Haupt-Reiter

Aus dem Leben im Süden

War ich im Tollhaus? Nein, nur im Supermarkt, irgendwo in der Provence, kurz vor Ladenschluss.
Ich hatte bloß drei Sachen und stand bereits an der Kasse. Nebenan ein junges Mädchen, es überreichte der Kassiererin jedes Teil einzeln, darunter auch zwei Besen. Die sagte jedesmal höflich «merci», legte die Ware auf das Band und schob sie am Scanner vorbei.

Vor mir packte eine Dame blitzschnell ihre Artikel in den Korb, bis auf die, die sie vergessen hatte. Diese suchte ihr kleiner Sohn, heulend, weil erfolglos, in den Regalen. Schließlich half ihm die Kassiererin und beide blieben längere Zeit verschwunden. An Kasse 2 diskutierte man derweil über die Qualität von Besenborsten.

Endlich ging es weiter, nur noch schnell bezahlen. Madame, die vorher Löcher in die Luft gestarrt hatte, kramte minutenlang in ihrer Tasche und förderte schließlich einen Gutschein zutage. Dummerweise war die Rechnung um 11,60 Euro höher als der Wert des Gutscheins, es musste also aufbezahlt werden. Irgendwann wurde das Portemonnaie in den Tiefen der Tasche gefunden und erfolglos nach Scheinen durchforstet. Es folgte der Kassensturz und zwei Erwachsene sowie ein heulendes Kind zählten Kleingeld.

Nebenan hatte man mittlerweile festgestellt, dass die Besen zerlegbar waren und befand sich bereits in der Phase des Wiederaufbaus. Das Kleingeld reichte nicht. Kein Problem, Madame zückte die Kreditkarte und gab die Nummer ein. Sie war falsch. Die letzte Rettung war das Scheckheft, aber auch das wollte erst einmal gefunden werden.

Es war vollbracht und endlich war ich an der Reihe. «Kleines Sekündchen, bin sofort wieder bei Ihnen» sagte die Kassiererin und entschwand, vermutlich, um eine zu rauchen. Wenn sie mich doch wenigstens mitgenommen hätte!
An Kasse zwei starrte der Marktleiter mit hochrotem Kopf auf die Fragmente dessen, was einmal zwei Besen gewesen waren.

Geschafft! Ich war draußen. Auf dem Parkplatz sah ich Madame. Sie hatte den Inhalt ihrer Umhängetasche auf die Kühlerhaube ihres Wagens geschüttet und suchte verzweifelt nach ihrem Autoschlüssel.

Hannelore Salinger