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Wieder eröffnet: Musée d’Art de Toulon - Premiere mit Picasso-Ausstellung

KUNST

Auch die lange gemiedene Stadt Toulon ist heute dank der Wiedereröffnung des Musée d’Art de Toulon einen Besuch wert. Unter dem Leitthema des Mittelmeeres zieht die die Picasso-Ausstellung mit über 50 Werken des Meisters und vielen weiteren seiner Zeitgenossen Braque, Friesz, Kisling, Derain und Dufy zahlreiche Besucher an.

Pablo Picasso Toulon MAT Künstler Gemälde Kunstausstellung

Toulon will’s wissen: Jahrzehnte lang ist die Stadt am Meer als ärmlich, schmutzig, ja, gefährlich verrufen gewesen. Vom Tourismus entsprechend gemieden. Dann riss eine junge Generation von Kommunalpolitikern das Steuer herum, die Straßen auf und die Schrotthäuser ab. Jetzt wurde die Komplettsanierung der Altstadt durch die Wiedereröffnung des in neuem Glanz erstrahlten Kunstmuseums von 1888 und die Inauguration der ersten selbst kuratierten Picasso-Ausstellung gekrönt.

 

Schon in den ersten sechs Stunden kamen nach offiziellen Angaben 1500 Besucher, um die insgesamt 53 Kunstwerke des spanischen Meisters (33) und einiger seiner Zeitgenossen (Braque, Friesz, Kisling, Derain, Dufy) in Augenschein zu nehmen. Thema ist das Mittelmeer («Picasso et le paysage mediterranéen»), und der Andrang will schier nicht enden, zumal die aus 13 Museen und mehreren Privatsammlungen verschiedener Länder stammenden Leihgaben allein schon wegen der enormen (Ver-)Sicherungskosten kein zweites Mal zu vereinigen sein werden.  

Im Zuge der breit angelegten Sanierung der Departements-Metropole, wie sie sich seit neuem im offenkundigen Einvernehmen mit den Umlandgemeinden nennt, waren zunächst die Rattenlöcher entfernt und die Altstadtgassen aufgehellt worden. Danach wurde der Strandabschnitt in Mourillon südseeparadiesisch aufgehübscht. Parallel dazu wurde die Kulturszene mobilisiert. Kunsthäuser und Theater wurden erneuert oder 
Pablo Picasso Toulon MAT Künstler Gemälde Kunstausstellunggeschaffen und geschickt über das Stadtgebiet verteilt. Wo früher Spelunken, Bars und Bordelle schmuddelten, reiht sich heute eine schicke Galerie an die nächste. Mitte November war auch – wie es hieß –   «le fleuron» (etwa: das Sahnehäubchen) unter den Kunsttempeln in dem prächtigen und denkmalgeschützten Jugendstil-Palast am Boulevard General Leclerc fertig. Bereits am Vorabend der  eigentlichen Eröffnung wurde es von 2000 geladenen Gästen geflutet. 

Entsprechend keck hat die Stadt das ziemlich heruntergekommene, nun aber mit knapp 13 Millionen Euro von innen und außen wieder hergerichtete Musée d’Art de Toulon in Anlehnung an das weltberühmte New Yorker Metropolitan Museum of Art (MET) in MAT umgetauft, um den künftigen Anspruch auch phonetisch zu untermauern. Bürgermeister Hubert Falco sieht in dem Coup gar «den Beginn einer neuen Ära im Kulturleben unserer Stadt».

Das nächste große Kunstereignis wirft schon seine Schatten voraus: Ab September 2020 wird das Musée d’Art, das sich seit 2002 mit dem Gütesiegel «Musée de France» schmücken darf, erneut Werke bedeutender  
Pablo Picasso Toulon MAT Künstler Gemälde Kunstausstellungzeitgenössischer Künstler zeigen. Dokumentiert werden sollen verschiedene Kunstströmungen vom Neuen Realismus (Yves Klein, Niki de Saint-Phalle, Arman, César) über die Minimalkunst (SolLeWitt) und die Konzeptkunst (Donald Judd). Außerdem sollen Arbeiten von Ausnahmekünstlern wie Gerhard Richter, Christo, Sigmar Polke und Christian Boltanski vorgestellt werden. Dabei kann das MAT aus dem Vollen schöpfen, umfassen die eigenen Bestände des Museums doch über 600 Werke moderner Künstler. 

Systematisch auf Vordermann gebracht wurden von Toulon in letzter Zeit auch das jetzige Hotel Départemental des Arts, das sich seither ziemlich kühn ausschließlich zeitgenössischer Kunst widmet. Dann das exotische Musée de la Marine (früher einmal Zuchthaus, in dem schon Victor Hugo und Artur Schopenhauer Studien trieben), das erlesene Musée des Arts Asiatiques im Ortsteil Mourillon, das früher der Familie von Jules Verne gehörte, und das Festungsmuseum Fort Balaguier, von dem aus Napoleon Bonaparte einst die Engländer verscheuchte. 

Übrigens: Zur Feier der MAT-Eröffnung hat die Stadt Toulon in der gesamten Metropole die noch immer andauernde «Saison Picasso» ausgerufen, an der sich u.a. das Theater «Liberté» (Scène National), das Opernhaus, die Villa Noailles (Hyères), die Villa Tamaris (La Seyne), die «Ecole supérieure d’Art et de Design», das Conservatoire National mit beziehungsreichen Tagungen, Kolloquien, Konferenzen, Konzerten, Ausstellungen und Aufführungen beteiligen. Nicht zu vergessen die Ausstellung «Picasso Tribute» im Neubau der «Maison de la Photographie», in der zeitgleich mit dem MAT Aufnahmen von Capa, Duncan, Clergue, Villers und Co. aus der Agentur Magnum vorgeführt werden.

Die traditionell zum MAT gehörenden Abteilungen für zeitgenössische Kunst, Grafik und Fotografie sowie die Zentralbibliothek können erst ab kommendem Herbst wiedereröffnet werden.

 

Rolf Liffers

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Pablo Picasso Toulon MAT Künstler Gemälde Kunstausstellung

Picasso im MAT

Picassos Premieren-Ausstellung im MAT dauert bis zum 23. Februar

jeweils von Dienstag bis Sonntag
12 bis 18 Uhr

Eintritt: 5 Euro

Katalog (dreisprachig) mit kompletter Übersicht über Picassos zahlreiche Wohnorte im Süden 18 Euro

 

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