aus, sondern pflanzen Sie, was Ihnen wirklich schmeckt! Wenn Sie keine Artischocken mögen, dann pflanzen Sie die auch nicht. Wenn Sie Tomaten lieben, dann pflanzen Sie mehrere Sorten (etwa Coeur de Boeuf, Green Zebra, Divina) und genießen die Vielfalt. Pflanzen Sie die Obstsorten, die Sie gern essen und lassen sich bei der Auswahl des Standorts beraten. Avocados und Zitronen brauchen Hitze und Sonne, zarte Himbeeren oder Sauerampfer auch schon mal Halbschatten.

Schritt 3:
Versuchen Sie bitte nicht, Obst und Gemüse im «normalen» südfranzösischen Boden (überschwemmt und ausgewaschen im Winter, zu Stein gebacken im Sommer) anzubauen. Das wird nix, ehrlich. Zwei Zauberworte: Hochbeet heißt das eine und Kompost das andere. Ein Hochbeet muss nicht sehr hoch sein, 30cm können schon ausreichen. Ein höheres Hochbeet ist natürlich angenehmer für Ihren Rücken und es passt auch mehr Kompost rein. Ihr Hochbeet kann aus Naturstein gemauert sein, schlicht aus Holz zusammengesteckt, alles ist denkbar. Wenn Sie Ihre Pflanzen in reinen, fluffigen Kompost pflanzen, werden sie voller Dankbarkeit gut anwachsen und Sie haben bald Freude daran.

Schritt 4:
Nutzen Sie den Vorteil des eigenen Gartens und pflanzen Sie giftfrei. Lassen Sie die Finger von Chemikalien und setzen Sie auf die Weisheit der Natur. Biologische Schädlingsbekämpfung und Mischkultur-Bepflanzung sind probate Mittel für einen guten Ertrag und gesunde Pflanzen. Dann können Sie in Ihren Garten gehen, pflücken und reinbeißen.

Schritt 5:
Alle Gehölze, und ganz besonders Obstbäume, wollen richtig zurück geschnitten werden. Für gesunde Pflanzen und gute Ernte sollte man Obstbäume kurz halten und innen «öffnen». Dann kann man gut pflücken und auch die Baumgesundheit im Auge behalten.

Schritt 6:
Nutzen Sie das Glück im Süden zu sein und pflanzen Sie, was hier gerne wächst, zum Beispiel Mandeln, Aprikosen, Feigen, Wein, Thymian, Oregano, Salbei, Lavendel, Rosmarin, Basilikum und Meerfenchel. Pflanzen Sie einen Avocadobaum; ich habe neulich einen voll ausgewachsenen Avocadobaum gesehen, an dem unzählige Früchte hingen! Wissen Sie, wie gut Feigen direkt vom Baum schmecken? Pflanzen Sie Wein, das werden Sie bestimmt nicht bereuen, und probieren Sie es mal mit Kiwis. Sie müssen mindestens zwei Bäume pflanzen, um die Chance auf Befruchtung zu haben, aber der Versuch lohnt.

Schritt 7:
Bitte halten Sie mich jetzt nicht für meine Oma, aber: Verwerten Sie Ihr wunderbares Gemüse und Ihre schönen Früchte. Es muss ja kein langweiliges Gelee sein, probieren Sie mal was Neues: zum Beispiel eine moderne Tomatenmarmelade (zu Käse) oder köstliches Chutney aus Kürbis oder Zucchini. Für ein gutes Schalotten- oder Feigenconfit werden Ihre Gäste Sie anhimmeln, und eingemachte Birnen sind im Winter eine tolle Begleitung zu Wild oder Schokoladenkuchen. Wissen Sie, wie toll es ist, Monate später seine selbst hergestellten Kostbarkeiten aufzumachen?

Selber anbauen, selber ernten, das ist auch Unabhängigkeit. Abends in Nizza ankommen, alle Geschäfte zu, es ist zu spät um Essen zu gehen, aber da ist der Garten, und wir holen uns frische Tomaten und Basilikum herein. Gutes Olivenöl, Zwiebeln, Knoblauch und Spaghetti hat man immer da – und schon köchelt die köstlichste Tomatensoße, und wir können kaum fassen, wie gut das schmeckt.

Sabine Sophy, Green Parrot Gardens