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Zwischen zwei Welten

Es gibt Dinge, die machen den Menschen überall gleich Kopfschmerzen. Neulich, in meiner Lieblingsbar in Nizza, setzt sich mein Lieblingskellner zu uns. Und knallt seine Packung Marlboro auf den Tisch. Sieben Euro knöpft man ihm dafür mittlerweile ab, im benachbarten Italien sind es nur fünf. Schuld daran: die Steuererhöhungen.

Der französische Präsident Hollande hat seine «Beliebt-heitswerte» auf das niedrigste jemals im vergleichbaren Zeit-raum gemessene Niveau gesetzt. Niemand war bei den Franzosen knapp zwei Jahre nach der Wahl so unbeliebt wie er. Wenn man sich so umhört, ist ein Grund dafür schnell ausgemacht: das Anheben der Steuern, die jedermann zu bezahlen hat. Sieben Euro für eine Packung Zigaretten, das ist ein stolzer Preis in einem Land, in dem gerne geraucht wird. In Österreich ist man da noch im siebten Himmel: Vergleichbare Zigaretten kosten, ebenfalls nach einer viel kritisierten Steu-ererhöhung, 4,90 Euro.
Nun lässt sich gewiss so darüber diskutieren, ob man Raucherinnen und Rauchern dafür, dass sie dem Gesundheitswesen zusätzliche Kosten bereiten, etwas abverlangen kann. Schließlich wird ja niemand gezwungen zu rauchen. Doch macht sich schlechte Stimmung breit, wenn das Gesundheitsargument nur vorgeschoben wird.
In Wahrheit ist es doch so: Die Ausgaben des Staates wachsen immer mehr an. Und ob es nun Gemeindesteuern sind oder solche, die den jeweiligen Regierungen in den Hauptstädten zufließen: Mit einer schnellen Steuererhöhung ist allemal bequemer regiert als mit schmerzvollen Sparpaketen. Die Politikerinnen und Politiker sind dabei mal einfallslos (Zigarettenpreise zu erhöhen, zeugt nicht von besonderer Inspiration), manchmal aber auch recht kreativ: In Wien laufen derzeit die Sekt-Hersteller gegen die Einführung der «Schaumweinsteuer» Sturm. Mit jeder Flasche Prickelbrause kassiert der Finanz-minister künftig mit.
Es ist also ganz natürlich ärgerlich, wenn der Staat seinen Bürgern in die Taschen greift. Doch auch wenn das jetzt nicht populär ist, weil ganz sicher niemand gerne Steuern zahlt: Ab und an sollte man sich doch daran erinnern, dass die vielen Leistungen des Staates und der Gemeinden – in Österreich wie in Frankreich – nicht einfach so vom Himmel fallen. Und spätestens bei den Gedanken an ein recht effizientes Gesundheitssystem, an funktionierende Müllentsorgung und an sich jede Nacht wiederholende wundersame Straßenreinigungsaktionen verpufft der Ärger über die teuren Zigaretten. Wenigs-tens ein bisschen.
Christian Neuwirth*
*Der Autor dieser Kolumne lebt und arbeitet vor allem in Wien, seit zehn Jahren immer wieder auch in Nizza

Der französische Präsident Hollande hat seine «Beliebt-heitswerte» auf das niedrigste jemals im vergleichbaren Zeit-raum gemessene Niveau gesetzt. Niemand war bei den Franzosen knapp zwei Jahre nach der Wahl so unbeliebt wie er. Wenn man sich so umhört, ist ein Grund dafür schnell ausgemacht: das Anheben der Steuern, die jedermann zu bezahlen hat. Sieben Euro für eine Packung Zigaretten, das ist ein stolzer Preis in einem Land, in dem gerne geraucht wird.

In Österreich ist man da noch im siebten Himmel: Vergleichbare Zigaretten kosten, ebenfalls nach einer viel kritisierten Steu-ererhöhung, 4,90 Euro. Nun lässt sich gewiss so darüber diskutieren, ob man Raucherinnen und Rauchern dafür, dass sie dem Gesundheitswesen zusätzliche Kosten bereiten, etwas abverlangen kann. Schließlich wird ja niemand gezwungen zu rauchen.

Doch macht sich schlechte Stimmung breit, wenn das Gesundheitsargument nur vorgeschoben wird. In Wahrheit ist es doch so: Die Ausgaben des Staates wachsen immer mehr an. Und ob es nun Gemeindesteuern sind oder solche, die den jeweiligen Regierungen in den Hauptstädten zufließen: Mit einer schnellen Steuererhöhung ist allemal bequemer regiert als mit schmerzvollen Sparpaketen.

Die Politikerinnen und Politiker sind dabei mal einfallslos (Zigarettenpreise zu erhöhen, zeugt nicht von besonderer Inspiration), manchmal aber auch recht kreativ: In Wien laufen derzeit die Sekt-Hersteller gegen die Einführung der «Schaumweinsteuer» Sturm. Mit jeder Flasche Prickelbrause kassiert der Finanz-minister künftig mit. Es ist also ganz natürlich ärgerlich, wenn der Staat seinen Bürgern in die Taschen greift.

Doch auch wenn das jetzt nicht populär ist, weil ganz sicher niemand gerne Steuern zahlt: Ab und an sollte man sich doch daran erinnern, dass die vielen Leistungen des Staates und der Gemeinden – in Österreich wie in Frankreich – nicht einfach so vom Himmel fallen. Und spätestens bei den Gedanken an ein recht effizientes Gesundheitssystem, an funktionierende Müllentsorgung und an sich jede Nacht wiederholende wundersame Straßenreinigungsaktionen verpufft der Ärger über die teuren Zigaretten. Wenigs-tens ein bisschen.

Christian Neuwirth*

*Der Autor dieser Kolumne lebt und arbeitet vor allem in Wien, seit zehn Jahren immer wieder auch in Nizza