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Heizpilz: ja oder nein?

Heute begeben wir uns auf heißes Pflaster. Es ist eine Geschichte, die bei den Menschen die Emotionen hoch gehen lässt. In Wien jedenfalls und in anderen größeren Städten. In Frankreich habe ich eine solche Diskussion noch nicht bemerkt. Das liegt sicher daran, dass er hier zum guten Geschmack gehört und eine Abschaffung dieser festen Institution undenkbar scheint. Im Gegensatz zu Wien, wo um die Einführung hart gerungen wird.
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Die Rede ist vom sogenannten Heizschwammerl, Hochdeutsch: «Heizpilz». Und weil im Französischen vieles etwas verspielter klingt, wird aus dem schnöden Pilz ein luftiger «Parasol chauffant». An der Côte d Azur ist er an allen Ecken zu finden. Denn der Heizpilz sorgt in der milden, aber zumindest im Schatten zu wenig milden Jahreszeit für ein behagliches Klima bei Kaffee und Rotwein. Wobei ich, das muss ich ehrlich sagen, den älteren, mit Gas betriebenen Modellen viel mehr abgewinnen kann als den modern designten Geräten, die mit einem Pilz oder eben Schirm wenig gemeinsam haben. Doch auch sie erfüllen den guten Zweck.

Spätestens hier stellt sich nun aber die Frage, ob dieser Zweck auch die Mittel heiligt. In Wien befinden wir uns noch am Anfang der Heizschwammerl-Ära, auch weil die Gastgärten nicht permanent übers Jahr betrieben werden dürfen.

Wenn die Rahmenbedingungen passen, sprießen die Schwammerl vor allem auf dem größten Wiener Markt, dem Naschmarkt. Die Lokalitätenbesitzer, oftmals südländisch verwurzelt, importierten die Sorte einfach mit. Und so gibt es dort ein wahres Heizschwammerl-Paradies. In der Innenstadt sind sie noch immer nur vereinzelt zu finden.

Die Frage, die hochkocht, ist jedoch: Lassen sich die Heizschwammerl aus ökologischer Sicht rechtfertigen? Da kann man gut begründet der Meinung sein: nein. Denn so, wie es derzeit gehandhabt wird, wärmen sie zwar mit viel Glück den gern gesehenen Gast. Ansonsten produzieren sie jedoch nur viel heiße Luft. Und dafür steht der Energieverbrauch nun wirklich in keinem Verhältnis mit dem Nutzen.

Es sei denn, man geht den entscheidenden Schritt weiter. Fasziniert lässt sich an der Küste beobachten, wie die Bars und Restaurants ihre mobilen Wintergärten jeden Tag ab und wieder aufbauen. Mit wenigen Handgriffen wird da die Veranda zu einem geschützten Bereich – in dem das Heizschwammerl seine volle Wirkung entfalten kann. So sorgt er für eine ganze gemäßigte Klimazone statt einem bescheidenen Warmluftphänomen. Ökologisch zumindest etwas verträglicher.

Christian Neuwirth