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Mario Adorf: "... böse kann ich auch"

Für sein Lebenswerk wurde Mario Adorf gleich zweimal geehrt: Am Samstag erhielt der Schauspieler in Berlin, mit einer außergewöhnlich leidenschaftlichen Laudatio von Hannelore Elsner und Iris Berben, die Goldene Kamera. Die Berliner Akademie der Künste ehrt den in Zürich geborenen Halbitaliener mit einer neuen Ausstellung. Unter dem Titel " ... böse kann ich auch" sind dort bis 15. April Fotos, Drehbücher und Dokumente seiner Filmkarriere aus mehr als 60 Jahren zu sehen.
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Eigentlich schade: Der Wahl-Tropezien Mario Adorf will nicht deutscher Bundespräsident werden! Mit dieser augenzwinkernden Klarstellung schloss der Schauspieler am Samstag in Berlin seine Dankesrede, nachdem er anlässlich seiner Auszeichnung mit der Goldenen Kamera für das Lebenswerk von seinen Verehrerinnen Iris Berben und Hannelore Elsner derart über den grünen Klee gelobt worden war, dass es manchem schon fast peinlich war. Hand in Hand auf der Bühne der Berliner Ullstein-Halle, würdigten die beiden Künstlerinnen den 81-Jährigen als „langjährigen, lieben Freund“ und als „Großmeister des deutschen Schauspiels“.

„Gern hätte man die beiden großen reifen Damen des deutschen Films gestoppt, die Adorf in ihrer Laudatio wie zwei verliebte Teenager anhimmelten, so dass dieser aus dem Stirnrunzeln nicht mehr herausfand“, kommentierte ein Reporter. In der Tat sprach der Gesichtsausdruck der neben dem geehrten Mimen sitzenden, über die Flut an Komplimenten offenbar nur mäßig amüsierten Ehefrau Bände.

Andere Beobachter deuteten Adorfs Mimik indessen eher als Freude über „die liebevolle und gut gespielte Schmeichelei“ seiner Kolleginnen, wie er es auch selbst zum Ausdruck brachte. Trotz Standing-Ovations blieb er cool und entschuldigte sich dafür, dass er seine erste Goldene Kamera vor 21 Jahren als „Ding“ bezeichnet hatte (Zitat: „Ich glaube, ich habe dieses Ding schon lange verdient“).

In der Berliner Akademie der Künste wird die fast 60-jährige Karriere des prominenten Schauspielers anhand zahlreicher Zeitdokumente noch bis 15. April nachgezeichnet. Auf 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden erstmals Fotos, Rollenbücher, Briefe, Kritiken und Manuskripte aus dem Archiv des Künstlers, das er der Akademie im Jahr 2009 überlassen hatte, gezeigt. Der mehrfach ausgezeichnete Adorf verkörperte rund 60 Theater- und mehr als 220 Filmrollen. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen "Der große Bellheim" und "Der Schattenmann". Anlässlich seines 80. Geburtstags ehrte das ZDF ihn mit einem auf seinen Leib zugeschnittenen Zweiteiler "Der letzte Patriarch".

„Ich mag es, wenn ich in einer Rolle meine Ideen einbringen kann“, hatte Mario Adorf der Riviera Côte d'Azur-Zeitung in einem Exklusiv-Interview vor seinem 80. Geburtstag in Saint-Tropez beschrieben, den er dort in kleinem Kreise mit Freunden und Familie feierte. «Wenn damals in Hollywood jemand für eine Rolle engagiert wurde, war er darauf festgelegt. So spielte ich zuerst einen Mexikaner und bekam später immer nur Rollen als Mexikaner angeboten. Man kommt dann in eine Schablone, was ich absolut nicht wollte.“

In den Süden zog es Mario schon früher. Als unehelicher Sohn der deutschen Röntgenassistentin Alice Adorf und des kalabresischen Chirurgen Matteo Menniti wuchs er in Mayen in der Eifel auf. Bereits als Student fuhr er regelmäßig nach Italien. «Es war auch eine Suche nach den Wurzeln“.

In Saint-Tropez. hat Adorf sein Glück gefunden. 1985 heiratete er die tropezianische Arzttochter Monique Faye. «Wir lernten uns in Spanien kennen, wohin Monique ihre Freundin Brigitte Bardot zu Filmaufnahmen begleitet hatte.“ Nur wenig später trafen sie sich in Rom wieder. Dahinter steckte wieder die Bardot. „C'est la vie, und so ist es dann weitergegangen.»

Sich zur Ruhe setzen? Daran denkt der Grandseigneur des deutschen Films noch lange nicht: «Für mich ist es eine Gnade, aktiv zu sein und arbeiten zu können.»

Rolf Liffers